AZ-Konzertkritik Metallica in der Olympiahalle: Skandal im Sperrbezirk

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Auch nach mehr als 35 Jahren immer noch die Götter des Metal: Metallica, hier bei einem Konzert in Manchester. Foto: dpa

Am Donnerstagabend (27.04.2018) machten die legendären Rocker von Metallica die Münchner Olympiahalle mit alten und neuen Hits zum Metal-Mekka - und überraschten mit ihrer Interpretation bajuvarischen Liedguts. Die AZ-Konzertkritik.

 

Schließen Sie die Augen und denken Sie an Metallica: Denken Sie auch an Skandal im Sperrbezirk, Glühwürmchen und die Blue Man Group Getrommel? Oder eher an Nothing-Else-Matters-Lagerfeuerromantik anno 1991, das Staunen über die endlosenlangen Arrangements bei "...and Justice for all" oder das Rockavaria 2015, auf dem Metallica fast nur B-Seiten gespielt haben?

Weil sie die erfolgreichste Metalband der Welt sind, hat jeder seine Assoziationen zu Metallica. Am Donnerstagabend in der ausverkauften Olympiahalle haben die Metaller 15.200 Fans neue Assoziationen auf ihrer "Hardwired… to Self-Destruct"-Tour geschenkt.

Zum obligatorischen Ennio-Morricone-Italo-Western-Thema entern Metallica Punkt 21 Uhr ihre Bühne. Eine Bühne, die in der Mitte der Olympiahalle steht und auf der sich James Hetfield, Kirk Hammett, Rob Trujillo und Lars Ulrich in den 135 Minuten viel bewegen müssen, um die Fans in alle Richtungen bespielen zu können. Diese Fans sind nicht die typischen Münchner-Langweiler, die mit stoischem Gesichtsausdruck ihr Bier schütten, weil sie zu cool für diese Welt im Allgemeinen und Ausrasten im Speziellen sind. Nein, es sind Metallica-Fans, die mit ihren Körpern von allen Seiten Richtung Bühne streben, die Hände in der Luft, den Mund zum Schrei "Atlas, RISE" verzerrt.

Glühwürmchen und Spider Murphy Gang

Diese Bühne ist ein wunderschöner Schmetterling, der sich um die Band herum entfaltet, mit Zauberwürfeln, die mit filigranen Projektionen hoch und runterfahren, mit Feuer, dass selbst die Gesichter auf den Sitzrängen kurz erhitzt und Glühwürmchen, die aus dem Bühnenboden zu "Moth into Flame" aufsteigen. "Now that we're dead" gerät zu einer ekstatischen Totenbeschwörung, als die vier Metaller minutenlang auf beleuchtete Würfeln hämmern. Die gigantische Bühne, die ihre perfekte Show unterstreicht, stützt und noch mehr aufbläst, brauchen Metallica natürlich nicht. Dem bombastischen Sound und der hymnischen Abgehobenheit schadet eine kluge Bühne aber mitnichten.

Schlechte Menschen denken sich (würden es aber nie aussprechen), dass James Hetfield weniger nettes, langweiliges Zeug sprechen sollte und lieber noch mehr Songs spielen sollte. Hits haben sie genug und neben den Songs vom neuen Album bedienen sie ihre Fans auch mit "For whom the Bell Tolls", "One", "Master of Puppets" und "Skandal im Sperrbezirk". Richtig gelesen. Rührig, wie Bassist Robert Trujillo den Gassenhauer auf Deutsch singt und Kirk Hammett herumalbert. Sehr viel sympathischer als die Deutschlandflaggen mit Metallica Schriftzug, die auf die Bühnenquader projiziert werden. Denn anbiedern brauchen sich Metallica bei ihren Fans nicht, dafür sind sie zu bombastisch.

 

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