AZ-Konzertkritik Kelly Family in der Olympiahalle: Die Familie gibt Liebe

Die Kelly Family in München - da geht's feurig zur Sache. Die Bilder von der Show in der Olympiahalle zum Durchklicken. Foto: Jens Niering

The Kelly Family versprüht in der Olympiahalle Konfetti, Feuer – und Coolness. Die Konzertkritik.

Männer tragen langes Haar, weil sie einer verklärten Hippieromantik nachhängen oder Musiker mögen, die auf der Bühne einer Fledermaus den Kopf abbeißen. Angelo Kelly (36), den die meisten Deutschen noch als blondes Engelchen kennen, könnte man beides unterstellen. Denn wie er Samstagnacht mit offenen Haaren und verzerrtem Gesicht in der seit Monaten ausverkauften Olympiahalle bei seinem Solo auf seine Drums eingeprügelt hat, ist er weit entfernt von einer folkloristischen VW-Bus-Romantik mit Blümchen.

Die Kelly Family hängt auf ihrer lang ersehnten Comeback-Tour (20 Jahre!) erstaunlich cool und gewohnt verspielt irgendwo zwischen Rock, Pop und Folk. Ihren teilweise 40 Jahre alten Songs haben sie mehr Kante in die jeweilige Richtung gegeben und versprühen dazu Konfetti, Feuer und Liebe.

"The Wolf" etwa ist eine große, rockige Nummer, in der sich die Kellys wie Getriebene auf ihrer Bühne jagen, die kreisförmig um Fans aufgebaut ist, die bereit sind, ein bisschen mehr für ihre Ganz-Nah-Dran-Karte zu zahlen. Die anderen Fans haben Sitzplatzkarten, stehen aber die zweieinhalb Stunden vor der Bestuhlung.

Die Kelly Family in München - Hippieromantik? Nur ein bisserl

Jeder Kelly (und sie sind allesamt Multiinstrumentalisten, die immer irgendwas schlagen, zupfen oder quetschen) startet ins Konzert mit einem eigenen Song: Jimmy (47) eröffnet den Abend mit dem poppigen "I cant stop the love", dann haut Joey (45) "Why Why Why" als echten Rockkracher mit Pyro-Show heraus. Patricia (48) präsentiert "No Lies" verspielt wie ein kleines Mädchen mit ausgebreiteten Armen und hüpfend. Die stimmgewaltige Cathy (55) mit der Quetschn singt "Come back to me" und John (51) reduziert die "Red Shoes" mit Akkustikklampfe. Paul (53) drehleiert traditionell. Da fehlen natürlich einige in dieser großen Familie, aber mit zig adoptierten Kelly-Musikern, die Geige, Percussions, auch mal Schlagzeug oder Gitarre spielen, ist’s ordentlich voll auf der Bühne.

"An Angel" performt die Familie dann gemeinsam. Jimmy verpasst da seinen Einsatz. Sei’s drum, die Fans singen sowieso lauthals mit. Dieses Konzert streichelt die Seele. "We got love" heißt die Tour und Liebe haben die Kellys viel zu geben. Besonders rührend: "Cover the Road" widmen sie Uli, einem Fan, der die Familie seit Jahrzehnten begleitet. Er kann nicht zum Konzert kommen, weil er im Sterben liegt.

Die Fans sind, entgegen der Annahme von Nicht-Fans und derer gibt es ja viele, nicht in Tischtücher gewickelte Hippies, sondern ganz normale Leute. Diese normalen Leute gucken auch ein bisserl befremdet, als bei "Davids Song" John mit seinem kleinen Ich im Video, das beim verstorbenen Papa Kelly auf dem Schoß sitzt, zusammen singt. Auch bei "Please don't go" flackern alte Aufnahmen der Familie über die Leinwand und man kann sich nur freuen, dass sich diese sehr musikalischen Kinder so prächtig entwickelt haben – und mittlerweile ein bisschen unmerkwürdiger gekleidet sind.

Zum Ende dieser lieben Seelenstreichelung, bei der natürlich Hits wie "Nanana" und "Fell in Love with an Alien" nicht fehlen, nehmen sich die Kellys und die Fans an die Hand und singen "Brothers & Sisters". Da scheint dann womöglich diese Hippieromantik durch, aber nur ein bisserl sehr.

 

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