AZ-Konzertkritik In der Olympiahalle: Rod Stewart wird zum Fußballer

, aktualisiert am 21.05.2016 - 10:07 Uhr
Rod Stewart am 14. Mai bei einem Konzert in Amsterdam. Foto: dpa

Nach holprigem Start kommt Rod Stewart in München immer mehr ins Rollen. Seine 71 Jahre sieht und vor allem hört man ihm nicht an – und plötzlich fliegen Fußbälle durch die Olympiahalle. Die AZ-Konzertkritik.

 

München - Erst mal betritt nur die Band die Bühne der Olympiahalle, darunter drei gut aussehende Musikerinnen. Kurz darauf stolzieren noch drei tief dekolletierte Backgroundsängerinnen durch den Aufgang. Jetzt sind die Frauen in der Überzahl, attraktiv allesamt. Aber wen wundert’s? Dass Rod Stewart weibliche Gesellschaft bevorzugt, ist ja kein Geheimnis.

Er selbst legt pünktlich um halb acht mit Sam Cookes "Having A Party" los – doch der Sound seiner Party säuft völlig ab im Hall der Halle. Schöne Songs wie Jimi Hendrix’ "Angel" und schwächere neue Lieder wie "Love Is" gehen gleichermaßen unter im Klangbrei. Dann und wann stoßen auch noch Stewarts laute Gesangstöne schrill heraus.

In der Pause redet dann offenbar jemand ein paar Takte mit den Soundleuten, denn danach wird’s ungleich besser. Muddy Water’s "Rolling and Tumbling" rockt solide, bei Stewarts bestem Song "Maggie May" spielt die Band dezenter und klingt besser. Richtig gut wird’s dann im Akustikset, mit Harfe, Geige, Kontrabass und Welthits wie "I Don’t Want To Talk About It". Da zeigt sich schnell, welch gute Musiker auf der Bühne stehen.

Stewarts berühmte Stimme klingt wie eh und je, von 71 Jahren ist sie ebenso wenig beeinträchtigt wie sein Äußeres. Bei "I'd Rather Go Blind" zeigt er, welch feiner Soulsänger er ist. Sein Programm präsentiert er routiniert, ohne aber dabei euphorisch zu wirken. Und sich selbst präsentiert er als guten Fußballer: Bei zwei Songs kickt er unablässig Bälle ins Publikum – gezielte Zuspiele mit dem Innenrist, weite Abstöße mit dem Vollspann. Die verfehlen nur haarscharf die Deckenleuchten. Dafür verpasst er die letzte Zeile von "Hot Legs" – den Song muss er nebenbei ja auch noch singen.

 

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