AZ-Konzertkritik Haindling auf dem Münchner Tollwood: Unbeschwert bayerisch

Wenn es ein Instrument zum Hineinblasen ist, dann kann man davon ausgehen, dass es Hans-Jürgen Buchner beherrscht. Foto: Jens Niering

Auch wenn Band und Publikum älter geworden sind: Bei Haindling auf dem Tollwood wird gerockt, getanzt und vor allem gelacht

 

München - Zum Grinsens war’s – und das vom ersten Stückl an. Auf dem Tollwood musiziert Haindling am Dienstagabend ein Konzert der unbeschwerten Freud’ am Leben in die Musik-Arena hinein. Frech. Tiefgründig. Bayerisch. Hans-Jürgen Buchner und seine fünf Mitmusikanten kitzeln Töne aus Blech-, Blas, Tasten- und Holzblockinstrumenten sowie Mülltüten (!), bei dem die echte bayerische Seele „Habedieehre“ sagt.

„Vorsicht vor der Sitztrombose“, feixt Buchner

Nix mit „Mia san mia“, mit Bierdimpfel-Stammtischparolen. Bei Haindling schauen Musik und Texte tief hinein in den geheimnisvollen, einzigartigen und manchmal unergründlichen Charme des Bayerisch-Seins: Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und hin und wieder auch amal bläd daherreden: „Wann darf der Bayer ‘lecker’ sagen? Höchstens bei: ‘Du kannst mi am A.... lecker.’“

Das ist Haindling, das ist Frontmann und Bandgründer Hans-Jürgen Buchner. Der Autodidakt vom Gäuboden beherrscht gefühlt jedes Instrument, das man mit dem Mund erklingen lassen kann. Egal ob Saxophon, Horn oder Maultrommel – der 72-Jährigen produziert Klänge, die unter die Haut gehen.

Auch wenn die Fans gemeinsam mit der Band älter geworden sind, die Arena bestuhlt ist („Vorsicht vor der Sitztrombose“, feixt Buchner) und es an der Abendkasse noch die eine oder andere Konzertkarte zu kaufen gibt, gerockt wird beim Haindling-Konzert immer noch. Bei „Du Depp“, das die Band als unkonventionelle Mülltüten-Kappelle beginnt, enden die letzten Takte mit einem bluesigen Rock’n’Roll-Solo von Bassist Wolfgang Gleixner. Das Haindling-Publikum ist elektrisiert, klatscht mit, manche Fans hält’s nicht mehr auf dem Stuhl.

Da sind sie, die Momente der Unbeschwertheit und der freudigen Lockerheit. Mit seiner Musik und den gewieften und unaufdringlichen kabarett-artigen Einlagen gelingt es Buchner auch nach 35 Jahren Bandbestehen, seine Fans mit einer „exzessiven Lebensfreude“ anzustecken.

Bevor die Band ihr Publikum mit der letzten Zugabe „I hob di lang scho nimmer gseng“ entlässt, setzt sich Buchner nochmal ans Klavier und gibt eine Kostprobe vom gerade entstehenden neuen Album: Gänsehautnummern, die nach dem Sinn des Lebens fragen. Typisch Buchner halt.

Freundlich zueinander sein und zusammenhalten – darum geht es Haindling auch an diesem warmen Tollwood-Sommerabend. Ihre Botschaft verpackt das Sextett in ein erheiterndes Konzert, das die Leut’ einfach grinsen lässt - vom ersten bis zum letzten Stückl.

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