AZ-Konzertkritik Alanis Morissette holt auf dem Tollwood die Energie der 90er zurück

Alanis Morissette beglückte am Dienstag das Tollwood. Foto: Jens Niering

Alanis Morissette rockte am Dienstag die Musik-Arena auf Tollwood. Die Fans feierten jeden Song - und holten die Energie der 90er zurück nach München.

München - Es ist ein bewegender Moment: Das ganze Tollwood-Zelt singt textsicher und erstaunlich geschlossen die Verse von "Ironic". Jenes Lied über das verflixte Schicksal, das ausgerechnet am Tag der Hochzeit Regen bringt und das den Lottogewinner am Tag darauf den Tod finden lässt. Und alle strahlen: Alanis Morissette auf der Bühne, die spätestens an dieser Stelle des Konzerts weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem auch Jahre nach den großen Hits tausende von Zuhörerherzen zufliegen.

Und das Publikum strahlt, weil es eine frühe Heldin wiedertrifft, die nichts von ihrer stimmlichen Wucht und Energie verloren hat. Das muss auch der arme Mensch feststellen, der die gebürtige Kanadierin mit der Kamera für die drei großen Leinwände im Zelt einfangen soll – und scheitern muss, weil Alanis Morissette pausenlos vor und zurück läuft und die Bühne fast schon manisch auf voller Breite abschreitet. Die Kamera zeigt dann einfach meist die Totale. Von ihrem nahezu manischen Laufen ist Alanis Morissette nur abzuhalten, wenn sie auch Gitarre spielt und also vom Mikrofonständer am Platz gehalten wird.

Alle Hits dabei: "Hand in my pocket", "You Oughta Know" und "Guardian"

Schon das Eröffnungslied "All I Really Want" zieht die Hörer hinein in die Atmosphäre des Durchbruch- und Bestseller-Albums "Jagged Little Pill" – und man findet sich sofort in dieser Morissette-Welt wieder, die sich in den 1990er Jahren so wundervoll überraschend auftat und die so viele Hits und Ohrwürmer bereithielt, die an diesem Tollwood-Abend natürlich auch alle gespielt werden: "Forgiven", "You Learn", "Hand In My Pocket", "Right Through You", "Wake Up" und "Perfect". Auch der spätere Hit "Guardian".

Auf "Ironic" folgt "You Oughta Know", dieses Lied über bittere Eifersucht, das in den Strophen so ruhig ist und im Refrain in schreiende Verzweiflung ausbricht. Das war schon damals ein Hit, und es wird auch hier gefeiert – sobald man es erkennt. Alanis Morissette und ihre starke Band geben vielen Stücken neue Intros, so dass man oft erst mal rätseln muss, welches Lied sich daraus wohl entwickeln wird.

Und dann singt das Zelt Bob Marley

Bei "Head Over Feet" führt das zu einem wunderbaren Konzertmoment: Das Intro erinnert viele Hörer offenbar stark an Bob Marley. Diese Vorlage lässt sich das Tollwood-Publikum natürlich nicht entgehen – und stimmt erst mal begeistert "No Woman No Cry" an, bevor Morissette lächelnd mit ihrem Text einsetzt.

Gegen Ende des Konzerts drehen die Musiker noch einmal auf, Alanis Morissette legt irgendwann das Mikro auf die Bühne und dreht sich förmlich in den bereitgehaltene Gitarrengurt hinein, um dann einen wilden Gitarrentanz mit einem ihrer Gitarristen aufzuführen. Irgendwann legt sie dann auch die Gitarre hin, tanzt weiter, bis sie auf dem Bauch liegt. Das war Ekstase im dampfenden Zelt!

Der Abschluss war dann – ein weiterer Hit – das besinnliche "Thank U". Und der Dank beruhte auf Gegenseitigkeit.

Sehr viel ruhiger war zuvor die Liedermacherin Vera Klima aus Rosenheim, die mit ihrem erstaunlichen Percussion-Pianisten-Sänger Manni Mildenberger schöne Musik spielte, deren Texte aber oft aus dem Baukasten für Teenie-Lieder gezogen waren. Die wirkten dann – gerade neben denen von Alanis Morissette – doch etwas dünn.

 

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