AZ-Kommentar Wahlverlierer CSU: Seehofers Zwickmühle

"Rechte Flanke schließen" und gleichzeitig mit den Grünen koalieren. Wie will Seehofer das schaffen, fragt sich Natalie Kettigner. Foto: dpa/az

AZ Nachrichten-Chefin Natalie Kettinger über das Wahl-Debakel der CSU.

 

Sicherheit, Obergrenze, Abschiebungen - die CSU hat im Wahlkampf fast ausschließlich auf Härte gesetzt und damit doppelt verloren: diejenigen, die gerne Angela Merkel ihre Stimme gegeben hätten, spätestens seit dem Sommer 2015 jedoch das Christlich-Soziale an Horst Seehofers Partei vermissten; und diejenigen, die in ihrer Furcht vor allem Fremden (geschürt auch durch das Gebaren der CSU), in ihrer diffusen Zukunftsangst und aus einem Gefühl des Abgehängtseins heraus lieber gleich das stramm rechte Original gewählt haben: die AfD. Das Geeiere um die Obergrenze, die Kanzlerin Merkel partout nicht will - "Koalitionsvoraussetzung!", "Sonst gehen wir in die Opposition!", "Äh, vielleicht doch nicht..." - hat die CSU dabei nicht glaubhafter gemacht.

"Das können wir nicht machen"

Doch jetzt wird es richtig schwierig. Seehofer will die "rechte Flanke" seiner Partei schließen, um bei der Landtagswahl 2018 ein weiteres Debakel zu vermeiden. Gleichzeitig nimmt die CDU auf Bundesebene Kurs auf Jamaika. Das bedeutet: Die Union und damit auch die CSU muss sich aller Voraussicht nach mit der FDP und den Grünen auf einen Koalitionsvertrag einigen. Deren Spitzenkandidat Cem Özdemir wiederholt wie ein Mantra: "Es gibt mit uns keine Quote für Flüchtlinge". So viel zum Thema Obergrenze. Und das ist bei weitem nicht der einzige Streitpunkt zwischen Bayerisch-Schwarz und Grün. "Steuererhöhungen, erleichterte Zuwanderung, Verbot von Verbrennungsmotoren, weniger Sicherheit - das können wir nicht machen", hat Horst Seehofer erst vor kurzem im AZ-Interview über eine Zusammenarbeit mit den Grünen gesagt.

Seehofer steckt in der Zwickmühle.

 

6 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading