AZ-Kommentar TSV 1860: In Scherben

Machen die Medien Hasan Ismaik lächerlich - oder doch eher er selbst? Foto: Augenklick

Der Leitende Redakteur Sport Christoph Landsgesell über Ismaiks Vorwürfe.

 

Der Begriff „Lügenpresse“ ist dieser Tage in Deutschland ja en vogue, und was hierzulande der AfD und in den USA dem gewählten Präsidenten Donald Trump recht ist, kann Hasan Ismaik, dem Investor des TSV 1860, nur billig sein.

In seinem Facebook-Post beklagt er eine „Lügenkampagne“, eine „despektierliche und verlogene Berichterstattung“, bezeichnet die Reporter, die über den Verein berichten, als „charakterlose Menschen“. Er wirft Verschwörungstheorien auf, 1860 sei der „Spielball dunkler Interessen“. Dass der Löwen-Investor kritische Berichterstattung weder gewohnt ist noch in der Lage scheint, mit ihr umgehen zu können, ist man im Umfeld des Vereins mittlerweile gewohnt. Pressefreiheit? Lieber nicht. Auch beim TSV 1860 hat das postfaktische Zeitalter begonnen.

Allerunterste verbale Schublade

Dass Ismaik diesmal allerdings in die allerunterste verbale Schublade greift, hat eine ganz neue Qualität. Die Löwen-Verantwortlichen haben regelmäßig größte Mühe, die Scherben, die die unkontrollierbaren Anwürfe des Investors hinterlassen, notdürftig zusammenzukehren. Einerseits, und auch das muss erwähnt werden, ist es Ismaik, der jedes Jahr Millionen Dollar in den Klub pumpt und ihn so am Leben erhält.

Andererseits scheint er sich damit einen Freibrief erkauft zu haben, jeden im Umfeld des Vereins so respektlos und unwürdig zu behandeln, wie es ihm gerade gefällt. Wäre es nicht so ernsthaft traurig, schade und bedauernswert, wie Ismaik Münchens Meister von 1966 mit schwerstem Gerät einreißt, man könnte darüber lachen. Wie über Mario Adorf in „Kir Royal“, der als Generaldirektor Heinrich Haffenloher der unerschütterlichen Überzeugung ist, dass Geld alles möglich macht, solange man davon nur genug hat.

Die Medien, schreibt Hasan Ismaik, versuchten, den TSV 1860 lächerlich zu machen. Das erledigt er ganz allein.

 

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