AZ-Kommentar Razzien in Freital: Sachsen braucht Hilfe

Rechtsextremismus hat Hochkonjunktur im Freistaat Sachsen. Ein Problem, das alle in Deutschland angeht, meint AZ-Chefredakteur Michael Schilling. Foto: dpa

Etwas ist faul im Freistaat. AZ-Chefredakteur Michael Schilling über den Einsatz gegen Rechte in Sachsen.

„Sachsen hat ein Problem mit Rechtsextremismus, und es ist größer, als viele – ich sage ehrlich: auch ich – wahrhaben wollten.“ Als Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) das im Februar dieses Jahres so erstaunlich freimütig eingeräumt hat, stand er unter dem frischen Eindruck von Angriffen auf Flüchtlinge in Clausnitz und Bautzen.

Was Gutmenschen und Besserwessis, Asylhelfer und SPD-Chefs da schon längst konstatiert hatten, dass nämlich im weitgehend konfessionslosen Sachsen rechtsextremer Menschenhass gedeiht, schien endlich auch der christdemokratische Landesvater kapiert zu haben. Und natürlich kündigte der an, er wolle nun entschlossen gegensteuern.

Deutschland muss helfen

Ach, ja? Die Verhaftung der Rechten in Freital bestärkt die Vorurteile gegen Sachsen – und gegen Tillich und die Politik des Wegschauens und Gewährenlassens: Es war die Bundesanwaltschaft, die den Schlag gegen die Gruppe vorbereitet und durchgeführt hat. Und eben nicht die Polizei und Staatsanwaltschaft vor Ort. Den sächsischen Ermittlern trauen die Kollegen offenbar nicht mehr.

Etwas ist faul im Freistaat; Sachsen benötigt Hilfe. Nicht nur bei der Bekämpfung rechter Verbrechen, sondern auch in der Prävention, in Schulen, in der Sozialarbeit. Formal mag das Ländersache sein, real geht es ganz Deutschland an. Der Ernstfall, der eine solche föderale Solidarität erfordert, ist in Sachsen erreicht.

 

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