Robert Lewandowski bittet den FC Bayern um seine Freigabe – der Star-Stürmer möchte die Münchner noch im Sommer verlassen. Den 29-Jährigen verkaufen oder halten? Ein Pro und Contra.

München - Wie sollte der FC Bayern bei Robert Lewandowski vorgehen – jetzt wo sein Berater den Wechselwunsch des Polen öffentlich gemacht hat. Verkaufen oder behalten? Ein Pro und Contra der AZ-Redaktion.

Causa Lewandowski: Es wird Zeit, ein Exempel zu statuieren

Dembélé, Aubameyang – und jetzt Lewandowski? Es ist nicht einmal 18 Monate her, dass der polnische Super-Stürmer seinen ursprünglich bis 2019 laufenden Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021 verlängerte. Sein Jahresgehalt stieg dabei auf kolportierte 15 Millionen Euro, womit er zu den absoluten Top-Verdienern beim FC Bayern gehört. Doch all das scheint mittlerweile längst vergessen.

Pacta sunt servanda (Verträge sind einzuhalten) scheint im Fußball einfach nicht mehr zu gelten. Wenn man seine ursprüngliche Entscheidung eines Tages bereut, dann wirft man einfach die guten Sitten über Bord und streikt sich aus dem Kontrakt. Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang haben es bei Dortmund erfolgreich vorgemacht. Zweimal verlor Schwarz-Gelb Schlüsselspieler, um die herum ein erfolgreiches Mannschaftskonzept aufgebaut worden war, weil man im Wechsel-Streit nachgab. Die Folgen sah man diese Saison nur allzu deutlich.

Genau das sollte dem FC Bayern nicht passieren. Robert Lewandowski hat in den letzten Wochen mit schlechten Leistungen, fragwürdiger Trainingseinstellung und öffentlich zelebrierter Unzufriedenheit mehr als deutlich signalisiert, was er vom Rekordmeister hält. Sein Berater hat dies nun erstmals auch in klare Worte gefasst. Aber ein Vertrag ist keine einseitige Geschichte und der Verein sollte sich daran erinnern, dass er mindestens am gleichlangen Hebel sitzt.

Streikende Spieler: Das muss ein Verein sich nicht bieten lassen

Bayern darf nicht die Fehler von Dortmund wiederholen und der gesamten Fußball-Welt signalisieren: Mit uns kann man's ja machen. Präsentiert Euch bei uns und dann, wenn Ihr Euch gerade unverzichtbar gemacht habt, benehmt Euch so lange daneben, streikt so lange, bis wir schließlich nachgeben. Das System Bayern ist nun mal auf den Stürmer Lewandowski zugeschnitten und genau deshalb wird der 29-Jährige auch so fürstlich bezahlt. Wenn er jetzt meint, sich plötzlich nicht mehr an geschlossene Vereinbarungen halten zu müssen, dann sollte der Verein ihn eines Besseren belehren.

Zusatzinhalte
Öffnen Sie bitten den Artikel auf unserer Website, um diesen Inhalt anzusehen.
Zur mobilen Website

Falls Lewandowski es bei den aktuellen Unmutsbekundungen belässt, dann dürfte er bei den Bayern-Granden wohl auf Granit beißen. Immerhin werden Hoeneß und Rummenigge nicht müde, die Unverkäuflichkeit des Stürmers zu betonen. Somit bliebe Robert Lewandowski als nächste - und wohl finale - Eskalationsstufe nur noch ein Streik á la Dembélé. Sollte es tatsächlich soweit kommen, müsste sich Hoeneß unweigerlich an seiner Aussage von letzter Woche messen zu lassen: "Wir werden der Fußballwelt beweisen, dass der Verein noch immer der Stärkere ist."

Damit hat der Präsident natürlich recht, denn realistisch gesehen kann ein Spieler einen Streik nicht gewinnen: Sollte Lewandowski tatsächlich mehr oder weniger die Arbeit verweigern, so würde er mindestens aus der Startelf, vielleicht sogar aus dem Kader fliegen. Dann würde er die Bayern zwar viel Geld ohne Gegenleistung kosten, aber auch nicht die Verhandlungsposition des Vereins mit künftigen Spielern auf Jahre hinaus schwächen, sondern ganz im Gegenteil sogar deutlich stärken. Einmal so einen Fall aussitzen und niemand wird es mehr versuchen.

Und Lewandowski? Der würde nach einiger Zeit ohnehin merken, dass er trotz Wechselwunsch Top-Leistungen bringen, sich quasi ins Schaufenster stellen muss. Ein Streik ist, sobald das Transferfenster erst mal zu ist, nicht mehr durchführbar, würde quasi eine Selbstzerstörung der Karriere bedeuten. Denn sonst sinkt seine Attraktivität für andere Top-Clubs so schnell, dass er am Ende von der gewünschten neuen Herausforderung noch weiter entfernt ist, als Sandro Wagner von einer WM-Teilnahme.

Christoph Elzer


Der FC Bayern sollte Lewandowski verkaufen

Jetzt ist es also doch noch soweit: Nach monatelangem hin und her, inklusive Beraterwechsel, bittet Robert Lewandowski den FC Bayern um seine Freigabe. Der Pole will den deutschen Rekordmeister noch in diesem Sommer verlassen!

Obwohl die Bosse um Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge erst zuletzt deutlich gemacht haben, dass Lewandowski seinen Vertrag (bis 2021) zu erfüllen habe, sollten sie den Verkauf ihres wechselwilligen Stürmers in Betracht ziehen.

In Bezug auf lustlose Spieler sagte Hoeneß zuletzt, dass der FC Bayern "der Fußballwelt beweisen wird, dass der Verein noch immer der Stärkere ist". Es wird deutlich: Der Branchenprimus will nicht zum zweiten Borussia Dortmund verkommen, deren Spieler - Aubameyang und Dembélé lassen grüßen - sich quasi aus dem Verein gestreikt haben.

Doch der Verein darf es nicht riskieren, einen lust- und antriebslosen Spieler in seiner Mannschaft zu haben – schon gar nicht auf einer solch wichtigen Position. Einen Vorgeschmack auf die mangelnde Motivation des Polen gab es bereits zum Ende der letzten Saison. Man denke nur an Real Madrid.

Lewandowski soll sein Glück woanders suchen

Kein Spieler der Welt - kein Lionel Messi, kein Cristiano Ronaldo und eben auch kein Robert Lewandowski - ist solch ein Transfer-Theater wert. Noch dazu: Das aktuelle Verhalten des Bayern-Stürmers passt nicht zum "mia-san-mia"-Selbstverständnis des deutschen Rekordmeisters. Von den hochgelobten Werten Zusammenhalt und Gemeinschaft war bei Lewandowski in der letzten Saison immer weniger zu spüren. Öffentliche Kritik an Verein und Mitspielern gepaart mit unkollegialem Verhalten sind bei Lewandowski mittlerweile keine Seltenheit mehr. Nicht auszudenken, wieviel Gezeter und Nebenkriegsschauplätze es um Lewandowski in der kommenden Saison geben würde, sollten ihm die Bosse einen Wechsel verwehren und stattdessen an ihm festhalten.

Zusatzinhalte
Öffnen Sie bitten den Artikel auf unserer Website, um diesen Inhalt anzusehen.
Zur mobilen Website

Man muss es so direkt sagen: Wenn Lewandowski nicht mehr für den FC Bayern spielen möchte und diesen Wunsch so offen nach Außen trägt, sollten Hoeneß und Co. ihn seine Sachen packen und sein Glück woanders suchen lassen. Glück, das er in München scheinbar nicht gefunden hat – und das, obwohl er seinen Vertrag erst vor knapp eineinhalb Jahren vorzeitig bis 2021 verlängert hat.

Außerdem geht es ja auch noch ums liebe Geld: Bei einem Wechsel würde Lewandowski ohne Zweifel zum neuen Rekord-Verkauf der Münchner werden. Für die Ablöse könnten die Verantwortlichen dann einen (adäquaten) Nachfolger verpflichten, der auch wirklich für den FC Bayern spielen möchte und das Trikot der Roten mit Leidenschaft und Stolz trägt.

Die Bosse um Hoeneß und Rummenigge wären jetzt also gut beraten, den 29-Jährigen ziehen zu lassen. Selbst wenn dieser Schritt möglicherweise zunächst nach einem Schwächemoment aussehen mag, wird der FC Bayern am Ende als Gewinner aus dem Lewy-Hickhack gehen.

Michael Schleicher

Zusatzinhalte
Öffnen Sie bitten den Artikel auf unserer Website, um diesen Inhalt anzusehen.
Zur mobilen Website