AZ-Kommentar Pro und Contra: Einführung der Torlinientechnik

Die Bundesliga hat sich für die Einführung der Torlinientechnik ausgesprochen. Die AZ-Redakteure Julian Buhl und Rainer Nachtwey mit einem Kommentar. Foto: AZ-Montage | dpa

Die Bundesliga-Klubs haben entschieden: Zur neuen Saison führt die DFL die Torlinientechnik ein. Die AZ-Redakteure Julian Buhl und Rainer Nachtwey nehmen zur Entscheidung pro Hawkeye Stellung.

 

Pro von Julian Buhl:

Die Torlinientechnik kommt. Endlich. Denn die Entscheidung dafür ist eine längst überfällige. In der englischen Liga wurde sie bereits vor der vergangenen Saison getroffen, auch bei der WM in Brasilien auf entsprechende Technik vertraut. Die Möglichkeiten dafür bestehen seit langem, nur nutzen wollte man sie in der Bundesliga bisher partout nicht - trotz der durch Stefan Kießlings Phantomtor neu entfachten Debatte darüber.

Die Diskussionen über solche offensichtlichen Fehlentscheidungen und daraus resultierende Ungerechtigkeiten gehören ab sofort der Vergangenheit an. Das ist gut so und schadet keineswegs dem Charme des Fußballs. Die Debatten etwa über umstrittene Handspiele oder Abseitspositionen bleiben den Bedenkenträgern schließlich - zumindest vorerst.

Warum sollte man nicht auf weitere Hilfsmittel zurückgreifen, wenn sie dabei helfen können, Entscheidungen nachvollziehbarer und gerechter zu machen? Ein Videobeweis würde den Spielfluss kaum mehr als eine Einwechslung stören. Den Beweis dafür haben andere Sportarten wie z.B. Football oder Basketball längst erbracht.

Contra von Rainer Nachtwey:

Nun steht also fest: Die Torlinientechnik kommt. Die Frage Tor ja oder nein, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Diskussionen werden bei diesem Thema zumindest verstummen. Aber: Mit der Entscheidung pro Technologie haben die Bundesliga-Klubs die Büchse der Pandora geöffnet. Ein erster Schritt zur Technisierung ist genommen. Welche folgen noch? Jede Überprüfung durch weitere technische Neuerungen stört den Spielablauf.

Die Vereine argumentieren, dass durch Fehlentscheidungen enorme Geldeinbußen drohen. Aber warum setzt die DFL dann das Hawkeye nur in der Bundesliga ein? Auch für die Zweitligisten haben Fehlentscheidungen – gerade im Fall Auf- und Abstieg – weitreichende finanzielle Konsequenzen.

Und warum kommt die Technologie im DFB-Pokal erst ab dem Viertelfinale zum Einsatz? Gerade die Amateur-Klubs sind auf die Einnahmen im Pokal angewiesen. Das Erreichen jeder weiteren Runde ist ein (Geld-)Segen. Wenn DFL und DFB Fairness wollen, sollten sie alle Klubs gleich behandeln. Das gilt für den FC Bayern und den SV Waldkirch.

 

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