AZ-Kommentar Peter Sagan: Immer wieder auf die krumme Tour

Autorenprofil Stephan Kabosch
Vom Helden zum Buhmann der Tour de France: Peter Sagan. Stephan Kabosch kommentiert die Entscheidung der Rennjury. Foto: dpa/Daniel von Loeper

Die Entscheidung der Tour-de-France-Jury ist mutig, aber ist sie auch gerecht? AZ-Onlinechef Stephan Kabosch über den Ausschluss von Superstar Peter Sagan.

 

Keine Frage: So jemanden wie den Doppelweltmeister Peter Sagan hat der krisengebeutelte Radsport gebraucht. Sagan ist ein Spitzenfahrer, ein Paradiesvogel, der Rockstar unter den Pedaleuren. Er ist ein Typ, der die Massen bewegt auf und abseits der Straße. So einer trägt dazu bei, dass dieser Sport etwas von seiner Reputation zurückbekommen hat, wieder attraktiv geworden ist für Fans, Sponsoren und Medien.

Keine Frage: So jemanden wie den Sprint-Rüpel Peter Sagan braucht kein Mensch. So sahen es auch die Rennkommissare, als sie den Slowaken wegen einer Tätlichkeit im Zielsprint der 4. Etappe für den Rest der Tour de France ausgeschlossen haben. Diese Entscheidung ist ebenso couragiert wie hart. Aber ist sie auch gerecht?

Peter Sagan ist ein Wiederholungstäter

Ja, weil dieses Urteil eine wichtige Botschaft aussendet: Es gibt auch im harten Profiradsport Grenzen. Die Fahrer riskieren ohnehin schon jeden Tag Kopf und Kragen. Diesem Sport wohnt ein latentes Todesrisiko inne. Da gehört es zur Fürsorgepflicht von Veranstaltern, die Sportler zu schützen und deren Risiko zu minimieren, so gut dies eben geht. Hirn aus und Ellbogen (zum Check) raus - wer so mit Tempo 65 unterwegs ist, gefährdet sich und vor allem andere. Peter Sagan ist darin ein Rückfallstäter. Von den Klassiker-Rennen Mailand - Sanremo bis Gent - Wevelgem: immer wieder macht er es auf die krumme Tour, geht er bei Sprint-Entscheidungen ans Limit und darüber hinaus. Ein Wunder, dass dabei erst jetzt jemand zu Schaden gekommen ist. 

Gut möglich also, dass die Jury an diesem Dienstag Peter Sagan die Rechnung präsentiert hat für die Addition all seiner kleineren und größeren, aber jedenfalls zahlreichen Vergehen. Jedes geringere Strafmaß als ein Tour-Ausschluss hätte dabei wohl kaum eine entsprechende Wirkung erzielt. Welchen präventiven Sinn soll eine Zeitstrafe haben für jemanden, der ohnehin nicht auf das Gesamtklassement fährt?

Die Kommissare haben ohne Ansehen der Person entschieden, sie schreckten nicht davor zurück, sogar einen der Superstars aus dem Rennen zu nehmen. Damit hat die Jury gezeigt, dass die Gesetze für alle gelten, auch für den coolen Typen im Regenbogentrikot. Das war mutig und es verdient Respekt.

 

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