AZ-Kommentar Neue Regeln auf der Oidn Wiesn: Mitsingen!

AZ-Vizechefredakteur Thomas Müller kommentiert die neue Reservierungspraxis auf der Oidn Wiesn. Foto: dpa/AZ

Vize-Chefredakteur Thomas Müller über neue Regeln auf der Oidn Wiesn.

Die Oide Wiesn? Ein Erfolgsmodell, das unter Artenschutz gestellt werden sollte. Vor allem die Ur-Münchner schätzen diese herrlich unaufgeregte Atmosphäre im Wiesn-Reservat ohne Ballermann-Beschallung, Komasaufen, Kostümfest und Reservierungs-Wahnsinn. Wiesn, fast wie sie früher mal war: Ruhiger. Gemütlicher. Spontaner. Irgendwie normaler.

Leider liegt die Betonung auf „war“. Denn jetzt will Wiesn-Chef Josef Schmid die Reservierungsregeln auf der Oidn Wiesn verschärfen – künftig sollen in zwei Zelten bis zu zwei Drittel der Plätze reserviert werden können. Was die Wirte sicherlich freut – die Gäste sicherlich sehr viel weniger. Es macht doch gerade den Charme der Oidn Wiesn aus, dass hier jeder in der Regel einen Platz findet, der sich – wohlgemerkt: spontan! – für einen Oidn-Wiesn-Bummel entscheidet. Und eben genau nicht vorreservieren mag.

Schmids Begründung, man käme damit gerade dem volkskulturell interessierten Publikum entgegen, das künftig beim dargebotenen Programm besser mitsingen könne, ist fast schon ein Hohn. Dann doch bitte gleich: Echter Trachtenzwang, Reservierungs- und Mindestverzehr-Zwang. Und: Mitsingen nicht vergessen. Es wird kontrolliert!

 

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