AZ-Kommentar Kostenlose Kitaplätze? Zu kurz gedacht!

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Ab 2020 will OB Reiter den Freistaat für Kita-Plätze zahlen lassen – die CSU zeigt sich offen. Eine konsequente Forderung, aber zu kurz gedacht, findet AZ-Rathausreporterin Irene Kleber.

Ist ja auch Zeit geworden, dass die zuletzt lahm wirkende Stadtrats-SPD mit einem "So-entlasten-wir-München"-Thema aus der Schockstarre kommt. Mit seiner "Bierpreis-" und "MVV-Bremse" hat CSU-Bürgermeister Josef Schmid (aus Sicht von SPD-OB Dieter Reiter) gefährlich viele Sympathiepunkte bei den Münchnern geholt – und Schmid hatte die "Kita-Bremse" längst selbst auf dem Zettel. Es soll, so ist aus dem Rathaus zu hören, deshalb ein zorniger OB gewesen sein, der seine Genossen genötigt hat, kostenlose Kita-Plätze zu fordern. Bloß nicht schon wieder Punkte verschenken an Schmid!

Dass die Rats-CSU nun den Kooperationspartner frech überholt mit der Forderung, bittschön nicht zu warten, dass der Freistaat die Eltern-Kosten übernimmt, sondern die fehlenden 150 Millionen Euro als Stadt gleich selber zu bezahlen, ist insofern nur konsequent.

Trotzdem: Beide haben zu kurz gedacht. Ein Drittel aller Münchner Eltern zahlt – weil arm – schon jetzt keine Kita-Gebühren. Gerade deren Kinder sind es oft, die ohne Frühstück in die Kita kommen, und die auch mittags nicht warm essen, weil das Einkommen nicht für ein Essensgeld reicht. Kostenloses Essen für alle Kinder – das würde wirklich vielen helfen.

Und noch eins: Es fehlen rund 500 Erzieherinnen. Gäbe es sie, könnten tausende Kinder mehr betreut werden – was für eine Entlastung für Familien! Auch hier liegt der Schlüssel in Geld. Deutlich mehr Lohn für Erzieherinnen würde viele Lücken schließen. Kita-Beiträge abzuschaffen, ist eine gute Idee also – aber das kann nur ein erster Ansatz sein.

 

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