AZ-Kommentar Hooligans bei der EM: Keine Tiere – schlimmer

Verbrechern, die Gewalt, ja, die Zerstörung von Körpern und Seelen als Zeitvertreib betrachten, kann man nur mit aller Härte entgegentreten – sagt AZ-Redakteur Matthias Kerber. Foto: dpa/AZ

Matthias Kerber, der Leitende Redakteur Sport, über die Hooligan-Exzesse beim Spiel England gegen Russland.

 

Fast genau 18 Jahre ist es her, dass die Bilder des von deutschen Hooligans so brutal zusammengeschlagenen französischen Polizisten Daniel Nivel die Welt erschütterten. Das war bei der WM 1998 in Frankreich. Bei der EM nun – wieder in Frankreich – bewiesen Schwerverbrecher (das Wort Fan verbietet sich hier) einmal wieder, dass ihre Blödheit, ihre kriminelle Energie, ihre Assozialität schier keine Grenzen kennen.

Blindlings und blindwütig prügelte der Mob in Marseille erst in der Stadt aufeinander ein. Am Samstagabend nutzten die Hooligans dann die große Bühne beim Spiel England – Russland, um der Welt offenbar zu machen, was für denkallergische Schwachmaten sie sind. Die Bilanz: mehrere Schwerverletzte, ein Engländer, der an Ort und Stelle reanimiert werden musste und in Lebensgefahr schwebt.

Wer mit Füßen auf den Kopf eines wehrlos am Boden liegenden Menschen eintritt, wer mit Waffen aufeinander einprügelt, nimmt den Tod eines Menschen billigend in Kauf. Das sind keine Körperverletzungsdelikte, das sind Mordversuche, denn das Mordmerkmal des niederen Beweggrundes ist zweifelsfrei erfüllt. Verbrechern, die Gewalt, ja, die Zerstörung von Körpern und Seelen als Zeitvertreib betrachten, kann man nur mit aller Härte entgegentreten. Als Staat, als Gesellschaft.

Gerne wird gesagt, sie wären wie die Tiere. Nein, dieser Gewaltmob verhält sich nicht wie Tiere. Sie töten nicht aus Mordlust (das kennt nur der Mensch). Bei Tieren geht’s um Nahrung, um Arterhaltung. Der Mensch rühmt sich, die Krone der Schöpfung zu sein, diese Schläger sind eher der Bodensatz.

 

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