AZ-Kommentar Hoeneß' Mitglieder-Attacke ist ein Zeichen der Schwäche

Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

AZ-Sportchef Matthias Kerber über die Aussagen von Uli Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung.

 

Klar, es war der Abend des Uli Hoeneß. Dementsprechend war die Veranstaltung vom FC Bayern inszeniert: Pathos, Heldenverehrung, Lobpreisung für Uli von Bayern. Alles gut. Doch es war eben auch die Jahreshauptversammlung, bei der es Punkt neun der Tagesordnung gibt: Verschiedenes. Hier haben die Mitglieder - einmal im Jahr - die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.

Dies hat Tradition im Spiel der Mächtigen und der oft Ohnmächtigen. Es ist Ventil, manchmal Regulativ. Es gab immer die Volksvertreter, früher meist als Hofnarr getarnt, die den Herrschern den Spiegel vorhielten. Oft geht mit dem Fan-Sein ja eine Nibelungentreue einher, das führt schnell zu einer Elfenbeinturm-Mentalität der Bosse.

Aber: Die Sicht des Volkes stimmt - anders als die des Hofstaates - eben nicht zwangsläufig mit der von den Machern überein. Als Hoeneß vor einer Woche in seiner Glucken-Mentalität im "Doppelpass" angerufen und sich vor Sportdirektor Hasan Salihamidzic gestellt hat, sagte er: "Wir sind ein ziemlich demokratischer Verein." Die Betonung hätte auf "ziemlich" liegen müssen, wie Hoeneß xxx-ter Wutausbruch offenbarte.

Austritts-Forderung ist ein Offenbarungseid

Nach der JHV diffamierte er die Kritiker bei den Wortmeldungen als "Krakeeler", warf ihnen vor, sie hätten die Veranstaltung "unter dem Deckmantel der Demokratie und freien Meinungsäußerung beschädigt". Er forderte sie auf, fernzubleiben – oder gleich auszutreten. "Es ist keiner gezwungen, Mitglied beim FC Bayern zu sein."

Diese Stammtisch-Reaktion ist der Pawlowsche Reflex all derer, die andere Meinungen mögen – solange sie mit der eigenen übereinstimmen. Diese Fans wollen den FC Bayern, der auch ihrer ist, nicht verlassen. Sie versuchen, den Klub von innen zu verändern und - wie sie glauben - zu verbessern. Finden sie keine Mehrheit, werden sie scheitern. Sie zum Austritt aufzufordern, ist ein Offenbarungseid – und zeugt von etwas, womit man Hoeneß nie assoziiert hat: Schwäche.

 

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