AZ-Kommentar Hoeneß-Comeback: Er war nie wirklich weg

Bayern-Reporter Patrick Strasser über das Hoeneß-Comeback ins Präsidentenamt des FC Bayern München. Foto: dpa/AZ

Bayern-Reporter Patrick Strasser über die Rückkehr von Uli Hoeneß und wie diese mit dem Wahlkampf von Horst Seehofer und Angela Merkel zusammenhängt.

 

Er ist wieder da: Uli Hoeneß. Diese Formulierung gefällt mir nicht, schließlich assoziiert man sie mit dem Roman von Timur Vermes, einer Satire zum dunkelsten Thema der deutschen Geschichte. Hoeneß ist Realität, ein Stück bayerische Geschichte. Und faktisch nur wieder da, wo er vor der Verbüßung seiner Haftstrafe war: an der Bayern-Spitze. Die Wahl zurück in den Präsidentensessel – und damit bald zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates – geriet zur emotionalen Krönungszeremonie.

Der Verein ist sein Lebenswerk. Hoeneß braucht den FC Bayern. Und der FC Bayern, das haben besonders die Jahre ohne den Patriarchen gezeigt, braucht seinen Uli. Es wird ihm einerlei sein, dass es keinen Gegenkandidaten gab. Man hat ihm verziehen.

Bleibt die Frage: Lässt ihn die Gesellschaft abseits der der Bayern-Fans wieder in ihre Mitte? Lassen ihn die Polit-Talker wie Maischberger auf ihre Sofas? Kauft man ihm den Moralprediger bei Themen abseits des Fußballs noch ab? Freunde werden ihm raten, sich aufs Kerngebiet zu konzentrieren. Ministerpräsident Seehofer dürfte Hoeneß wie eh und je den roten Teppich auslegen – im Wissen, dass ihn jede Kritik an Bayerns zweitem Mann im Freistaat womöglich Wählerstimmen kostet. Dass Kanzlerin Merkel, die damals Hoeneß' Verzicht auf eine Revision zum Zweck der früheren Haftentlassung respektvoll würdigte, den Geläuterten im Wahlkampf an ihre Seite holt, ist – ja, ist das wirklich ganz ausgeschlossen?

Passender zu Hoeneß' Rückkehr auf den Thron ist für mich der Song "Wieder hier" von Marius-Müller Westernhagen: "Ich bin wieder hier, in meinem Revier, war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt."

 

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