AZ-Kommentar Gründe für Mammut-WM? Wohl eher finanzieller Natur!

Bei WM-Eröffnungsfeiern sind schon jetzt viele Fahnen zu sehen - ab 2026 werden es noch mehr sein. AZ-Redakteur Christoph Landsgesell äußert sich zu den Hintergründen der Fifa-Entscheidung. Foto: dpa/az

Der leitende Redakteur Sport Christoph Landsgesell kommentiert den Beschluss zur WM-Aufstockung.

 

„Es gibt keine Kleinen mehr“, hat einmal Berti Vogts, Bundestrainer der deutschen Europameisterschaftsgewinner von 1996, mit Blick auf den Weltfußball gesagt. Was natürlich so nicht ganz richtig ist, siehe die Spiele der DFB-Elf zur WM-Qualifikation gegen San Marino oder Aserbaidschan, deren Konsum meist so erquicklich ist wie der Verzehr eines DIN-A4-Blockes. Und ähnlich gehaltvoll.

Das droht nun auch bei der Weltmeisterschaft: 48 statt bislang 32 Mannschaften, darunter vielleicht Aserbaidschan. Oder eben San Marino. Wie sich eine Erhöhung der Teilnehmer anfühlt, konnte man im Sommer bei der EM in Frankreich miterleben. Selten war das sportliche Niveau bei einem Top-Turnier niedriger, und eine Mannschaft wie die Isländer – die sich bis ins Viertelfinale durchkämpfte – bleibt eher dank ihres „Hu!“ denn spielerischer Klasse im Gedächtnis.

Dass alle mitmachen dürfen, ist im Sinne des völkerverbindenden Sports natürlich ohne Zweifel zu begrüßen. Und so sehr man sich wünschen würde, dass auf dieser Grundlage die Fifa-Entscheidung gefallen wäre: Die Interessen dürften vielmehr finanzieller Natur gewesen sein. Mehr Teilnehmer, mehr Spiele, mehr Vermarktung, mehr Geld. Das Resultat bleibt in jedem Fall das Gleiche: Die Spannung steigt eben erst im Viertel- oder Halbfinale, der Sport verwässert. Wohl bekomm’s.

 

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