AZ-Kommentar Eskalation in Hamburg: Spirale der Gewalt

Ein Randalierer wirft in Hamburg im Schanzenviertel ein Fahrrad in Richtung von Wasserwerfern. Foto: AZ-Montage/Daniel Bockwoldt/dpa

Nachrichten-Chefin Natalie Kettinger über die Ausschreitungen in Hamburg.

 

Hamburg hat einen nie da gewesenen Gewalt-Exzess erlebt – das steht fest. Fraglich hingegen ist, ob diesem tatsächlich eine politische Gesinnung (linksextremistisch) zugrunde lag, oder ob es den Aggressoren eigentlich um etwas ganz anderes ging: um das hemmungslose Ausleben ihrer Zerstörungswut, um Randale als ultimativen Kick. Das Plündern eines Supermarktes hat mit Kapitalismuskritik schließlich so wenig zu tun wie das Anzünden von Kleinwagen mit dem Kampf gegen die herrschende Klasse.

Hemmschwellen sind gesunken

Es scheint vielmehr, als befinde sich unsere Gesellschaft in einer Abwärtsspirale sinnloser Gewalt. Die Hemmschwelle sinkt – und ist bei manchen schon völlig verschwunden: bei denen, die Studentinnen die Treppe zur U-Bahn hinuntertreten; bei denen, die einen Azubi erschlagen, um sein Handy zu rauben; bei denen, die Stadionsitze auf Fußballspieler werfen; bei denen, die Jagd auf Flüchtlinge machen – aber eben auch bei denen, die Polizisten mit Steinplatten angreifen.

Anstatt die Ausschreitungen von Hamburg parteipopulistisch auszuschlachten, wäre es sinnvoller, sich einmal zu fragen, woher diese zunehmende Gewaltbereitschaft kommt – und wie sie sich bekämpfen lässt.

 

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