AZ-Kommentar Edmund Stoiber: Er wäre die Heynckes-Lösung für die CSU

Jetzt ist gut Rat teuer: Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (l.) hört seinem Vorvorgänger Edmund Stoiber zu. Foto: Peter Kneffel/dpa

Kommt jetzt Edmund Stoiber als die "Heynckes-Lösung" für die zerstrittene CSU? Ein nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag zur Güte.

 

München - Die CSU tut sich ganz offensichtlich schwer mit dem viel beschworenen "geordneten Übergang" an ihrer Spitze. So richtig ist ihr das in ihrer Geschichte auch noch nie gelungen. Schon 1962 gab es einen erbitterten Machtkampf in der CSU um das Amt des Ministerpräsidenten, aus dem schließlich ein Dritter, nämlich der in Aschaffenburg als Oberbürgermeisterkandidat gescheiterte Alfons Goppel, siegreich hervor ging. Auch 1988 nach dem Tod von Franz Josef Strauß knirschte es vernehmlich, desgleichen beim erzwungenen Rücktritt von Edmund Stoiber und seiner Nachfolger Erwin Huber und Günther Beckstein.

Ob das am "C" im Parteinamen liegt? Befriedung tut also Not. In diesem Zusammenhang könnte die CSU sich ein Beispiel am FC Bayern München nehmen. Der FCB hat sein Schicksal bekanntlich in die Hände von Jupp Heynckes (72) gelegt und fährt seither gut damit. Wer aber könnte der Jupp Heynckes der CSU sein?

Da muss man nicht lange suchen: Edmund Stoiber (75) stünde bereit. Der CSU-Ehrenvorsitzende ist fit wie ein Heynckes und hat mindestens so viele Jahre gewirbelt - bis man ihn nicht mehr ließ. Und vor allem: Der Wolfratshausener würde sicher auch wollen. Man müsste ihn nur fragen. Nein, ein Job in einem "Seniorenbeirat" wie Horst Seehofers Personalfindungskommission spöttisch genannt wird, lastet den 75-Jährigen nun wirklich nicht aus.

Ministerpräsident und Parteivorsitzender in Personalunion?

Stoiber könnte nicht nur seinen Chefsessel in der Staatskanzlei wieder übernehmen, sondern auch erneut das Amt des Parteichefs wuppen. Reaktivieren könnte er dazu seine langjährige rechte Hand Martin Neumeyer, den man als Chef der Bayerischen Staatsforste bis zur Wiederverwendung zwischengelagert hat. Auf Stoibers Visitenkarte müsste nur der Wortbestandteil "Ehren" bei der Bezeichnung "Ehrenvorsitzender der CSU" gestrichen werden. Das spart auch noch.

Stoiber hat wiederholt gezeigt, dass er es wirklich kann. Für seine CSU erreichte er 2003 60,7 Prozent und eine Zweidrittel-Mehrheit im Landtag. Das hat der CSU zwar nicht gut getan, aber zehn Prozent weniger wären 2018 auch schon ein Ergebnis, das in der CSU für Sturzfluten von Freudentränen sorgen würde. Und bei den Kabarettisten sowieso. Noch heute feiert Kabarettist Wolfgang Krebs seine größten Erfolge, wenn er in der Rolle des "Ministerpräsidenten des ehemaligen Bayern" daherschwurbelt.

Viel Mut zu einer "Heynckes-Lösung" müsste die CSU gar nicht aufbringen. Immerhin wird die Wahlbevölkerung immer älter, während sich die Jüngeren in Politikverdrossenheit und Wahlabstinenz üben. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten macht mit Donald Trump (71) vor, dass das Zeitalter der Polit-Juppies vorbei ist. Mit 93 allerdings sollte schon Schluss sein, wie das Beispiel Mugabe zeigt. Für Stoiber bedeuten das noch mindestens 15 erfolgreiche Jahre im Amt, ehe er an den 65-jährigen Jungspund Markus Söder übergeben kann.

 

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