AZ-Kletterserie 6450 Quadratmeter, 555 Routen

 Foto: AZ Sportredaktion

Klettern in München, Teil vier: Die Kletterhalle des Alpenvereins in Thalkirchen ist die größte der Welt. Sie bringt zahlreiche authentische Herausforderungen aus der Bergwelt in die Stadt

München - Linie 180, Sektor A6 – Sektor Buhmb links (stark überhängend). Masern. Schwierigkeitsgrad 7. Geschraubt von Christoph Müller am 12. August 2011. Das alles steht auf dem kleinen Schild unten an der künstlichen Felswand, die über 15 Meter hoch in den blauen Himmel ragt - hier im Außenbereich des Kletterzentrums Thalkirchen. Und eine wichtige Information fehlt noch: Trittwechsel heißt die Route, die Ulrich Wurzer (20) und Emanuel Schuller (19) gerade bewältigt haben. Die beiden sind Stammgäste in der größten Kletterhalle der Welt.


„Das war jetzt recht schwer, oben vor allem”, sagt Ulrich und grinst erleichtert seinen Freund an. „Was machen wir jetzt?” Eine gute Frage. Das Angebot in Thalkirchen, draußen wie drinnen, ist so groß und vielfältig, da kann man schon mal ins Grübeln geraten.


Insgesamt ziehen sich 6540 Quadratmeter an künstlicher Felswand durch den Outdoor- und Indoor-Bereich. Dazu kommen 1190 Quadratmeter an Boulderfläche, die man ohne Seil und Gurt besteigt. Mit roten, gelben, blauen, grünen, schwarzen oder auch weißen Griffen mit roten Punkten, die sogenannten Masern, sind die meist grauen, buckeligen Monster überzogen, die in den Hallenbereichen eine Höhe von bis zu 18 Metern erreichen. Freeform-Felsen, deren Oberfläche einer natürlichen Bergwand nachempfunden ist, gibt es übrigens auch noch. Da klettert man nicht an geschraubten Griffen, sondern nutzt wie in der Natur die Wandstruktur. Um die 555 Routen kann man so in Thalkirchen in Angriff nehmen.


Doch Emanuel und Ulrich haben erstmal genug vom Klettern, gönnen sich eine Verschnaufpause. „Wir kommen jede Woche einmal nach Thalkirchen, klettern dann zwei, drei Stunden und setzen uns oft danach noch oben auf die Dachterrasse vom neuen Bistro”, erzählt Emanuel.


Die beiden haben sich in Thalkirchen während eines Kletterkurses kennengelernt. Emanuel hängt nun schon seit sieben Jahren regelmäßig an der Wand, Ulrich seit fünf Jahren. Im Mai haben sie ihr Abitur bestanden, wollen bald studieren, aber bis dahin noch die freie Zeit genießen. „Das geht hier in Thalkirchen recht gut”, meint Ulrich. „Hier wird einem nie langweilig.” Emanuel lacht: „Und wenn die Türme des Heizkraftwerks nicht hinter den Bäumen noch hervorragen würden, würde man sich hier wirklich wie in den Bergen fühlen.”


Mit dem „Grubergebirg” fing alles an – das ist die Freianlage aus Stahlbeton in Thalkirchen, die 1989 bereits für Aufsehen sorgte und Kletterer aus aller Welt anlockte. 1999 kam eine Kletterhalle dazu – und so entstand damals durch den Deutschen Alpenverein (DAV) die größte Kletteranlage in Deutschland. Nach der Erweiterung in diesem Jahr steht Thalkirchen sogar weltweit an der Spitze. „Klettern ist einfach nicht mehr der große Extremsport”, meint Mark Eisele, seit zehn Jahren Leiter der Anlage. „Kletterhallen sind moderne Fitnessstudios. Da geht es nicht nur darum, immer höhere Schwierigkeitsgrade zu erreichen.”


Auch Kinder spielen eine immer größere Rolle. Neben speziellen Anfängerkursen, gibt es eine künstliche Felsenwelt, die den Bedürfnissen und Wünschen des Kletternachwuchses entspricht. „Doch eines darf man nicht vergessen beim Klettern”, sagt Eisele und betont: „Klettern macht Spaß und hält fit, aber einen Kurs sollte jeder belegen, der sich an die künstlichen Felswände wagt. Das unterschätzen viele. Klettern ist ein Risikosport.”

Weitere Infos: www.kletterzentrum-muenchen.de

 

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