AZ-Kinokritik "Tolkien" - Biopic zum "Herr der Ringe"-Schöpfer

Nicholas Hoult als J. R. R. Tolkien. Foto: Twentieth Century Fox/dpa

Das Biopic "Tolkien" will Fantasy-Fans das Leben des "Herr der Ringe"-Schöpfers J.R.R. Tolkien näher bringen. 

 

Leser von J.R.R. Tolkien kennen diese düsteren Szenen aus der Mittelerde. Da ist Smaug, ein feuerspeiendes Drachen-Ungetüm aus dem "Hobbit"-Roman. Da sind die Totensümpfe, die Frodo Beutlin in "Der Herr der Ringe" auf dem Weg nach Mordor durchqueren muss. Diese Bilder sind Teil der Fantasy-Literatur des britischen Schriftstellers (1892–1973), der mit seinen Romanen Millionen Menschen in seinen Bann schlug und eine wahre Kultbewegung auslöste.

Welche Ereignisse in seinem eigenen Leben haben den Schöpfer der Mittelerde-Saga geprägt? Darum geht es in dem Biopic "Tolkien", das gleich mit brutalen Szenen aus dem Ersten Weltkrieg anfängt: Als junger Soldat hatte der Engländer 1916 die blutige Somme-Schlacht in Nordfrankreich miterlebt. Bei der Offensive britischer und französischer Truppen gegen deutsche Stellungen starben in viereinhalb Monaten zusammen fast 1,1 Millionen Soldaten.

"Herr der Ringe" ist stark von Tolkiens Leben beeinflusst

Im Schützengraben hat Tolkien Visionen von feuerspeienden Ungeheuern, während er durch blutigen Schlamm läuft. Verbrannte Bäume verwandeln sich in knorrige Figuren, die in seiner späteren Fantasiewelt von Elben, Orks und Hobbits möglicherweise die baumartigen Ents-Wesen inspirierten.

Der Film des finnischen Regisseurs Dome Karukoski ("Tom of Finland") wechselt hin und her, zwischen den Kriegsjahren, Tolkiens Kindheit und den Studienzeiten in Oxford. Die Einflüsse sind vielfältig: die früh verwitwete Mutter zieht John Ronald Reuel und dessen jüngeren Bruder zunächst im ländlichen Birmingham auf. Die Natur prägte seine Vision von der mythischen Welt Mittelerde, die Mutter weckte in ihm die Liebe für Geschichten und die lebenslange Begeisterung für Sprachen.

Mit zwölf Jahren verliert er jedoch seine Mutter, das mag Tolkiens Flucht in eine visionäre Welt mit mysteriösen Wesen und erfundenen Sprachen erklären. Ein Priester wird zum Mentor der verwaisten Brüder, die in einer Pension ärmlich leben. Nach anfänglicher Rivalität freundet sich Tolkien mit drei Jungen an seiner Schule an. Sie gründen einen Literaturclub und schwören sich ewige Freundschaft.

Nicholas Hoult überzeugt als J.R.R. Tolkien

Karukoski (42) packt die Geschichte traditionell an. Satte Farben, klassisch erzählt, dazu starke Musikuntermalung von dem Hollywood-Komponisten Thomas Newman ("James Bond 007: Spectre"). Auch mit den Schauspielern geht der Regisseur auf Nummer sicher: Der britische Film- und Theaterschauspieler Nicholas Hoult (29) verkörpert den sanften, angehenden Schriftsteller überzeugend.

Mit verstecktem Charme gewinnt er am Ende auch seine große Jugendliebe Edith Bratt, mit der Tolkien 55 Jahre verheiratet war. Nach ihrer Schneewittchenrolle in "Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen" überzeugt die britische Schauspielerin Lily Collins (30) nun als die starke und ebenbürtige Muse des Autors.

Wie stehen die Tolkien-Erben zu dem Biopic?

Handwerklich stimmt bei "Tolkien" alles, nur fehlt dem Film die magische Kraft, mit der Tolkien selbst seine Leser in fremde Welten entführt. Auch nimmt sich das Biopic kleine Freiheiten heraus, die unfreiwillig komisch wirken. Tolkiens treuester Begleiter auf dem Schlachtfeld etwa ist ein junger Soldat namens Sam, wie in "Der Herr der Ringe" mit Sam als Frodos engstem Freund auf dem Weg zum Schicksalsberg. Als weiterer Soldat ist Callum Tolkien, ein Ur-Enkel des 1973 gestorbenen Schriftstellers, in einer kleinen Nebenrolle zu sehen.

Doch damit hört die Unterstützung der Tolkien-Erben für den Film auch schon auf: Kurz vor dem US-Kinostart hatte sich der Nachlass des Autors von dem Film deutlich distanziert. Sie hätten der Verfilmung weder zugestimmt, noch daran mitgewirkt, hieß es in einer Mitteilung. Die Tolkien-Stiftung hatte sich früher schon mit Filmemachern wie "Der Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson gestritten. In Schadenersatzklagen ging es dabei um Einnahmen aus Verfilmungen.

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