AZ-Kinokritik "Pets 2" - Amüsant aber auch mahnend

Tiere werden vermenschlicht, aber auch der kleine Liam schaut sich umgekehrt bei den tierischen Freunden Max (Mitte) und Duke unbürgerliche Tischmanieren ab. Foto: Universal

"Pets 2" bleibt amüsant, findet aber für die Hunde Max und Duke, eine Katze und ein Super-Kaninchen keine klare Geschichte. Der neue Animationsfilm in der AZ-Kritik.

 

"Tiere Denken" hieß im vergangenen Jahr das Erfolgsbuch von Richard David Precht, und es versuchte unseren Umgang mit der Fauna ethisch neu zu bestimmen. Parallel dazu verwischt die zoologische Forschung zunehmend den geglaubten Abstand zwischen uns, der gedachten "Krone der Schöpfung, und den Tieren. Und – natürlich ganz unwissenschaftlich – heben Animationsfilme diesen Unterschied ohnehin völlig auf. Am konsequentesten "Pets", der vor drei Jahren weltweit durch ein Millionenpublikum 875 Millionen Dollar einspielte, weil er der lustigen Frage nachging: Was machen (und denken) eigentlich unsere Haustiere, wenn wir kein Auge auf sie haben?

Pets 2 - Menschen sind nur noch eine Nebenrolle

Der Clou dabei ist: Wir Menschen sind dabei nur noch Nebenrollen. Aber wie sagte Jan Josef Liefers, der in der deutschen Synchronfassung die Hauptfigur, den Jack Russell Max, spricht im AZ-Interview: "Max, der Großstadthund, hat mit dem Wolf, der den Menschen umschlich und dann domestiziert wurde, nur noch wenig zu tun. Und der Natur müssen wir uns – wie Max, der New Yorker – erst wieder nähern!"

Und das ist eine der drei erzählten Geschichten in "Pets 2": Der nette Jack Russell Max und der gutmütige, naive Duke fahren mit der Familie aufs Land, wo Max draußen schlafen und Schafe hüten muss und überhaupt das Hundeleben eine einzige Mutprobe ist. Dieses "Zurück zur Natur" ist auf einer Farm natürlich nicht die wahre Wildnis, die es ja auch in Wirklichkeit fast nicht mehr gibt. Vielmehr ist Max hier der Spiegel für unseren zivilisatorischen Abstand zur Rousseauschen Idee von der Erziehung zum guten Menschen durch das "natürliche Leben".

Die zweite erzählte Geschichte um Max ist ebenfalls eine pädagogische – für Kinder wie Erwachsene. Denn das Frauchen von Max hat geheiratet, und es kommt ein Sohn (Liam) auf die Welt, so dass Max – wie ein großer Bruder – lernen muss, mit der Liebes- und Aufmerksamkeitskonkurrenz umzugehen.

Eine Mahnung an Helikoptereltern

Dann, nachdem er doch schnell seinen kleinen Menschfreund ins Hundeherz geschlossen hat, ist der überbesorgte Schutzinstinkt-Max eine nette Mahnung an Eltern, sich nicht dauernd überprotektiv und helikopternd zu verhalten und auch mal loszulassen.

Diesen beiden Ideensträngen um Max und Co – zurück zur Natur und Vertrauen statt Kontrolle – haben die Filmemacher unter der Regie von Chris Renaud aber leider nicht genügend vertraut.

Und so haben sie zwei damit dramaturgisch völlig unverbundene weitere Geschichten eingebaut: Eine dekadente Schoßhündchendame die ihr Lieblingsspielzeug aus dem Gegenmilieu einer katzenüberfüllten Messie-Wohnung zurückerobern will, wozu sie sich aber als Katze verkleiden muss. Und die befreit nebenbei noch einen jungen weißen Tiger aus den Klauen eines grausamen Zirkus – mit Hilfe eines Möchtegern-Superman-Kaninchens, damit der klassische Haustierreigen erfüllt ist. Wobei der nosferatuartige Zirkusdirektor klischeehaft ein böser Russe ist! Da wäre ein kapitalistischer Trump-Ausbeutertyp einfallsreicher gewesen.

Aber all das ist durchaus witzig, einigermaßen geistreich und auch dynamisch. Nur ergibt sich daraus kein richtiges Ganzes, auch wenn man sich gut amüsieren kann. So ist "Pets 2" einfach ein nur ein nettes Sequel nach dem überbordenden Erfolg des ersten Teils.

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