AZ-Kinokritik "Long Shot": Gegensätze ziehen sich an

Fred Flarsky (Seth Rogen, l.) will die spröde Charlotte Fields (Charlize Theron) ein bisschen auflockern. Foto: Philippe Bosse/Studiocanal/dpa

In der Komödie "Long Shot" mit Seth Rogen und Charlize Theron liefert Regisseur Jonathan Levines ein gelungenes und unterhaltsames Spiel mit Geschlechterklischees.

 

Brigitte Macron und Melania Trump dürften wenige Gemeinsamkeiten haben. Neben ihrem Status als Präsidenten-Gattinnen eint sie jedoch die auf Äußerlichkeiten abzielende Berichterstattung so mancher Medien. Eine endlich mal wieder hintersinnige, den Zeitgeist treffende US-Komödie dreht den Spieß nun um. Und fragt danach, was denn in der Öffentlichkeit los wäre, wenn der Partner einer möglichen US-Präsidentin so gar nicht dem Bild eines angeblich vorzeigbaren Mannes entsprechen würde.

Zugegeben, die Paarung wirkt hier wie ein echter "Long Shot", also eine an den Haaren herbeigezogene Spekulation. Aber die bis in die Nebenrollen glänzende Besetzung hilft dem Zuschauer, auch die unglaubwürdigsten Wendungen zu verzeihen.

Charlize Theron als US-Außenministerin

Auf der einen Seite steht Fred Flarsky (Seth Rogen), ein rabiater, ungepflegter, aber integrer Investigativjournalist, der seinen Job sofort hinschmeißt, als seine unabhängige Online-Postille vom Medien-Tycoon Parker Wembley (Andy Serkis als Rupert-Murdoch-Karikatur) aufgekauft wird.

Auf der anderen Seite bringt sich die ehrgeizig-verbissene, ähnlich wertorientierte US-Außenministerin Charlotte Field (Charlize Theron) als mögliche nächste Präsidentin ins Spiel. Die beiden verbindet auf den ersten Blick nicht viel, bis auf die Tatsache, dass Charlotte mal Freds Babysitterin war. Eine peinliche Zufallsbegegnung auf einer Jet-Set-Party führt sie nun wieder zusammen.

Geschlechterklischees und Gesellschaftskritik

Die unterkühlte Politikerin benötigt für ihr Image einen frecheren Redenschreiber, der talentierte Fred einen Job. Und auch wenn diese Konstellation ein wenig an den Klassiker "Notting Hill" erinnert, gleitet Regisseur Jonathan Levine nie ins Klebrig-Sentimentale ab, erzählt lieber ungeschminkt von gängigen Geschlechterklischees und gesellschaftlichen Zumutungen gegenüber ambitionierten Frauen.

Wie sich Charlotte Field vor Parker Wembley, dem US-Präsidenten (Bob Odenkirk imitiert gekonnt albern die Karriere eines Ronald Reagan), aber auch vor der weiblichen Assistenz (June Diane Raphael) immer wieder rechtfertigen muss, dabei ständig aufs Äußere reduziert wird und die Inhalte ihrer ambitionierten Umweltpolitik scheinbar keine Rolle spielen, hat trotz aller Überzeichnung einen bitteren Wahrheitsgehalt.

Und es ist dann gerade dieses raffinierte Spiel mit den Erwartungshaltungen an die oft nur behaupteten Bedingungen für eine funktionierende Beziehung, die diese mal kluge, mal vulgäre, aber immer lustige Komödie so besonders macht.

 

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