AZ-Interview zum TSV 1860 Darum ist das Grünwalder Stadion nicht zweitligatauglich

, aktualisiert am 28.12.2017 - 09:20 Uhr
Sehnsuchtsort vieler 1860-Fans: das Grünwalder Stadion in Giesing. Foto: dpa

Das Referat für Bildung und Sport in München vermietet das Grünwalder Stadion an den TSV 1860. Im Interview mit der AZ erklärt Referatsleiterin und Löwen-Fan Beatrix Zurek, woran ein Ausbau der Westkurve bisher wirklich scheiterte - und warum der Sehnsuchtsort vieler Löwen-Fans die Bedingungen für die 2. Liga nicht erfüllt.

München - Wird der TSV 1860 von der Stadt München zu wenig oder nicht ausreichend unterstützt? Beatrix Zurek ist selber Löwen-Fan. Und die SPD-Politikerin ist die Leiterin des Referats für Bildung und Sport. Dieses ist wiederum "Vermieter" des Grünwalder Stadions, in dem die Sechzger in der Regionalliga Bayern spielen.

"Stimmung ist in der Allianz Arena gestorben"

Zurek teilt die beschriebenen Thesen mangelnder Unterstützung der Löwen durch die Stadt nicht. Im Interview mit der AZ erklärt die Anwältin, warum - und woran möglicher Zweitligafußball auf Giesings Höhen scheitern dürfte.

AZ: Frau Zurek, die erste Frage gilt dem Löwen-Fan in Ihnen, der zu Zeiten der Allianz Arena im Besitz einer Dauerkarte war. Haupttribüne oder Stehplatz?
BEATRIX ZUREK: Stehplatz in der Nordkurve, Block 126.

War es frustrierend, auf zehntausende graue Sitze zu schauen?
Doch, das war in der Tat frustrierend, aber auch interessant zu sehen, dass eine verhältnismäßig kleine Gruppe eine tolle Stimmung erzeugen konnte. Die ist mit der Zeit leider gestorben. Mit großer Sorge denke ich an das Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg zurück, als aus diesem Bereich die Sitze nach unten flogen. Wäre es nach mir gegangen, hätte man früher abpfeifen und die weiße Flagge hissen sollen.

Wie haben Sie ganz persönlich die Rückkehr ins Grünwalder Stadion erlebt?
Ich war fast bei jedem Spiel. Die Stimmung ist unglaublich, kein Vergleich zur Arena. Das ist mehr als Fußball: sich alle zwei Wochen treffen, gut drauf sein und zufrieden nach Hause gehen. Es ist wunderbar.

Leiterin des Referates für Bildung und Sport: Beatrix Zurek, hier mit den AZ-Reportern Matthias Eicher (li.) und Felix Müller (re.). (Foto: Stadt München)

Als Stadträtin und Leiterin des Referats für Bildung und Sport könnte man Sie ja quasi als Vermieterin bezeichnen. Ist es angemessen, was Sie anbieten – oder eine Ruine?
Wenn man eine Altbauwohnung liebt und anmietet, bekommt man auch eine. Wir bieten das, was wir haben, haben nie etwas anderes versprochen. Deshalb denke ich, dass es angemessen ist.

Grünwalder Stadion: Referat prüft Kapazitätserweiterung

Ab der kommenden Saison wurde eine Kapazitätserweiterung auf 15.000 Zuschauer beschlossen. Die Frage, die sich viele Löwen-Fans stellen, ist: Was ist jenseits dieses Fassungsvermögens, das beliebig abgesteckt wirkt, möglich?
Diese Zahl ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern muss im Sicherheitskonzept hinterlegt sein. Die Erweiterung auf 15.000 Plätze ist vom Stadtrat beschlossen worden und lässt sich mit relativ einfachen Mitteln umsetzen. Der Stadtrat hat unser Referat gleichzeitig beauftragt, zu prüfen, welche Kapazitätserweiterung noch möglich wäre, ohne den Bestandsschutz zu gefährden.

Jahrelang hieß es, die Westkurve könne wegen der Statik nicht komplett gefüllt werden. Nun hat man den Eindruck: Kaum spricht OB Dieter Reiter ein Machtwort, geht’s doch.
Vielleicht ist es falsch kommuniziert worden. Die Westkurve war lange nicht nutzbar wegen der beiden Polizeicontainer, die dort standen. Dann hat man sie nicht freigegeben, weil die Stufen marode sind. Mit der Ausbesserung der Wellenbrecher und der Tribünenstufen haben wir im Dezember begonnen, damit die gesperrten Bereiche der Westkurve nach der Winterpause wieder geöffnet werden können. Trotzdem sind Risse in dem Objekt vorhanden, durch die Wasser eindringt und die Bausubstanz angreift. Das ist wohl mit den statischen Problemen gemeint gewesen.

Ein Vorwurf, der seitens der Sechzger-Fans nicht selten kommt: Die Stadt investiert Millionensummen in andere historisch-kulturelle Einrichtungen. Warum wird ein Verein mit über 20.000 Mitgliedern nicht mehr unterstützt?
Über mangelnde Unterstützung durch die Stadt können sich die Löwen nicht beklagen, das tun sie auch nicht, ganz im Gegenteil. Die Stadt hat den Verein beim Umzug ins Grünwalder Stadion sehr unterstützt. Jetzt wird auf Kosten der Stadt die Kapazität auf 15.000 Zuschauer erhöht.

"2. Liga würde nicht an Zuschauerzahl scheitern"

Wie sieht es nach der Spielabsage gegen den TSV Buchbach mit neuen Stromgeneratoren aus?
(schmunzelt) Das Sportamt legt Wert auf die Feststellung, dass es keine Zahlungsrückstände gab. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wieso der Strom ausgefallen ist. Wir sind aber dran, weil es eventuell auch die Möglichkeit des Regresses gibt.

Bleiben zwei Szenarien zu klären. Erstens: Was wäre, wenn 1860 aufsteigt, auch bezüglich Sicherheitsbedenken gegen einen Klub, der 1.500 Fans mitbringt?
Grundsätzlich ist das Stadion drittligatauglich. Was das Sportamt betrifft, sind wir gut vorbereitet, auch durch die Ertüchtigung der Westkurve. Für Polizei und Kreisverwaltungsreferat kann ich nicht sprechen, habe angesichts der Rücksichtnahme der Fans aber keine Sicherheitsbedenken.

Zweitens: Gäbe es für Zweitliga-Fußball ein Hintertürchen?
Das Flutlicht könnte man vermutlich nachrüsten. Es wären jedoch weitere Maßnahmen vonnöten, die man nicht realisieren kann. Das Verrückte ist: Der Spielbetrieb würde nicht an der Zuschauerzahl scheitern, sondern an den von der Deutschen Fußballliga DFL vorgeschriebenen TV-Flächen und Anforderungen außerhalb des Stadions. Ich denke, langfristig braucht 1860 eine eigene, zukunftsträchtige Heimat. Sonst kommt man ja nie zur Ruhe.

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