AZ-Interview und Kinokritik M’Barek wird ernst: Jetzt aber mal ohne Halligalli

Elyas M'Barek (r.) und Philip Noah Schwarz bei der Weltpremiere von "Dieses bescheuerte Herz" im Mathäser. Foto: Felix Hörhager/dpa

"Dieses bescheuerte Herz": Elyas M’Barek wird zum empathischen Kümmerer und erzählt im Interview die wahre Geschichte dahinter. Der Schauspieler im AZ-Interview.

 

München - Lenny wohnt in der Villa seines Vaters, verschwendet sein Geld und hat den dicken Sportwagen im Pool versenkt. Wer könnte in "Dieses bescheuerte Herz" den dekadenten, hübschen alten Jungen besser verkörpern als Elyas M’Barek?

Dann muss Lenny sich um einen herzkranken Teenie kümmern, der mit seiner Mutter in einer Hochhaussiedlung lebt und nicht weiß, ob er seinen 16. Geburtstag noch erleben wird. Da krachen zwei Welten aufeinander. Statt lustigem Lotterleben erlebt Lenny eine tiefe Freundschaft und muss sich mit dem Tod auseinandersetzen.

AZ: Herr M’Barek, im Film hat David eine Liste mit Dingen, die er vor seinem Tod noch erleben möchte. Haben Sie auch eine solche Liste?
Elyas M’Barek: Ich habe noch nie eine solche Liste angefertigt, aber ich war gleichzeitig auch nie jemand, der etwas aufschiebt. Ich versuche, Dinge immer gleich zu machen.

Der Tod ist im Film immer präsent. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Zuvor über das Drehbuch und die Rolle zu sprechen, war die Hauptarbeit.

In einer Szene spielen Kinder mit Behinderung mit. Das eine Herausforderung?
Im Gegenteil. Die waren total lieb und haben sich gefreut, dass sie an einem Filmset sind und im Mittelpunkt stehen. Das war ein amüsanter Tag.

Sind Dreharbeiten für einen solchen ernsten Film witzig?
Der Film unterhält zwar und hat eine gewisse Leichtigkeit, aber prinzipiell waren die Dreharbeiten begleitet von einem empathischen Grundgefühl und großer Ernsthaftigkeit. Das war kein Halligalli-Set, an dem die ganze Zeit gelacht wurde.

Aber als sie mit dem Sportwagen in den Pool rasen...
Das war ein Highlight. Sowas hatte ich noch nie gemacht.

Waren das in dem Audi wirklich Sie?
Ja, wir haben zwei Autos komplett in einem Pool geschrottet. Aber es gibt natürlich Szenen, die für den Film inhaltlich wichtiger sind.

Welche Szene hat Sie besonders berührt?
Das Ende, wenn im Abspann die Fotos der beiden Hauptfiguren gezeigt werden und man sieht, dass diese Geschichte wirklich so passiert ist und dass David noch lebt. Und dass er diesen Film sehen kann.

Haben Sie den echten David und den echten Lenny kennengelernt?
Das hat sich noch nicht ergeben. Aber die beiden haben den Film schon gesehen und mochten ihn. Wir werden uns bei der Premiere kennenlernen.

Ist dieser Film eine Zäsur, ein Wechsel vom Tennieschwarm ins ernste Schauspiel?
Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Mir war vor allem die Botschaft des Filmes wichtig.

Bleiben Sie noch für Selfies stehen?
Kommt drauf an, wo ich da gerade hin muss. Aber ja, ich verbringe viel Zeit damit, Selfies mit meinen Fans zu machen.


"Dieses bescheuerte Herz" - Die AZ-Kritik

Lenny (Elyas M’Barek) ist ein verwöhntes Ärztesöhnchen: Studium abgebrochen, jeden Abend Party, Kreditkarte mit Zugang zu Papas Konto. Aber dann dreht der Vater (Uwe Preuss) den Geldhahn zu und verlangt, dass Lenny sich um einen 15-jährigen Patienten kümmert, der seit Geburt an einem lebensbedrohlichen Herzfehler leidet.

So steht Lenny in seiner Designer-Lederjacke im Kinderhospiz, wo David (Philip Noah Schwarz) betreut wird. Er lässt seinen Schützling eine Wunschliste schreiben: "Sportwagen fahren", "Eine Frau nackt anschauen", "Ein Mädchen küssen", "Mutti glücklich machen".

Da auch Lenny sich dem Erwachsenwerden bisher erfolgreich entzogen hat, sind ihm die Wünsche nicht fremd. Nur mit der Verantwortung hapert es halt. Aber das wird schon.

Da muss man sich in einem Film wie diesem keine Sorgen machen. Denn auch wenn Marc Rothemunds "Dieses bescheuerte Herz" auf "wahren Begebenheiten" beruht sind die Gleise einer rührseligen Läuterungsdramaturgie gut sichtbar verlegt.

Natürlich bereichern sich der geplagte Herzpatient und das verwöhnte Wohlstandsopfer charakterlich gegenseitig unentwegt: Das Helfen hilft dem Helfer ein wenig Sinn in sein zielloses Lasterleben zu bringen.

Wirkliche Konflikte kommen nicht auf. Dass Deutschlands Sympathieträger Nummer Eins, Elyas M’Barek, eigentlich ein ganz feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck ist, haben wir auch schon ein kleines bisschen geahnt.

M’Barek spielt die Rolle mit seiner typischen Mischung aus Coolness und Grundwärme. Durch seine enorme Popularität ist er auch schon zu einer Marke geworden, die keine Risiken eingeht. Und das allzu klassische Drehbuch von Maggie Peren und Andi Rogenhagen ist dann auch an der Reifung des Ärztesohnes mehr interessiert zu sein als am Schicksal des Jungen. Am Ende steht die Immatrikulation des geläuterten Lenny im Fachbereich seiner Eltern: Medizin!

Dazu singt Jeff Buckley aus dem Off dann noch tatsächlich Leonard Cohens "Halleluja" – und das in voller Länge!

Cadillac, Cinemaxx, Sendlinger Tor, Solln, Leopold, mathäser, Rex, Rio, Royal | R: Marc Rothemund, (D, 106 Min)

Weitere Promi-News finden Sie hier

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading