AZ-Interview Torwartlegende Sepp Maier: "Der Uli denkt nicht nach"

, aktualisiert am 23.05.2017 - 12:26 Uhr
Sepp Maier ist Botschafter des Programms "Älter werden in Balance". Im AZ-Interview spricht er auch über den FC Bayern. Foto: augenklick/imago/AZ

Im AZ-Interview spricht Sepp Maier über Präsident Hoeneß, den Abschied von Philipp Lahm, Sport im Alter und die Lage bei den Löwen: "Wenn sie absteigen, wäre das eine Katastrophe für München."

München - Sepp Maier ist Botschafter der Initiative "Älter werden in Balance". Im Rahmen seiner Tätigkeit für diese Initiative besuchte er am Wochenende die Rentnermesse "66". Es ist die größte 50Plus Messe in Deutschland. Der 73-Jährige spielte in den Sechzigern und Siebzigern für den FC Bayern und wurde mit der Nationalmannschaft Europa- und Weltmeister.

AZ: Herr Maier, jahrelang waren sie Spitzensportler beim FC Bayern, später als Torwarttrainer täglich auf dem Platz. Nun sind Sie Botschafter der Initiative "Älter werden in Balance". Was hat Sie dazu bewogen, an der Rentnermesse "66" als Redner aufzutreten?
SEPP MAIER: Es geht dabei ums Fitbleiben im hohen Alter. Ich glaube, ich kann dazu beitragen, dass die Leute ein bisschen mehr Sport betreiben und damit auch fitter bleiben.

Was tun Sie für den Körper?
Alles Mögliche. Nicht mehr so extrem wie früher, aber ich bin immer in Bewegung, das ist das Wichtigste.

Was fällt Ihnen mittlerweile am schwersten?
Man muss dem Alter ein bisschen Tribut zollen. Mit 73 macht man das was man noch machen kann.

Golfen zum Beispiel?
Ja, Golfen oder in die Berge gehen, wandern. Da gibt es viele Möglichkeiten.

Spielen Sie auch regelmäßig mit anderen ehemaligen oder aktiven Bayern-Spielern Golf?
Ja sicher, wir treffen uns ab und zu. Zum Beispiel mit Michael Tarnat und Oliver Kahn. Jetzt hat ja auch Philipp Lahm aufgehört, vielleicht treffe ich ihn ja mal auf dem Golfplatz. Dazu kommen noch viele Turniere, bei denen die Bayern-Spieler auch dabei sind. Das ist wieder ein großes Hallo und eine Riesen-Gaudi.

A propos Ex-Profis: Was sagen Sie zum Abschied von Philipp Lahm. Kommt er zu früh?
Das muss der Philipp selber entscheiden. Vielleicht will er ein bisschen Ruhe haben. Er und seine Frau kriegen jetzt ja wieder ein Kind und da will er wohl mehr zu Hause sein.

Was geben Sie ihm für einen Tipp als Fußballrentner?
Der wird schon wissen, was er macht. Er hat alles richtig gemacht in seiner Karriere, da wird er auch das restliche Leben gut gestalten.

Wie bewerten Sie die vergangene Saison des FC Bayern?
Nicht so gut. Deutscher Meister zu werden, das ist für Bayern normal. Sie sind das jetzt 27 Mal geworden, fünf Mal hintereinander.Der Verein strebt immer nach Höherem. Champions-League-Sieg, DFB-Pokalsieg, das haben sie alles nicht geschafft. Aber bald kommt ja wieder die nächste Saison, in der sie zeigen kännen was sie draufhaben.

Und Carlo Ancelotti ist der richtige Mann dafür?
Ja, logisch! Der macht die Sache gut. Er hat ein bisschen Pech gehabt mit seinen Bayern. Nächstes Jahr geht es dann wieder in die Vollen.

Braucht es dafür neue Spieler?
Das weiß ich nicht. Ich glaube, der FC Bayern hat genug gute Spieler. Na gut, einige sind ein bisschen älter geworden. Aber ich sage immer: Es gibt keine alten Spieler, nur gute und schlechte.

Die jungen Spieler waren in der vergangenen Saison häufig nur Ergänzungsspieler. Wer von Ihnen macht den größten Sprung im nächsten Jahr?
Das kann ich nicht sagen, dafür bin ich zu weit weg von der Mannschaft. Ich schau es mir zwar im Fernsehen an, aber ansonsten habe ich mit dem Team nicht viel zu tun.

Im Stadion trifft man Sie nicht an?
Ich gehe selten ins Stadion. Meine beiden Ehrenkarten habe ich meiner Tochter und meinem Schwiegersohn gegeben. Die sind fanatische Bayern-Fans. Da sollen sie für mich rausgehen.

Sie waren lange Zeit Torwarttrainer bei Bayern. Wie bewerten Sie die Beförderung des 17-jährigen Christian Früchtl zur neuen Nummer 3?
Da kann er nur lernen. Es ist richtig, da er davon nur profitieren kann. Ich kenn den Früchtl. Toni Tapalovic (Torwarttrainer von Bayern, d. Red.) hat mir erzählt, dass er da einen guten Nachwuchsmann hat und ihn in die erste Mannschaft bringt. Ich glaube, das ist der richtige Weg. Wobei man mit Torhütern ja nie Probleme hatte beim FC Bayern.

Glauben Sie, dass er langfristig die Nachfolge von Neuer antreten kann?
Der Neuer ist ja auch noch sehr jung. Der spielt noch zehn Jahre. Früchtl muss schauen, dass er von Neuer einiges lernt und dann einen guten Verein findet, bei dem er spielen kann.

Die Aussagen von Uli Hoeneß zu seiner Gefängnisstrafe sorgten kürzlich für Aufsehen. "Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen", meinte er.
Ja mei, der Uli redet viel. Man soll das nicht so ernst nehmen. Der Uli ist sehr impulsiv, aus ihm sprudelt immer alles raus, der denkt nicht nach meines Erachtens. Sonst hätte er das wohl nicht gesagt. Das wird wohl nicht mehr vorkommen.

Der TSV 1860 steht wieder in der Relegation zur 3. Liga. Wie sehr wünschen Sie sich mal wieder ein Münchner Derby in der Bundesliga?
Das wäre optimal. Wenn die Sechziger absteigen würden, wäre das eine Katastrophe für München. Sie gehören wieder in die Bundesliga. Es gibt ja viele Beispiele: Schauen sie sich Madrid an, was die für zwei tolle Mannschaften haben. Ich würde mir wünschen, dass in München auch zwei so tolle Teams wären. Dann hätten wir mal ein Europacup-Endspiel Bayern gegen 1860. Das wäre mein Wunsch.

Die DFB-Elf bestreitet den Confed Cup mit sechs Neulingen. Wie denken Sie über das Turnier?
Den Confed Cup gibt es halt schon ewig und mann muss auch testen, wie die WM-Ablaufen kann. Ich denke aber die Russen haben das schon im Griff.

Kann Deutschland den WM-Titel verteidigen?
Sie werden es zumindest versuchen. Aber es hat noch keine Mannschaft geschafft. Ich wünsche ihnen alles Gute, aber es wird schwer werden. Es wäre schon ein Erfolg, unter die ersten Vier zu kommen. Eine gute Mannschaft haben wir ja.

Und wer wird Champions-League-Sieger?
Juventus Turin - die Italiener haben es mal wieder verdient. Real muss nicht immer gewinnen, vor allem lief es gegen Bayern auch eher glücklich.

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