AZ-Interview Toni Polster: "Mein Trauma!"

Legende mit Mütze: Jens Martin Knudsen, Ex-Keeper der Färörer, den Polster nicht überwinden konnte. Foto: dpa

Hier erinnert sich Toni Polster an die 0:1-Pleite mit Österreich gegen die Färöer-Inseln, bewertet die Chancen seiner Landsleute gegen
die DFB-Elf – und lobt Alaba

 

AZ: Herr Polster, das Los hat Österreich und Deutschland in der WM-Qualifikation mal wieder zusammen geführt. Auch die Färöer-Inseln, am Freitag erster Gegner der DFB-Truppe, sind in der Gruppe. Auf was muss das deutsche Team besonders achten?

TONI POLSTER: Dass man die Pflichtaufgaben erfüllt!

Sie sagen es! Sie haben ja auch so Ihre Erfahrungen mit den Färöern gemacht: beim 0:1, damals vor 22 Jahren. Möchten Sie darüber reden?

Ja, so Spiele gibt’s immer wieder, die der Favorit einfach nicht heim bringt, in denen der Gegner über sich hinaus wächst. Aber das passiert, auch im Pokal, auch in Deutschland oder England.

10:0 hatten Sie vorab getippt.

Wir haben ständig Stange und Latte getroffen und nichts reingebracht. Und die sind ein Mal vor gekommen und haben ein Tor geschossen. Aber das ist den Deutschen auch schon mal passiert, gegen Albanien glaub’ ich.

Wie sauer ist man da auf dem Spielfeld, Sie dazu noch als Kapitän?

Man ist sich natürlich bewusst, dass das eine Blamage internationalen Ausmaßes wird. Aber es war nichts zu wollen. Dieser Torwart! Ich weiß nicht, wie oft ich den angeköpfelt hab’! Der hat mehr Glück als Verstand gehabt.

Was hat Trainer Josef Hickersberger zu der Blamage gesagt?

Viel hat der nicht mehr gesagt. Er wusste eh, was los war, was das für eine Blamage war, was für ein Trauma.

Am Tag darauf ist er zurückgetreten. Wie war der Empfang in der Heimat? Die Färöer dichteten sogar ein Lied auf den Sieg, mit dem Refrain „Die Berge und das Volk, stolz stehen sie da, David stürzte Goliath, vorwärts, vorwärts, Färöer!”

Ich hab’ damals im Ausland gespielt und bin gar nicht mit nach Wien, sondern gleich zurück zum FC Sevilla geflogen.

Bestimmt die angenehmere Landung. Nächsten Dienstag kommt es wieder zum Klassiker gegen das DFB-Team. Was für ein Spiel wird das?

Naja, wieder so ein Kampf David gegen Goliath. Da müssen wir schon eine außergewöhnliche Leistung bringen, wenn wir da was holen wollen. Keine Frage: Die Voraussetzungen gegen
Deutschland werden immer gleich schwierig bleiben.

Wie haben Sie das deutsche Team bei der EM gesehen?

Für mich waren sie der Favorit. Leider Gottes hat’s nicht geklappt mit dem Titel. Aber trotzdem glaube ich, dass da eine Mannschaft zusammenwächst, die in Bälde einen Titel holen wird.

Wie ist es um das österreichische Team bestellt?

Wir haben derzeit eine ganz gute Mannschaft. Leider fällt David Alaba aus. Durch den Sieg gegen die Türkei hat die Mannschaft viel Selbstvertrauen gewonnen, und jetzt müssen wir schauen, ob dieses Selbstvertrauen reicht, um gegen Deutschland zu punkten.

Wie beurteilen Sie Alabas Entwicklung?

Sehr positiv. Er hat uns Riesen-Freude gemacht. Er wird seinen Weg machen, beim FC Bayern und im Nationalteam.

Sehen Sie ihn als Außenverteidiger oder im Mittelfeld?

Über kurz oder lang wird er die Achter-Rolle spielen oder den zweiten Sechser, weil er sehr ballsicher und auch kampfkräftig ist. Links hinten haben wir auch mit Fuchs und Suttner zwei Gute.

Sie sind ja zuletzt auch unter die Trainer gegangen, heuerten vor einem Jahr beim Fünftligisten SC Wiener Viktoria an.

Ich habe durch meine Tätigkeit im Management von Borussia Mönchengladbach (2001-04) die Trainerprüfung nicht machen können, das hab’ ich jetzt nachgeholt, bin im dritten Jahr Trainer und auf dem Weg zu meinem dritten Meistertitel. Mit den Amateuren von LASK Linz bin ich in die dritte Liga aufgestiegen, mit Viktoria Cup-Sieger geworden und Aufsteiger in die Wiener Oberliga A, die vierthöchste Liga. Da sind wir jetzt wieder Tabellenführer.

Sie haben sogar einen Mentaltrainer an Bord, der sich mit Lifekinetik, Problemtrance und hypnosystemsicher Intervention beschäftigt.

Ich habe den Jungs das beste, modernste Training versprochen. Freunde helfen mir da – leisten können wir uns das nicht.

Am 13. Oktober gibt es ein Spiel gegen den FC St.Pauli – wie kam es dazu?

Wir verfolgen eine ähnliche Philosophie wie St.Pauli. Schließlich ist es mein Ziel, irgendwann wieder in die Bundesliga zurückzukehren, ganz oben zu trainieren, logisch.

Am liebsten in Köln, oder?

Ja. Ich verfolge die Entwicklungen dort. Der Klub liegt mir halt am Herzen.

 

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