AZ-Interview Skiabteilung der Löwen: Disziplin und Biss

Zackig unterwegs: Ein Skifahrer des TSV 1860 auf der Piste Foto: TSV 1860/Franz Wagner

Der TSV 1860 ist keinesfalls nur ein Fußballverein – auch die Skiabteilung ist erfolgreich und hat eine lange Tradition. Hier erklärt der Vorsitzende, was die alten und jungen Löwen auf die Piste treibt

 

AZ: Herr Strelow, der TSV 1860 sorgt im Fußball immer wieder für Wirbel – auf wie neben dem Platz. Sie sorgen mit Ihren Löwen im Schnee für Aufsehen. Mit dem runden Leder haben Sie aber nichts zu tun?
HORST STRELOW: Nein. Bei uns dreht sich alles ums Skifahren. Und damit sind wir recht erfolgreich. Zu unseren absoluten Aushängeschildern gehören beispielsweise Marina Kiehl, die bei den olympischen Winterspielen 1988 in Calgary die Abfahrt gewann. Oder Miriam Vogt, die bei der WM 1993 in Morioka die Kombination für sich entschied – beide echte Löwen.


Und wie schaut es aktuell bei den alpinen Löwen aus?
Mit Linus Strasser und Hansi Schwaiger haben wir zwei hoffnungsvolle Talente, die bereits für den B- und C-Kader des Deutschen Skiverbandes fahren, an Europacups teilnehmen und kurz vor ihrem ersten Weltcup-Start stehen.


Müssen Sie keine Angst haben, dass Ihnen, wie bei den Fußballern, die Talente weggeschnappt werden?


Wir verkaufen unsere Talente nicht. Auch wenn wir natürlich nicht die gleichen Bedingungen bieten können, wie ein Skiverein aus Garmisch oder Oberstdorf. Aber die Großstadt ist auch kein Nachteil. Die in den Bergen haben auch nur zwei Beine und zwei Arme. Unsere Jungs und Mädels haben oft noch mehr Ehrgeiz, Disziplin und Biss.


Jetzt sollen neben den Skirennläufern auch noch Skispringer bei den Löwen abheben. Wie funktioniert das?


Das ist unser neuestes Projekt und ein absolutes Novum – eine Skisprungabteilung in einer Großstadt wie München. Aber durch die Nähe zu den Alpen können wir das stemmen. Wir gehen damit auch zu unseren Wurzeln zurück – als sich die Abteilung 1907 gründete, standen Schneeschuhwandern und Skispringen auf dem Programm.
 

Haben Sie bereits ein Skispringer-Team?


Noch nicht. Das läuft gerade alles an. Wir verteilen bereits Flyer mit dem Slogan „Wo sind die Münchner Skispringer?”, suchen da nach Interessierten und Talenten.

Und nach Trainern?


Nein. Da sind wir bereits bestens bestückt. Das Training wird Sandra Schwarzbauer leiten, die ihre Ausbildung im finnischen Lahti begonnen hat und diese im österreichischen Stams abschließen wird. In Lathi hat sie bereits eine Nachwuchstruppe betreut. Unser Schanzentraining wird dann in Garmisch stattfinden. Und dank Sandra wird der amtierende Skiflugweltmeister Robert Kranjec das Training regelmäßig unterstützen.


Das hört sich ja schwer nach Leistungssport an?


Da legen wir auch viel Wert drauf – bei den Skispringern wie bei den Skifahrern. Uns ist der Breitensport jedoch ebenso sehr wichtig. Man muss bei uns nicht um Medaillen fahren. Aber wenn wir ein Talent entdecken oder jemand bestimmte Ambitionen hat, dann fördern wir das.


Ab welchem Alter kann man sich bei den Löwen auf die Bretter stellen?


Sobald die Kinder ihre Windeln abgelegt haben, kann es losgehen. Ganz locker. Wettkampf und Bestzeiten spielen da noch keine Rolle.

Wo traineren Sie?


Unter der Woche geht es meistens Richtung Tegernsee, je nach Schneeverhältnissen. Ansonsten in Garmisch. Wir veranstalten für unseren Nachwuchs auch Trainingslager:

Zum krönenden Abschluss geht's dann noch auf die Löwen-Hütte?


Oh ja! Die Andreas-Sattler-Hütte wurde in den 1930er Jahren gebaut, oberhalb der Partnachklamm bei Garmisch. Da wird gerne gefeiert.

 

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