AZ-Interview Pfaff: "Heute bin ich natürlich Bayer, kein Belgier!"

Er ist Bayerns Kult-Keeper der 1980er-Jahre: der Belgier Jean-Marie Pfaff. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Jean-Marie Pfaff, der langjährige Keeper des deutschen Rekordmeisters, spricht in der AZ über Champions-League-Gegner RSC Anderlecht und die Situation beim FC Bayern.

 

München - Die AZ hat mit Jean-Marie Pfaff gesprochen. Der jetzt 63-Jährige spielte von 1982 bis 1988 beim FC Bayern, er war Publikumsliebling in München und belgischer Nationaltorwart.

AZ: Herr Pfaff, vor dem Champions-League-Spiel der Bayern gegen den RSC Anderlecht halten wir uns einfach an Ihren Hit von einst: Sind Sie heute Bayer oder Belgier?
JEAN-MARIE PFAFF (lacht): Ich bin natürlich ein Bayer heute, kein Belgier! Mein Herz schlägt für Bayern, ich habe lange für den Klub gespielt. Es waren super sechs Jahre bei Bayern, das vergisst man nicht.

Wie ist der RSC Anderlecht einzuschätzen?
Ich habe Respekt vor dem Klub und der aktuellen Mannschaft. Anderlecht ist Meister geworden in Belgien. Jedes Jahr verlassen viele Talente den Verein, neue Spieler kommen. Deshalb ist Anderlecht unberechenbar. Youri Tielemanns wechselte für 25 Millionen nach Monaco.

Auf wen müssen die Bayern besonders aufpassen?
Man muss sagen, dass Anderlecht insgesamt nicht mehr für den Stil von früher steht mit Flanken über außen. Die Spieler gehen ihren Weg, versuchen es mit Einzelaktionen. Einige haben hohe Qualität, zum Beispiel Lukasz Teodorczyk. Anderlecht wird heute besonders heiß sein. Die Spieler wissen: Wenn ich gegen Bayern eine überzeugende Leistung bringe, kann ich in der nächsten Saison vielleicht zu einem großen Klub wechseln.

In den 1970ern gewann Anderlecht zweimal den Europapokal der Pokalsieger. Trauen Sie RSC zu, die Gruppenphase gegen Bayern und Paris St.-Germain zu überstehen?
Wenn Anderlecht gegen ein geschlossenes, diszipliniertes Bayern spielt, wird es normalerweise eine klare Sache. Auch gegen Paris mit Neymar. Ich denke, dass sich die Favoriten durchsetzen. Anderlecht ist im Kollektiv nicht so stark.

"Für Thomas Müller ist die Sitatuion sehr schwer"

Carlo Ancelotti hat gesagt, dass Bayern gute Chancen hat, die Champions League zu gewinnen. Hat er Recht?
Die Vorbereitung war schwer, der Saisonstart nicht perfekt. Aber ich glaube, die Bayern werden immer stärker, je länger die Saison dauert. Ich traue Bayern das Triple zu, wenn alle Stars gesund sind. In der Champions League gegen Real Madrid wurde Bayern letzte Saison verpfiffen. Das war ein trauriger Abend für mich, meine Familie und alle Fans. Es war eine Schande, was der Schiedsrichter gemacht hat. Aber das Ausscheiden hatte auch etwas Gutes.

Und zwar?
Die Spieler werden dies im Kopf haben, wenn sie in dieser Saison in der Champions League spielen. Eine solche Enttäuschung kann dich stärker, fokussierter machen. Für Thomas Müller ist die Situation aktuell sehr schwer.

Wie kann er sein altes Leistungsniveau wiederfinden?
Generell muss man sagen, dass die Spieler mit dem Konkurrenzkampf besser umgehen als früher. Da waren die Stars richtig böse, wenn sie draußen sitzen mussten, da gab es richtig Ärger. Müller war nach dem Bremen-Spiel sauer – das muss bei einem Mann seiner Qualität auch so sein. Vielleicht spürt er ein bisschen, dass die Gegner seine Spielweise kennen. Vielleicht denkt er sogar über einen Vereinswechsel nach.

Was passiert auf der Trainerposition?
Ancelotti steht schon in der Kritik. Ancelotti hatte große Erfolge, er ist ein guter Trainer. Es passt halt nicht immer. Otto Rehhagel war fast 15 Jahre bei Werder Bremen, bei Bayern hat er es nicht mal eine Saison geschafft. Vielleicht hat Bayern den neuen Trainer schon auf der Bank: Willy Sagnol, er kennt den Verein. Warum soll man weitersuchen?

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