AZ-Interview Nina Ruge: "So werden Sie zufrieden"

Ein neues Bewusstsein trainieren – darin liegt für Nina Ruge das wirkliche Glück der Befreiung. Foto: Frank P. Wartenberg

Die erfolgreiche Moderatorin (61) hat ein neues Buch geschrieben "Sei DU der Leuchtturm deines Lebens". Mit der AZ spricht sie über Glück, Liebe und mehr.

AZ: Liebe Frau Ruge, wie glücklich sind Sie gerade?
NINA RUGE: Ich bin dankbar und zufrieden. Obwohl ich mich gerade in einer sehr intensiven Arbeitsphase befinde, so dass die Erholungsphasen kurz kommen. Alle Aufgaben – von den beruflichen bis hin zum Hundefüttern – empfinde ich als sinnvoll und wertvoll. Und dazu weiß ich es so sehr zu schätzen, in welch prosperierendem und sicherem Land ich leben darf.

Was ist Glück für Sie?
"Glück" gehört nicht zu meiner Sehnsuchts-Beschreibung. In der Vokabel "Glück" schwingt mir zu viel "Sechser-im-Lotto", "Traumpartner", "perfekter Urlaub" und so weiter mit. Meine Lebenssehnsucht ist verbunden mit einer Haltung zum Leben und zum Sein. Ich suche nicht im Außen, sondern entdecke und gestalte das Innen.

Das heißt konkret?
Ja sagen zu dem, was mir geschieht, mich verbunden fühlen mit dem Geschenk des Lebens, Freude empfinden in guter Beziehung mit anderen und Aufgaben haben, die Sinn machen. Das erfüllt mich mit tiefem Frieden. Mit Zu-FRIEDEN-heit.

Sie wirken stets selbstbewusst und ausgeglichen. Gibt es auch Momente, in denen Sie sich schwach oder unwohl fühlen?
Es ist tatsächlich so, dass ich in jedem Augenblick halbbewusst werte: Was ist hier wichtig? Oft entpuppen sich gerade die Dinge, die mich früher an die Decke gehen ließen, unter dieser Betrachtung der Distanz zu sich selbst und zu den spontanen Impulsen als völlig unerheblich. Wenn ich mich permanent in einem Gespür für das Wesentliche übe, als Grundhaltung hinter all meinen Alltagsthemen, entgleise ich sehr selten emotional. Wenn es mir mal passiert, verzeihe ich mir – mehr oder weniger.

In Ihrem Buch geben Sie viele Tipps – was ist am wichtigsten auf dem Weg zu innerer Stärke?
Das findet jeder für sich selbst heraus, wenn er oder sie sich auf den Weg gemacht hat zur inneren Führung. Was ich anbiete, ist eine Vielzahl an Anregungen und Impulsen, und der Leser oder die Leserin spürt unmittelbar, welchen Wert sie für das eigene innere Wachstum haben könnten. Dazu gehören Achtsamkeitsübungen genauso wie kleine, sehr persönliche, individualisierte Meditationen oder ganz eigene, befreiende Glaubenssätze.

Gibt es dabei typische Fehler, die man umschiffen könnte?
Naja, das ist natürlich ein großes Vorhaben: ein neues Bewusstsein, das mir Halt und Orientierung gibt in Zeiten der extremen Veränderung, Beschleunigung und Unsicherheit. Und deshalb kann das Entwickeln einer solchen inneren Haltung nur ein Prozess sein, also ein Weg, für den ich mich entscheide – und der nie zu Ende sein wird. Doch wenn ich mich aufrichtig auf diesen Weg begebe, dann wird sich vieles zum Guten ändern. Ohnmachtsgefühle schwinden, Ängste auch – und irgendwann auch viel von dem, was wir Ego nennen. Ganz groß formuliert: Es entsteht das wunderbare Gefühl der inneren Unabhängigkeit und der Liebesfähigkeit.

Sie schreiben von der "Generation Ich", von narzisstischen Egoisten – sind die sozialen Medien Schuld?
Social Media gibt dem großen Irrtum, der so menschlich ist, eine geniale Plattform. Social Media suggeriert: Wenn ich mich perfekt, toller als toll präsentiere, wenn mich Hunderte, Tausende liken, brauche ich mich um das nicht zu kümmern, was mir wirklich fehlt und das innerlich an mir nagt. Ich brauche mich nicht zu kümmern um meine Ängste, meine negativen Glaubenssätze, meine Unfähigkeit zu lieben, die mangelnde Tiefe meines Lebens. Was man durchaus als eine Form von Selbstbetrug bezeichnen könnte.

Sind Sie selbst auf Facebook?
Ich habe mal einen kleinen, unprofessionellen Versuch auf Instagram gestartet – Fotos, mit Sinnsprüchen, habe das aber nicht verfolgt, weil ich es zeitlich nicht schaffte. Meine Facebook-Seite betreute eine "Sinn- und Werte"-Plattform, da ich das nicht selbst gestalte, gebe ich es auf. Vielleicht starte ich mit einer Freundin einen neuen Versuch, mal schauen.

Sie sind seit 2001 mit Wolfgang Reitzle verheiratet. Wie bewahren Sie Ihr Liebesglück?
Da habe ich eine etwas rustikale Formel für mich gefunden: "Ich liebe und respektiere das Gesamtpaket, das ich geheiratet habe. Ich werde es nicht zu ändern versuchen. Meine Bedürfnisse kann ich ja trotzdem zeigen.
 

Gibt es eine Formel, wie man für sich der Leuchtturm wird?
Es gibt viele Formeln, Sinnsprüche, Gedichte, Gebete, Gemälde, Songs, Theaterstücke – die Steigbügel sein können. Klettern muss jeder selbst.

Wie spirituell ist Ihr Alltag?
Es gibt viele kleine Momente, die ich bewusst in meinen Alltag einstreue. Und im Hintergrund – wie ein heimliches Programm in meiner persönlichen Cloud – läuft immer mein Selbstentwicklungsprogramm.

Wer so bei sich angekommen ist wie Sie, hat der noch Pläne?
Oh, ich halte es so – frei nach Martin Walser: "Dem Wandernden wird sich der Weg unter die Füße schieben."

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