AZ-Interview mit Nationaltrainer Dagur Sigurdsson: "Wir werden auf jeden Fall eine Rolle spielen"

Hoch den Teller: Durch den Titelgewinn bei der EM steht Sigurdsson nun fast in einer Reihe mit Ex-Bundestrainer Brand. Foto: GES/Augenklick

Im AZ-Interview spricht Handball-Europameister Sigurdsson über die Vergleiche mit Vorvorgänger Brand und erklärt, ob Handball im Süden eine Chance hätte: „Ich würde helfen“, sagt der Trainer.

 

München - Dagur Sigurdsson ist für den deutschen Handball ein Glücksfall. Der Bundestrainer trägt den Löwenanteil am rasanten Aufschwung der Nationalmannschaft. Der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung: Der EM-Titel in Polen mit dem jüngsten Team des Turniers.

AZ: Herr Sigurdsson, es ist eigentlich sehr schade, dass Sie keinen Bart mehr haben.

DAGUR SIGURDSSON: Wieso?

Nachdem Heiner Brand mit der deutschen Mannschaft 2007 die WM gewonnen hat, liefen alle mit Aufklebe-Schnauzbart herum.

Achso, deshalb. Naja.

Ein bisschen müssen Sie sich den Vergleich schon gefallen lassen: Brand war der letzte Trainer, mit dem es einen ähnlichen Erfolg wie Ihren gab.

Ich kenne ihn nicht wirklich. Er war mein Gegner als Trainer, als ich in der isländischen Nationalmannschaft gespielt habe. Die Deutschen waren in der Zeit bärenstark, ich habe großen Respekt vor ihm, er hat Riesiges geleistet. Und wenn man auf die Titel schaut, die Deutschland geholt hat, dann sind das nicht so wahnsinnig viele. Deswegen bin ich schon unheimlich stolz, mich da einreihen zu dürfen.

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Wie finden es die Isländer, dass Sie mit einer anderen Nationalmannschaft so einen Titel gewonnen haben?

Die sind unheimlich stolz. Island ist eine handballverrückte Nation, am nächsten Tag war ich sofort auf den Titelseiten aller Zeitungen.

Sie haben mit der jüngsten Mannschaft des Turniers gesiegt. Ist das also die Mannschaft der Zukunft in Europa?

Nein, das glaube ich nicht. Wir werden auf jeden Fall eine Rolle spielen, wir haben uns riesigen Respekt erarbeitet. Die Mannschaft ist jung, die jetzt verletzten Spieler kommen wieder dazu, das macht uns noch dichter. Aber das Feld der Mannschaften ganz oben ist sehr dicht. Auch wenn man eine Supermannschaft hat, muss man eine Welle treffen, die die Euphorie und Lockerheit mitbringt, die wir bei der EM hatten. Dann hat man eine Chance.

Wenn die verletzten Spieler wiederkommen: Wie werden Sie sie wieder einbinden? Da sind ja Namen dabei wie Kapitän Uwe Gensheimer oder Patrick Groetzki.

Die Bundesliga geht bald wieder los und die Champions League, wir werden auch ein paar Freundschaftsspiele haben, wo ich die testen kann. Bis zum Sommer, wenn wir mit der Olympia-Vorbereitung anfangen, spielen alle sicher 30 Spiele. Dann schaue ich, wie die drauf sind, ob die fit sind, wer uns helfen kann.

Die EM gewonnen, für Olympia qualifiziert, für die WM 2017 auch – lehnen Sie sich jetzt mal zurück?

Ja, aber wir haben das nächste Länderspiel gegen Katar schon im März. Dafür muss ich schauen, wie die Leute drauf sind, die Liga verfolgen, Teams analysieren, gegen die wir noch spielen werden. Aber wenn ich nach Hause komme, ist alles ruhig. Ich habe ja eine Familie, die das nicht anders kennt.

In Polen war nicht ein Spieler aus München dabei, die paar bayerischen im Kader sind alle bei Klubs in anderen Bundesländern. Geht da noch was in Zukunft?

Ich würde das auf jeden Fall unterstützen, wenn ich das irgendwie kann. Man könnte auf jeden Fall eine Top-Mannschaft in München aufbauen, denke ich, es gibt ja ein sehr sportbegeistertes Publikum im Süden. Da helfen ich und der DHB gern. Aber das erste Signal muss aus München kommen.

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Wie sehen Sie die Zukunft von Torhüter Andreas Wolff? Von ihm und seinen Paraden sprechen jetzt alle – könnte er eine Art Dirk Nowitzki für den Handball werden?

Er hat eine Riesenleistung gebracht, hat eine sehr gute Liga-Saison hinter sich und wechselt jetzt nach Kiel. Da muss er seine Leistung bestätigen, auch bei uns. Er hat den Kopf an der richtigen Stelle, die Beine auf dem Boden; ich traue ihm zu, dass er eine schöne Zukunft hat. Ob der Handball ein Gesicht braucht, darum mache ich mir keinen Kopf. Ich versuche nur, die Besten zusammenzubringen, die am besten zusammenpassen. I

 

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