AZ-Interview mit DOSB-Präsident Hörmann: „Deutschland kann Olympia und die EM stemmen“

Am Sonntag stimmt Hamburg über die Bewerbung für Olympia 2024 ab. Foto: dpa

Der DOSB-Präsident Alfons Hörmann im AZ-Interview vor der Abstimmung in Hamburg.

 

AZ: Herr Hörmann, am Sonntag stimmen die Hamburger Bürger über eine mögliche Olympia-Bewerbung 2024 ab. Wie schätzen Sie die Stimmung in der Hansestadt ein?

ALFONS HÖRMANN: Die Grundstimmung ist nach wie vor positiv. Jüngste Umfragen zeigen, dass wir nach wie vor in Hamburg eine Mehrheit haben – auch wenn die aufgrund der aktuellen Ereignisse etwas rückläufig ist. Hocherfreulich ist aus meiner Sicht aber auch, dass 70 Prozent der Deutschen eine Olympia-Bewerbung befürworten, man also von einem nationalen Projekt sprechen kann. In Hamburg haben schon mehr als 33 Prozent der Wahlberechtigten per Briefwahl abgestimmt – das deutet auf eine hohe Wahlbeteiligung hin und zeigt, dass es gelungen ist, die Menschen mit dem Thema zu beschäftigen. Das unterscheidet Hamburg von der Situation Münchens vor zwei Jahren.

Das war damals sicher eine bittere Erfahrung für Sie.

Das Bittere war, dass wir nicht an den Gegnern gescheitert sind, sondern an den Nicht-Wählern. Die Wahlbeteiligung lag unter 40 Prozent: Damit kann man ein solches Projekt nicht umsetzen. Die Enttäuschung war und bleibt groß, weil eine so wintersportaffine Stadt wie München und eine Region wie die oberbayerische, die aus unserem Verständnis heraus stark hätte profitieren können, die einmalige Chance nicht genützt hat.

Sie haben die jüngsten Terroranschläge angesprochen. Gehen Sie entspannt ins Stadion?

Das werde ich weiterhin tun, und das müssen wir alle gemeinsam tun. Wenn wir vor den Verbrechern kapitulieren, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht. Gerade im Sport können wir Brücken bauen, Grenzen im Denken und Handeln überwinden. Der Sport als völkerverbindendes Element muss in dieser schwierigen Phase ein Stück weit Hoffnung bieten.

Beim DFB geht es derzeit auch drunter und drüber. Wie bewerten Sie die jüngsten Entwicklungen?

Die ersten Schritte der Aufklärung sind erfolgt, und es wird in den kommenden Monaten weitere Erkenntnisse geben. Wenn die Dinge am Ende ganzheitlich vorliegen, kann man beurteilen: Wann hat wer wo wie was gegebenenfalls falsch gemacht und welche Konsequenzen zieht das nach sich?

Was die Olympia-Bewerbung für 2024 tangieren könnte. Sollte der DFB die EM 2024 nicht bekommen, würde Olympia in Hamburg wahrscheinlicher werden, oder?

Das würden wir in keiner Weise so sehen, weil wir von Anfang an die Frage „Können wir EM und Olympische Spiele in einem Jahr umsetzen?“ offensiv und konstruktiv miteinander diskutiert haben. Daran wird sich nichts ändern. Unser Ziel muss es sein, beide Veranstaltungen nach Deutschland zu holen, weil wir davon überzeugt sind, dass Deutschland beides kann.

 

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