AZ-Interview mit der Lautern-Legende Stefan Kuntz: "Kosta ist solche Situationen gewohnt"

„Er ist ein wunderbarer Mensch“, sagt Kuntz über Runjaic. Foto: sampics/Augenklick

Lautern-Legende Kuntz spricht über Runjaics Duell mit dem Ex-Klub und die Situation des Trainers bei 1860: "Er zieht sein Ding durch".

 

München -  Der Europameister von 1996 und heutige Trainer der deutschen U21 war von 2008 bis Anfang 2016 Vorstandsvorsitzender beim 1. FC Kaiserslautern. Die AZ hat ihn vor dem Liga-Spiel der Löwen am Montagabend gesprochen.

AZ: Herr Kuntz, ist Ihr ehemaliger Lauterer Weggefährte Kosta Runjaic beim TSV 1860 der richtige Trainer am falschen Ort?
STEFAN KUNTZ: Ich weiß nur, dass der Kosta bei Kaiserslautern einen sehr guten Job gemacht hat. Das traue ich ihm auch bei Sechzig zu.

Woran ist er aber in Kaiserslautern gescheitert?
Letzten Endes war der große Erfolg von Kosta mit ein Grund. Wir sind überraschend gut durch die Saison gekommen und standen total überraschend so weit oben (zwei vierte Plätze, d. Red.). Danach war die Enttäuschung sehr groß. Alle zusammen, ich, Kosta und der Verein, haben diese Enttäuschung nicht mehr in eine Begeisterung für die kommende Saison umwandeln können. Es gab zwischen uns immer das offene Gespräch. Irgendwann haben wir gemerkt, dass es besser ist für den FCK, wenn man sich trennt.

Was ist er für ein Typ in einer Drucksituation, wie er sie jetzt bei 1860 hat?
Er ist es gewohnt, mit Druck umzugehen. Er hat bei uns in Kaiserslautern eben schon für einen Traditionsverein gearbeitet. Da ist immer ein besonderer Erfolgsdruck da. Darum geht es nicht. Er macht sich immer auch um den Fußball drum herum viele Gedanken: Wie ist das Umfeld der Mannschaft, wo kann man vielleicht noch das eine oder andere Prozent herausholen? Er wird nach seiner Station in Kaiserslautern sicher reflektiert haben, was er gut und was er weniger gut gemacht hat.

Sie sprechen es an: der 1. FCK und der TSV 1860 sind beides Traditionsvereine. Wenn es nicht läuft: Gibt Kosta Runjaic Zweifel zu – oder frisst er Bedenken in sich hinein?
Zumindest stellt er sich immer vor die Mannschaft. Man kann beide Situationen nicht wirklich vergleichen. Damals sind wir unter ihm auf einer Erfolgswelle geritten und hatten zum Schluss sogar die Möglichkeit auf den Relegationsplatz und den Aufstieg.

Hier in München wirkt es, als sei er vom speziellen Druck bei den Löwen überrascht.
Nochmal: Man kann zumindest den Druck bei Sechzig und dem FCK schon miteinander vergleichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er davon überrascht ist.

Bemerkenswert ist indes, wie er damit umgeht.
Es ist ein wesentlicher Charakterzug von ihm als Trainer, dass er sein Ding durchzieht. Dass er eine gewisse Distanz zu den Medien aufbaut, ist ja nicht unverständlich. Wir hatten menschlich ein ganz tolles Verhältnis. Kosta ist ein wunderbarer Mensch.

Der sich unüberlegt für den kriselnden TSV 1860 entschieden hat? Am Anfang noch war er ein Mutmacher.
Er hatte vor dem Engagement seine Pausen. Ich glaube schon, dass er diesen Job tausendprozentig mit voller Energie angegangen ist. Ein Trainer braucht eben seine Zeit, bis sich eine Mannschaft findet…

...und ein entsprechendes Umfeld. 1860 ist mittlerweile ein Investoren-Klub – und damit das krasse Gegenteil zum FCK?
Nun ja, in Kaiserslautern wurde auf der letzten Hauptversammlung mitgeteilt, dass der Verein auf der Suche nach einem Investor sei. Das kann die Vereinsführung besser beurteilen. Generell sind es zwei Paar Schuhe, Geld zu haben und dieses sinnvoll einzusetzen. Bei RB Leipzig wird zum Beispiel derzeit nachhaltig erfolgreich gearbeitet. Es ist aber kein Erfolgsgarant, dass man mit einem Mehr an finanziellen Mitteln auch die richtigen sportlichen Entscheidungen trifft.

Die richtigen sportlichen Entscheidungen muss nun Runjaic treffen. Warum kann er bei den Löwen die Wende einleiten?
Ich weiß, dass er solche Situationen gewohnt ist. Man muss sich nur diverse Statistiken heranholen. Dann sieht man, dass es bei Trainerwechseln danach nicht immer besser gelaufen ist als davor. Das müssen sich aber die Leute vor Ort bei Sechzig fragen.

 

13 Kommentare