AZ-Interview mit Christian Springer "Die großen Zeiten der Bundespräsidenten sind vorbei"

Hier wird es kommenden Sonntag ganz schön eng: 1.260 Delegierte werden im Berliner Reichstag Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten wählen. Einer davon ist Kabarettist Christian Springer. Foto: Hannibal Hanschke/dpa, Bernd Wackerbauer

Christian Springer über die anstehende Wahl und die Frage, warum das Amt früher mehr für kabarettistischen Spott getaugt hat.

München - Der Kabarettist Christian Springer darf kommenden Sonntag den Bundespräsidenten mitwählen. Die Grünen nehmen in mit nach Berlin. Die AZ hat vorab mit dem 52-Jährigen gesprochen.

AZ: Herr Springer, Sie dürfen kommendes Wochenende nach Berlin. Sind Sie schon aufgeregt?
Christian Springer: Nein, das nicht. Aber ich freue mich sehr. Man hat ja nicht aller Tage die Gelegenheit, einen Bundespräsidenten zu wählen.

Sie bekommen das bestimmt hin, Sie sind ja ein routinierter Wähler.
Ja, das stimmt. Ich kämpfe sehr dafür, dass die Leute ihr Wahlrecht auch ausüben. Wenn mich keine Krankheit niedergestreckt hat oder irgendein Termin im Weg war, bin ich bislang noch immer zu allen Wahlen gegangen. Wenn man das nicht tut, leistet man für meine Begriffe Beihilfe dafür, dass die Demokratie unterminiert wird.

Sind Sie dann auch parteipolitisch aktiv?
Nein! Manche glauben zwar, ich sei's, aber die verwechseln mich vermutlich mit Helmut Schleich. Ich glaube, der war zumindest mal in der SPD. Das war ja das Schöne: der Strauß bei den Sozis. Ich selbst bin schon seit Jahrzehnten bei keiner Parteiveranstaltung mehr aufgetreten. Das wird man bei mir auch nicht mehr erleben, dass man meinen Namen auf irgendeinem Parteiplakat liest.

Als die Grünen Sie gefragt haben, ob Sie zur Wahl fahren wollen, haben Sie aber gleich zugesagt.
Nun ja, die Chance musste ich einfach ergreifen. Nicht, dass die sich das nochmal anders überlegen.

Wir müssen Sie wahrscheinlich nicht fragen, wen Sie wählen werden?
Naja, theoretisch bin ich in meiner Wahl schon frei. Ich könnte auch Micky Maus draufschreiben – oder Donald Trump.

Donald Trump? Das würden Sie doch nicht tun.
Natürlich nicht. Aber wenn der Bundespräsident werden würde, da wäre einiges los in Deutschland. Da würde dann vielleicht sogar die Opposition mal aufwachen.

Wir unterstellen jetzt einfach, Sie machen bei Frank-Walter Steinmeier Ihr Kreuzchen.
Ja, der war ein beliebter Außenminister. Schade ist halt, dass er in seinem neuen Amt hinter den vielen Reden nicht mehr großartig Politik wird machen können.

Er wird immerhin Staatsoberhaupt sein.
Stimmt. Aber die großen Zeiten der Bundespräsidenten sind eh vorbei.

Wie kommen Sie da drauf?
Naja, denken Sie zum Beispiel mal an Heinrich Lübke und seinen berühmt-verqueren Satz zur Queen: "Equal goes it loose." Eigentlich wollte er "gleich geht's los" sagen, aber Englisch war halt nicht so seine Stärke. Oder das präsidiale Tattoo am Hintern der Gattin von Christian Wulff. Oder die schreckliche Singerei von Walter Scheel: "Hoch auf dem gelben Wagen". Das waren noch Vorlagen fürs Kabarett!

Das wird dem Steinmeier nicht passieren.
Sein Tattoo kenne ich nicht. Aber sein Englisch ist okay. Vielleicht wird er ja Kinderstar und seine Reden werden Einschlaf-Hits. Er redet halt manchmal sehr langatmig. Steinmeier statt Benjamin Blümchen. Das ist doch staatsmännisch, oder?

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AZ-Hintergrund

Diese Münchner dürfen den Bundespräsidenten mitwählen

Bei der Wahl des Bundespräsidenten kommenden Sonntag sind neben den lokalen Bundestagsabgeordneten auch 18 Münchner dabei, die vom Bayerischen Landtag entsendet werden.

Die CSU hat sich bei der Auswahl ihrer Delegierter ganz auf Mandatsträger konzentriert. Es ist aber nicht unüblich, auch Prominente für die Wahl zu nominieren. Die Grünen zum Beispiel schicken den Kabarettisten Christian Springer nach Berlin. Auf der Liste der SPD stehen neben Oberbürgermeister Dieter Reiter auch die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele und der Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller.

So läuft die Wahl des Bundespräsidenten

Wer darf seine Stimme abgeben und warum? Das Wichtigste in absoluter Kürze.

Der Bundespräsident wird von der sogenannten Bundesversammlung gewählt. Diese setzt sich zusammen aus allen Bundestagsabgeordneten und einer gleichen Zahl an Vertretern, die von den Landtagen bestimmt werden (siehe oben).
Damit werden kommenden Sonntag im Berliner Reichstag 1.260 Delegierte ihre Stimme abgeben dürfen.

Sollte in den ersten beiden Wahlgängen kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, so reicht im dritten Durchgang auch die relative Mehrheit. Bei Frank-Walter Steinmeier ist allerdings davon auszugehen, dass er es schon im ersten Anlauf packt.

 

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