AZ-Interview mit Bayerns AfD-Chef "Der Islam hat an unseren Schulen nichts zu suchen"

An bayerischen Schulen soll der Islamunterricht ausgeweitet werden. Der bayerische AfD-Chef Petr Bystron hat da etwas dagegen. Foto: dpa/AZ

Bayerns AfD-Chef Petr Bystron hat für Aufsehen gesorgt, als er den großen Kirchen vorwarf, aus Profitgier die Flüchtlingszuwanderung zu fördern. Im Gespräch mit der AZ bleibt Bystron dabei.

 

München - Mit der AZ sprach Bayerns AfD-Chef Petr Bystron über den Islamunterricht an bayerischen Schulen, die aktuelle Stimmung in der Gesellschaft und das Aufnahmeverfahren seiner Partei.

AZ: Herr Bystron, Sie sind zusammen mit ihren Eltern als Flüchtlinge aus der kommunistischen Tschechoslowakei in dieses Land gekommen. Sind Sie froh, dass Sie Aufnahme gefunden haben?
Petr Bystron: Ja, klar.

In einem Interview haben Sie gesagt: "Das gesellschaftliche Klima hier und jetzt gleicht der Stimmung im Ostblock am Vorabend des Zusammenbruchs des Kommunismus." Wollen Sie ernsthaft unsere freiheitlich-demokratische Ordnung mit einer totalitären Ein-Parteien-Herrschaft vergleichen?
Ja, das ist den Menschen hier im Westen schwer vermittelbar. Aber alle Menschen, die früher im Ostblock gelebt haben, sehen es genauso. Das gesellschaftliche Klima ähnelt dem im Kommunismus kurz vor seinem Zusammenbruch.

Erstens: Wir haben hier wie da eine offizielle Wahrheit, die verbreitet wird, und die Menschen merken, dass sie mit ihrer Realität nicht übereinstimmt. Zweitens: Wir leben in einem System, von dem wir alle wissen, dass es zusammenbrechen wird. Wir wissen nur nicht, wann. Bricht die EU in einer Woche, in einem Monat oder in fünf Jahren zusammen? Drittens: Sie können hier in Deutschland nicht ohne negative Konsequenzen alles sagen, was Sie denken. Das war am Ende des Kommunismus genauso.

Sie haben den Kirchen vorgeworfen, aus kommerziellen Gründen großes Interesse an weiterer Flüchtlingszuwanderung zu haben, um eine "gigantische Wohlfahrtsindustrie" zu finanzieren. Wollen Sie sich nicht bei den vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern entschuldigen, die Sie damit beleidigt haben?
Ja, dieses Missverständnis tut mir leid. Ich schätze alle Menschen, die sich ehrenamtlich bei den Kirchen engagieren, auch in der Flüchtlingshilfe. Wir haben auch sehr viele Mitglieder in der AfD, die das tun – selbst im Landesvorstand. Meine Kritik galt den Amtskirchen, nicht den ehrenamtlichen Helfern. Ich habe die Kirchen dafür kritisiert, dass sie mit der Nächstenliebe winken und gleichzeitig mit der aufgehaltenen Hand herumgehen.

Sie haben der CSU vorgeworfen, "einzuknicken", weil sie den Islamunterricht an bayerischen Schulen ausweitet. Was haben Sie gegen Religionsunterricht?
Gar nichts.

Aber?
Brauchen wir Islamunterricht an bayerischen Schulen?

Natürlich, wenn es Schüler muslimischen Glaubens gibt.
Dann können sie in Ethikunterricht gehen …

… und werden dann in irgendwelchen Hinterhofmoscheen radikalisiert.
Oder sie können in den katholischen oder evangelischen Unterricht gehen. Unsere Vorfahren haben jahrhundertelang Kämpfe gegen den Islam ausgefochten. Wenn Sie meinen, dass sie deswegen ihr Leben gelassen haben, damit unsere Kinder jetzt in der Schule Islam lernen – bitte. Ich bin nicht der Meinung.

Es redet ja niemand von Ihren und von meinen Kindern, die in der Schule Islam lernen.
Ich bleibe dabei: Der Islam hat an bayerischen Schulen nichts zu suchen. Es gibt mir zu denken, dass die CSU das anders sieht. Das C in ihrem Namen stand früher für "christlich".

Ihre niederbayerischen Parteifreunde haben gefordert, den "Bau und Betrieb von Moscheen" zu verbieten. Wie stehen Sie dazu?
Ich begrüße, dass unsere Mitglieder sich engagieren. Darin ist die AfD einzigartig – bei uns darf jedes Mitglied Änderungsanträge zum Programm erstellen. Wir hatten über 100 solche Änderungsanträge zum Programm gehabt. Das von Ihnen Erwähnte war einer. Er wurde beim Parteitag nicht angenommen, weil die Partei mehrheitlich viel gemäßigter ist, als dieser Antrag formuliert war.

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Der bayerische Verfassungsschutz beobachtet einzelne Vertreter der AfD, die bereits vorher als Rechtsextremisten oder Islamfeinde aufgefallen sind. Wissen Sie, um wen es sich handelt?
Ach, das Thema wird künstlich hochgespielt. Da wird der Verfassungsschutz politisch instrumentalisiert. Wir haben der Behörde mehrfach unsere Zusammenarbeit angeboten. Es kam nie eine Antwort.

Warum nehmen Sie solche Leute in Ihre Partei auf?
In einer Gruppe von 3.000 Menschen finden Sie immer eine Handvoll, die Sie beobachten können. Selbst bei der AfD – obwohl wir das schärfste Aufnahmeprüfungsverfahren aller Parteien haben. Als ehemaliges NPD-Mitglied können Sie zum Beispiel locker in die CSU eintreten, aber nicht in die AfD. Es handelt sich bei uns wirklich nur um eine Handvoll Leute. Selbst der Chef des bayerischen Verfassungsschutzes hat gesagt, es sind weniger als zehn Personen – bei mehr als 3.200 Mitgliedern. Auch daran sieht man, dass dieses Thema künstlich aufgebauscht wird.