AZ-Interview Jan Jagla: "Die Meisterschaft ist so offen, wie lange nicht"

"Die Bayern sind ein ernstzunehmender Titelkandidat", sagt Jagla über Taylor (Foto) und Co. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Jan Jagla spricht hier über das Playoffduell seiner beiden Ex-Klubs, den Titelkampf und eine mögliche Rückkehr von Schwiegervater Pesic.

München - Jan Jagla ist ein ehemaliger deutscher Basketball-Nationalspieler, der zuletzt beim FC Bayern München unter Vertrag stand. Der 35-Jährige spielte allerdings auch für den Playoffgegner Berlin.

AZ: Herr Jagla, als gebürtiger Berliner leben Sie in München, spielten für die Bayern und Alba. Eine sehr emotionale Viertelfinalserie für Sie, oder?
JAN JAGLA:
Es hat immer sehr viel Spaß gemacht, die Serie zu spielen oder anzuschauen. Gerade 2015 über fünf Spiele im Halbfinale, das war schon unglaublich guter und intensiver Basketball. Beide Teams haben sich alles abverlangt. Es war immer eine besondere Serie, die es hoffentlich auch bleiben wird.

Spiel eins war mit dem 95:68 der Bayern eine klare Sache.
Bayern hat komplett dominiert. Kurzfristig wird das für Alba nicht zu schaffen sein, gegen sehr starke Bayern wieder konkurrenzfähig zu sein.

Auch nicht am Donnerstag (20.30 Uhr) beim Heimspiel?
Ich habe nicht viel von Alba gesehen, was für einen Leistungsschub spricht – auch nicht zu Hause. Ich habe mir vorher eine gute Serie gewünscht. Jetzt erwarte ich aber ein 3:0.

Wie sehr haben Sie die Auftakt-Heimniederlagen von Ulm und Bamberg überrascht?
Dass beide gleich das erste Spiel verlieren, hätte ich nicht unbedingt gedacht. Ich habe aber damit gerechnet, dass die Serien sehr umkämpft sein werden. Ulm hat schon in der Saison mehrmals gegen Ludwigsburg verloren. Ich glaube, dass die Serie erst in fünf Spielen entschieden werden könnte. Und in der Bamberg-Serie ist Bonn ein Team, das offensiv unglaublich viel Feuerkraft hat. Wenn sie einen guten Tag erwischen, können sie auch Bamberg, Ulm oder Bayern schlagen.

War es für die Bayern wichtig zu sehen, dass Bamberg und Ulm zu Hause schlagbar sind?
Bayern hat ja auch in der Rückrunde der regulären Saison schon in Ulm gewonnen und zu Hause gegen Bamberg. Sie haben sich gesteigert und in eine unglaubliche Verfassung gespielt. Sie müssen da keine Angst haben und können Ulm und Bamberg auch auswärts schlagen. Die Bayern sind schon ein ernstzunehmender Titelkandidat.

Hat sich die Favoritenlage nun verändert?
Nein. Ulm, Bamberg und Bayern sind wirklich gut und es wird auf die Tagesform ankommen. Wenn Ulm sich durch die Ludwigsburgserie boxen sollten, werden sie auch wieder mehr Rhythmus und Selbstvertrauen bekommen. Auch Bamberg muss sich wieder ein bisschen finden, ist aber eine Mannschaft, die für die Playoffs brennt und lebt. Einen klaren Favoriten kann man noch nicht ausmachen. Die Meisterschaft ist so offen, wie lange nicht.

„Es war nur ein Spiel“, sagte Ihr Schwiegervater Svetislav Pesic nach dem Sieg des FCBB.
Da hat er recht, es passiert noch nichts Entscheidendes, man muss ruhig bleiben.

Bei Ihnen zu Hause ist Basketball sicher ein großes Thema, wenn der Schwiegervater Svetislav und Schwager Marko Pesic zu Gast sind, oder?
Absolut. Da hat sich nichts geändert. Basketball ist weiterhin ein riesiger Teil unseres Lebens. Wir schauen viel an und natürlich wird da auch mit der ganzen Familie viel darüber geredet und diskutiert, auch mit meiner Frau.

Und wie ist Coach Pesic so als Schwiegervater und Opa?
Natürlich ganz anders. Er ist wie jeder andere Schwiegervater oder Opa wahrscheinlich auch, kümmert sich um unsere Tochter sehr liebevoll und versucht, viel Zeit mit ihr zu verbringen. Wir haben eben ein ganz normales Familienleben.

Aus gesundheitlichen Gründen musste er das Traineramt bei Bayern aufgegeben, verfolgt die Spiele jetzt leidenschaftlich auf der Tribüne. Ist er wieder fit, das Feuer wieder da und sehen wir ihn vielleicht sogar bald wieder als Coach?
Ich glaube, das Feuer war nie weg. Das mit den Operationen war natürlich ärgerlich für ihn. Er lebt den Sport. Ich kann mir schon vorstellen, dass wenn sich die richtige Situation bieten sollte, er sich noch mal an die Seitenlinie stellen würde.

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