AZ-Interview Hochwasser auf Mallorca: Er rettete einer 7-Jährigen das Leben

Den Ort Sant Llorenc hat es besonders erwischt. Anwohner räumen ihre Häuser nach den Unwettern auf. Foto: Clara Margais/dpa/oh

Die Unwetter auf der Insel haben Familien zerstört. Daniel Thielk hat eine Siebenjährige aus den Fluten gezogen. Dafür wird der Deutsche bald ausgezeichnet.

 

München - Anfang Oktober haben schwere Unwetter auf der Ferieninsel Mallorca gewütet. Insgesamt kamen dabei 13 Menschen ums Leben. Besonders schwer traf es den Ort Sant Llorenç. Durch eine verheerende Sturzflut starb eine Mutter, die mit ihren Kindern im Auto von den Wassermassen überrascht worden war. Ihr kleiner Sohn wurde später tot aufgefunden.

Der Deutsche Daniel Thielk (36) aus Brandenburg konnte die siebenjährige Tochter der Frau aus den Fluten ziehen. Dafür wird er am 10. Dezember mit einer Verdienstmedaille ausgezeichnet. Die AZ hat mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Thielk, ohne Sie wäre ein kleines Mädchen (7) auf Mallorca nicht mehr am Leben. Wie fühlt es sich an, ein Lebensretter zu sein?
Daniel Thielk: Es fühlt sich noch immer komplett wie ein falscher Film an, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.

Wie sehr beschäftigt Sie das Unwetter-Chaos auf der Insel von Oktober und Ihre heldenhafte Rettungsaktion noch?
Es beschäftigt mich noch sehr, – so etwas habe ich noch nie erlebt.

Dramatische Szenen während des Hochwassers auf Mallorca

Wo waren Sie gerade, als der Regen auf Mallorca nicht mehr aufhören wollte?
Ich war von Arenal nach Cala Rajada mit dem Fahrrad unterwegs. Ich bin morgens losgefahren, denn ich wusste nichts von dem Umwetter, das auf uns zukam. 25 Kilometer vor Cala Rajada brachte ich mich erstmal unter einer Brücke in Sicherheit, weil es dort auf einmal richtig zu regnen angefangen hatte. So dolle, dass ich zunächst nicht weiterfahren konnte.

Und dann?
Ich habe ausgeharrt und wollte wieder los, als der Regen kurz aufhörte. Ich kam bis zu einer weiteren Brücke, dort warteten auch schon Männer mit Motorrädern. Der Regen wurde immer schlimmer, die Männer fuhren dann doch weiter, weil sie schon völlig durchnässt waren. Ich wartete alleine unter der Brücke und beschloss, in einem Schuppen Schutz zu suchen. Dort hörte ich dann plötzlich ein Knallen. Als ich rausschaute, sah ich, dass sich ein Fluss gebildet hatte. Während ich wartete und die Situation im Auge behielt, hörte ich auf einmal, dass ein kleines Mädchen schrie.

Gerettetes Mädchen schlief in seinen Armen ein

Wie haben Sie reagiert?
Ich bin sofort im Laufschritt zu ihr und habe sie gerade noch am Arm packen können, weil sie mit dem Wasser mittrieb. Als sie weinend in meinen Armen lag, bin ich mit ihr in den Schuppen zurück und wartete dort einige Zeit. Die Kleine ist in meinen Armen eingeschlafen. Sie hatte nur ein T-Shirt, einen Schuh und eine Socke an, deswegen gab ich ihr meinen Pullover. Der war zwar auch nass, aber er hatte immerhin noch meine Körperwärme. Ihr Haar war voller Äste, die ich ihr erst einmal herausgemacht habe. Drei Stunden bin ich später durch den Schlamm auf der Straße gelaufen, bis ich einen Krankenwagen erreicht habe. Dort wurden wir dann versorgt.

Haben Sie nicht einmal kurz gezögert?
Oder war für Sie sofort klar: Ich werde helfen. Ich bin sofort zu ihr, sonst hätte ich sie, glaube ich, nicht mehr erreicht. Ich habe nicht überlegt, sondern habe einfach gehandelt.

Hatten Sie auch Angst um Ihr eigenes Leben?
Nein, darüber habe ich nicht nachgedacht – davon abgesehen bin ich auch ein guter Schwimmer.

Ehrung für den Mallorca-Retter 

Wissen Sie, wie es dem Mädchen mittlerweile geht?
Ein paar Tage nach der Katastrophe habe ich den Vater und die Familie getroffen, sie haben mich auf ein Bier eingeladen. Die kleine Maus war auch mit am Tisch, aber sie hat mich nicht erkannt. Ich denke, das ist ein Schutzmechanismus des Kopfes, alles zu vergessen, was passiert ist.

Am 10. Dezember werden Sie auf Mallorca für Ihre Courage mit einer Verdienstmedaille ausgezeichnet. Mit welchem Gefühl kehren Sie auf die Insel zurück?
Ich bin immer noch auf Mallorca, weil ich mich hier niederlassen möchte. Es fühlt sich hier immer noch gut an für mich.

Was möchten Sie anderen gern mit auf den Weg geben? Wie wichtig ist Zivilcourage aus Ihrer Sicht?
Es ist mir sehr wichtig, andere dazu zu ermutigen, in so einer Situation zu helfen, wie es in ihrer Macht steht. Jeder kann einmal in eine lebensbedrohliche Situation kommen und ist dann auch auf die Hilfe anderer angewiesen.

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