AZ-Interview Hannes Ringlstetter: Karriere mit Zufall

Geboren in München, aufgewachsen in Niederbayern: Hannes Ringlstetter. Foto: www.pertramer.at

Hannes Ringlstetter feiert am Samstag im Circus Krone 25 Bühnenjahre. Wie der Künstler auf seine Karriere schaut.

 

Es kamen zweihundert Leute, ich musste jahrelang warten, bis sich meinetwegen wieder einmal so viele Leute aufmachten“, sagt Hannes Ringlstetter über seinen ersten Auftritt. In einem Tanzlokal war das, in Straubing, wo er seine Jugend verbracht hat. 25 Jahre ist das her. Heute kennt man Ringlstetter, als Musiker von Festivals wie dem Heimatsound, als Kabarettist und Moderator in der Sendung Vereinsheim, als Schauspieler, als Autor.

Bis es soweit war, ist er viele Landstraßen abgefahren und hat seine Sohlen auf Provinzbühnen gedrückt, hat in leeren Hallen auf irren Firmenevents gesungen und ist nach einer Blaskapelle auf einem französischen Studentenfasching aufgetreten. Darüber schreibt Hannes Ringlstetter in seinem neuen Buch „Paris. New York. Alteiselfing“. Und zu seinem Jubiläum feiert er im Circus Krone.

AZ: Herr Ringlstetter, vorneweg eine Stilfrage: Cowboy oder Indianer?

HANNES RINGLSTETTER: Auf jeden Fall Cowboy. Stiefel, Ledergürtel und Hut sind lässiger als Gestrüpp am Kopf und aufwendig gebundene Ponchos. Außerdem gehört zum Cowboy auch ein gewisses Heldentum, ein Auf-sich-selbst-gestellt-sein, das beim Gitarre spielen und Singen ein gutes Grundgefühl ist. Und gut zum schweren Weg des Künstlers passt.

Der im Moment ein Höhenweg ist: Fernsehsendung, Bühnenjubiläum, Buch – läuft doch beim Ringlstetter, oder?

Natürlich läuft es grad bei mir, aber da bleibt man skeptisch. Das kann sich sofort wieder ändern. Deshalb auch dieses Buch. Weil ich erzählen will, dass es ganz lang ganz anders war. Beim Schreiben ist man da auch gleich wieder drin, auch in den Niederlagen und Verletzungen. In Zeiten, als es schwierig war und nichts weiterging. Manchmal wundert es mich selber, dass ich das durchgehalten hab.

Im Buch verdeckt der Witz, dass es auch oft wehgetan hat.

Es ging mir auch nicht darum, das zu zeigen. Sondern um Absurditäten, die einem so passieren, zum Beispiel auf Firmenfeiern oder als Künstler, dessen Single nur als Cover im Radio läuft. Und das geht mit witzigen kleinen Geschichten besser als mit der Seelen-Striptease-Variante.

In Straubing haben Sie den Vater von Till Hofmann kennengelernt.

Das haben wir aber erst Jahrzehnte später rausgefunden. Ich kannte den Sepp als Chef vom Jugendzentrum in Straubing. Und Till ist da auch rumgelaufen, aber wir kannten uns noch nicht. Ich hab das erst gecheckt, als ich viele Jahre später im Café Ringlnatz war und dann saß da der Sepp und sagt mir, dass er der Vater vom Till ist. Echt schräg eigentlich, aber eine schöne Geschichte zu einer guten Freundschaft.

Wie wenig Rock’n’Roll ist es eigentlich, dass Ihre Münchner Karriere mit einer Podiumsdiskussion begann?

Ja, blöd. Aber ich hab mich in der Zeit ja schon verabschiedet von der großen Rock’n’Roll-Idee und konnte es verschmerzen. Auch wenn es schräg ist, aber diese zweite Karriere war ja nie geplant, sondern ist aus der Not geboren, weil ich nicht wusste, wie es weitergeht. Ich habe angefangen, allein Lieder mit Gitarre zu schreiben und bin damit erst mal wieder relativ erfolglos rumgefahren.

Sie haben bei dieser Diskussion Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller kennengelernt, der Sie mit Till Hofmann bekannt machte, der Sie wiederum in sein Vereinsheim in die Occamstraße holte. Schicksal oder Dusel?

Das Leben bringt schon die richtigen Leute zusammen. Und gerade ohne die zwei kann ich es mir heute nicht mehr vorstellen.

Wie wäre alles gelaufen, wenn der Wille des bayerischen Kultusministeriums den Lehrersohn Hannes Ringlstetter nicht bald nach der Geburt von München nach Niederbayern gebracht hätte?

Da habe ich schon öfter drüber nachgedacht und ich kann es mir nicht vorstellen. Und ich bin froh über diese Prägung, weil sie mir später fürs Kabarett sehr geholfen hat. Dort laufen Figuren rum, die fürs Kabarett super sind. Und ich glaube nicht, dass es mir in München auch so gegangen wär.

Am Samstag feiern Sie in München, im Circus Krone, Ihr Bühnenjubiläum. Eine Gala?

Eher eine Revue mit Leuten, die mich begleitet haben.

Die Geschichte von Freundschaften.

Genau. Kein Selbstgefeiere mit den besten Witzen über den Ringlstetter, sondern zusammen musizieren und dazwischen erzählen, wie es zu diesen Freundschaften kam.

Samstag, 20 Uhr, Hannes Ringlstetter und Freunde (mit Peter Brugger, Sebastian Horn, Stoppok, D’Raith-Schwestern, Stephan Zinner, Till Hofmann, Schinderhannes, Dornrosen, Simon und Jan, Max v. Milland) im Circus Krone, Abendkasse 33 Euro, Buch „Paris. New York. Alteiselfing“ (dtv, 14,90 Euro)

 

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