AZ-Interview Feindliche Flugobjekte: Adler auf Drohnenjagd

Ein von "Guard from Above" trainierter Adler stürzt sich bei einer Übung auf eine vermeintlich "feindliche" Drohne. Foto: Koen van Weel/epa

Wie lassen sich feindliche Flugobjekte abwehren? Der Niederländer Sjoerd Hoogendoorn hat einen ungewöhnlichen Vorschlag: mit Adlern. In der AZ spricht er über das Training und die Risiken.

Sjoerd Hoogendoorn, der 34-jährige Gründer und CEO der niederländischen Firma "Guard from Above", setzt bei der Drohnen-Abwehr auf Raubvögel. Die AZ hat mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Hoogendoorn, Sie haben eine ganz spezielle Technik zur Abwehr von Drohnen entwickelt: Sie setzen Raubvögel ein. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
SJOERD HOOGENDOORN: Ich habe jahrelang zu Drohnen geforscht. Dabei habe ich mich auch mit Möglichkeiten beschäftigt, die man dieser neuen und wachsenden Bedrohung entgegensetzen kann. Erst habe ich über entsprechende Techniken nachgedacht, doch dann bin ich eines Tages auf die Idee mit den Raubvögeln gekommen: Es ist eine Low-Tech-Lösung für ein High-Tech-Problem! Deswegen glauben wir auch, dass das in vielen Fällen die beste Lösung ist.

Wie bringt man einen Adler dazu, eine Drohne anzugreifen?
Unser Team hat über 25 Jahre Erfahrung beim Trainieren von Raubvögeln. Das Prinzip dahinter: Wir bringen den Vögeln bei, die Drohnen als Beute zu sehen. Wenn sie die Drohne erfolgreich abfangen, werden sie mit Futter belohnt.

Wie lange dauert die Ausbildung der Tiere?
So wie es auch bei Menschen ist, so lernt nicht jedes Tier gleich schnell. In den meisten Fällen dauert es ein Jahr – bei täglichem Training.

Wie weiß der Vogel, welche Drohne er angreifen soll und welche nicht?
Das ist in der Tat eine Schwierigkeit. In den meisten Fällen ist es so, dass es eine Flugverbotszone für Drohnen gibt in der Nähe des jeweiligen Bereichs, der geschützt werden soll. Wenn wir das Signal bekommen, dass es eine feindliche Drohne gibt, lassen wird den Vogel frei, damit er eben genau diese schnappen kann.

Was macht der Raubvogel mit der Drohne, wenn er sie vom Himmel geholt hat?
Erst einmal wird das Tier mit der Drohne zu einem ruhigen Platz fliegen, um herauszufinden, was er gefangen hat. Einer unserer Tiertrainer nähert sich dann und ruft das Tier zurück.

Ist die Drohne danach kaputt?
Die Drohne kann beschädigt sein. Denn der Vogel versucht, die "Beute" zu überwältigen.

Welche Vögel eignen sich für diese Art von Einsatz?
Es hat sich herausgestellt, dass Adler am besten dafür geeignet sind.

Ist das Ganze für die Tiere gefährlich?
Das Wohlergehen der Tiere ist uns sehr wichtig. In der Natur überwältigen Greifvögel häufig große und gefährliche Beute. Die Krallen haben Schuppen, die sie vor den Bissen ihrer Beute schützen.

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Und das schützt sie auch bei der Drohnen-Abwehr?
Die niederländische Polizei hat extra Wissenschaftler beauftragt, herauszufinden, ob es den Krallen der Vögel schadet.

Was ist herausgekommen?
Bei den handelsüblichen Drohnen, die die größte Bedrohung darstellen, gibt es kein Verletzungsrisiko. Seit wir mit den Vögeln trainieren, ist noch keiner von ihnen verletzt worden. Für den Einsatz bei großen Drohnen arbeiten wir an einem zusätzlichen Krallen-Schutz.

Wer setzt die Raubvögel schon zur Drohnen-Abwehr ein?
Wir dürfen nur sagen, dass die niederländische Polizei unsere Adler einsetzt. Andere Klienten erlauben uns nicht, ihre Namen oder Länder zu nennen. Tut mir leid.

Wäre es auch für Deutschland eine mögliche Lösung?
Jeder Ort, der vor Drohnen beschützt werden muss, ist unterschiedlich und braucht eine spezifische Lösung. Meiner Meinung nach kann unsere Methode sehr gefährdete Orte vor ungewollten Drohnen schützen.   

 

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