AZ-Interview EHC-Neuzugang Ehliz: "Ich bin zu 100 Prozent Bayer, Deutscher und Türke"

Neuer Silber-Held beim EHC München: Yasin Ehliz spielte sowohl in Pyeongchang als auch in Nürnberg groß auf. Foto: dpa/Peter Kneffel

Yasin Ehliz kehrt aus der NHL zurück – und unterschreibt beim EHC München. Im AZ-Interview spricht er über seine Zeit in den USA, seinen Status als Silberheld und seine Identität und die Pläne mit München.

München - Der gebürtige Tölzer Yasin Ehliz spielte von 2010 bis 2018 bei den Nürnberg Ice Tigers. Anschließend wechselte er in die NHL zu den Calgary Flames. Nun schließt sich der Silbergewinner von Pyeongchang dem EHC an – AZ hat mit dem Neuzugang gesprochen.

AZ: Servus Herr Ehliz, nachdem Sie Ihr NHL-Abenteuer vorzeitig beendet haben, kann man nur sagen: Willkommen in München, willkommen beim Meister EHC.
YASIN EHLIZ: Vielen Dank. Ich hatte einfach das Gefühl, dass München der richtige Platz für mich ist, es gab auch andere Angebote aus der DEL, aber hier hat einfach das Gesamtpaket gestimmt. Ich habe mit Trainer Don Jackson und Manager Christian Winkler viel telefoniert und danach stand für mich fest, dass ich in München unterschreiben werde. Einer der Gründe ist, dass ich Meister werden will. Ich habe ja zu meiner Zeit bei den Nürnberg Ice Tigers gesehen, wie herausragend die Red Bulls sind, wie fantastisch die Mannschaft auf die Spiele vorbereitet wird. Wir haben mit Nürnberg zwar des Öfteren gewonnen, aber wenn es drauf ankam, dann war München immer da. Es ist kein Zufall, dass sie drei Mal in Folge den Titel geholt haben.

Warum hat es für Sie in der NHL nicht geklappt?
Ich kann nur sagen, dass ich nie wirklich die Chance bekommen habe. Das Warum und Weshalb weiß ich nicht. Ich denke, ich werde es auch nie erfahren. Als klar war, dass ich die Chance nicht wirklich kriege, stand für mich auch schnell fest, dass ich nicht den Weg über die AHL gehen werde, mit nur wenig Eiszeit bringt das nichts. Ich will mich weiterentwickeln, das kann ich nur, wenn ich auf dem Eis stehe.

Ehliz schwärmt vom Olympia-Erfolg

Wie sehr verfolgen Sie den Erfolg des Ex-Münchners Dominik Kahun in der NHL?
Sehr. Wir sind dauernd im Kontakt, ich habe ihm auch zu seinen Auftritten gratuliert. Er macht das überragend, ich freue mich sehr für ihn. Überhaupt muss ich sagen, ich bin total erfreut, wie viel Münchner mir jetzt schon geschrieben und gesagt haben, dass sie sich auf mich freuen. Man erkennt sofort diese verschworene Gemeinschaft.

Wie groß ist denn das Ansehen des deutschen Eishockeys in der NHL? Hat da der Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang nochmal für einen Aufschwung gesorgt?
Auf jeden Fall. Ich glaube, jeder Spieler hat mich darauf angesprochen, wie das bei Olympia war, wie wir Silber gewonnen haben. Das ist dort schon präsent. Die DEL übrigens auch, die wissen alle über Eishockey in Deutschland Bescheid.

Jetzt sind Sie in München mit einigen der anderen Silberhelden wieder vereint.
Ja und darauf freue ich mich wahnsinnig. Olympia war ein einzigartiges Erlebnis. Das war eine Magie, eine Chemie in der Mannschaft, so etwas erlebt man vielleicht nur einmal in seinem Leben. Vom ersten Testspiel an, hat uns Bundestrainer Marco Sturm so zusammengeschweißt, das war unglaublich. Wir sind vom ersten Spiel an aufgetreten, als würden wir schon die Saison zusammenspielen. Ich bin froh, stolz und dankbar ein Teil des Ganzen gewesen zu sein.

Ehliz: Marco Sturm "war immer gut zu uns"

Marco Sturm geht jetzt den anderen Weg. Er wechselt nach dem Deutschland-Cup – bei dem Sieg auch dabei sind – in die NHL und wird Co-Trainer der Los Angeles Kings.
Ich freue mich für ihn, denn das war immer sein Ziel, aber ansonsten bin ich schon traurig. Er war ein toller Bundestrainer, war immer gut zu uns, er hat so viel für das deutsche Eihockey getan: Als Spieler, der allen zeigte, dass man es auch als Deutscher in der NHL schaffen kann – und jetzt als Trainer.

Viele sehen ihn schon in einer Reihe mit Ikonen wie Erich Kühnhackl.
Ich hoffe, dass man in Zukunft mit ähnlich viel Hochachtung über Sturm sprechen wird, wie über Kühnhackl. Verdient hat er es sich.

Sie haben türkische Wurzeln, haben mal gesagt: "Ich bin zu 100 Prozent Türke".
Das stimmt, dass ich das mal gesagt habe. Das ist ein Satz, der wohl für immer hängen bleibt. Aber er stimmt auch. So wie ich das sehe, bin ich zu hundert Prozent Deutscher, zu hundert Prozent Bayer, zu hundert Prozent Türke. Für mich ist das überhaupt kein Widerspruch. Als ich ein Kind war, wurde bei uns daheim nur türkisch gesprochen, meine Eltern wussten, dass ich Deutsch von allein lernen werde. Durch die Freunde, durch die Schule. Und so kam es auch. Ich bin dafür sehr dankbar, denn jetzt beherrsche ich beide Sprachen.

 

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