AZ-Interview EHC-Kapitän Wolf: "Habe tierischen Spaß, hier zu sein"

Michael Wolf mit dem Bullenkopf, der Auszeichnung für den besten EHC-Spieler einer Partie. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vor der DEL-Finalserie gegen Wolfsburg spricht EHC-Kapitän Michael Wolf über Titel-Sucht, Erfolgsfaktoren und seine Prügelei gegen Berlin. "Es sind Dinge vorgefallen, die mir sagten: Jetzt ist Schluss."

Michael Wolf: Der jetzt 36-Jährige wechselte 2014 zum EHC Red Bull München, ist dort der Kapitän. Mit den Red Bulls holte er in der Vorsaison erstmals in seiner Karriere die Meisterschaft, ab Sonntag geht es für die Münchner im Finale um die Titelverteidigung.

AZ: Herr Wolf, Hand aufs Eishackler-Herz: Gibt es eigentlich etwas Schöneres, als Wiederholungstäter zu sein?
MICHAEL WOLF: Nicht, wenn es um Eishockey und Titel geht. Es ist schon ein Erfolg für sich, dass wir mit dem EHC Red Bull München jetzt wieder im Finale stehen. Aber das heißt auf keinen Fall, dass wir damit schon zufrieden sind. Das ist wie eine Sucht. Wer diesen Triumph jemals erleben durfte, will das wieder in sich spüren. Immer wieder!

Jahrelang haben Sie, einer der profiliertesten Eishockeyspieler Deutschlands, alles dafür getan, dass Sie einmal den Pokal gen Himmel stemmen dürfen. Aber erst in der Vorsaison hat es dann mit dem EHC Red Bull München geklappt.
Ich kann kaum in Worte fassen, was das für eine Erleichterung war. Jahrelang hat man immer wieder zusehen müssen, wie irgendjemand anders diesen Pokal geholt hat. Ich habe oft die Finalserien kaum angeschaut, weil es schon wehtat. Dass ich dann in doch fortgeschrittenem Sportleralter diese Trophäe am Ende geholt habe, war für mich sicher das i-Tüpfelchen für meine Karriere. Das war das große Ziel, das ich immer hatte. Man muss ja nicht drumherum reden, das war, wovon man seit Kindesbeinen geträumt hat – einmal Meister zu werden.

Oder auch Doppel-Meister. Was macht den EHC so dermaßen stark, dass er auch in diesen Playoffs bisher erst eine Partie verloren hat?
Dafür gibt es keine einfache, keine eindimensionale Antwort, da kommen einfach viele Komponenten zusammen. Bei uns greifen die Rädchen ineinander. Jeder in der gesamten Organisation ordnet alles dem Erfolg unter. Das beginnt bei den Managern und dem Team der Coaches, dazu das gesamte Umfeld und natürlich auch wir Spieler. Wir haben eine Mannschaft, die weiß, was sie zu tun hat, die die nötige Erfahrung hat, aber eben auch den Hunger. Ich denke, der entscheidende Faktor ist die Persönlichkeit. Der Spieler, des Teams. Ich kann es wirklich nur immer wieder betonen, ich empfinde es als große Ehre, dass ich Kapitän dieser Mannschaft sein darf. Ich habe tierischen Spaß, hier zu sein.

Salbungsvolle Worte, die eines Kapitäns würdig sind, aber lassen Sie uns konkreter werden: Was ist der, beziehungsweise sind die Schlüssel zum Münchner Erfolg?
Das beginnt damit, dass wir eine wirklich gute Mannschaft haben, nicht nur eine Ansammlung großartiger Einzelspieler. Jeder kennt seine Aufgabe. Und wir stehen füreinander ein. Dazu haben wir mit Danny aus den Birken einen Torwart, der in diesen Playoffs einfach grandios hält. Er gibt uns mit seinen Paraden in jedem Spiel die Chance, die Partie zu gewinnen. Es ist unsere Aufgabe, auf dem Eis dann diese Chance zu nutzen. Don Jackson und der Rest des Trainerteams lässt ein System spielen, bei dem wir immer Druck auf den Gegner ausüben. Unaufhörlich. Wir lassen nicht nach. Wir sind uns sehr bewusst, dass, wenn wir unser Spiel durchziehen, wir die meiste Zeit die Partie diktieren, den Gegner zu Unachtsamkeiten zwingen.

Sie sprachen das Füreinander-Einstehen an. Im entscheidenden fünften Halbfinal-Spiel gegen die Eisbären sah man Sie in einer Rolle, in der man Sie kaum kennt. Sie prügelten sich. Haben Sie Unterricht bei Raubein Steve Pinizzotto genommen? (lacht)
Nicht wirklich. Es gibt halt Momente, da kommt man nicht aus. Es war nicht so, dass ich mir gedacht habe, ich muss jetzt ein Zeichen setzen, aber es sind Dinge auf dem Eis vorgefallen, die mir sagten: Jetzt ist Schluss. Ich bin ja keiner, der so etwas normalerweise initiiert, aber es war nötig, also bin ich für die Mannschaft eingestanden. Und ich weiß, dass jeder in der Mannschaft für mich einstehen würde. Mir ist klar, dass alle glauben, dass bei uns nur Pinizzotto das machen würde, aber manchmal geht es nicht anders. Aber eines steht fest: Ein zweiter Pinizzotto bin ich nicht, werde ich auf meine alten Tage auch nicht mehr. Wenn er hinlangt, dann suchen die Gegner das Weite.

Sie waren ja der große Wegbereiter für den Finaleinzug. Mit Ihrem 299. Karrieretreffer haben Sie den EHC in der Verlängerung des fünften Spieles ins Endspiel geschossen.
Das war schon ein sehr emotionaler Moment. Ein Stürmer, der sagt, dass er nicht gerne Tore schießt, speziell entscheidende, der lügt. Es ist definitiv ein besonderer Moment, wenn man der ist, der am Ende den Puck über die Linie bringt. Aber noch viel wichtiger ist, dass er überhaupt dahin kommt. Aber ohne das grandiose Zusammenwirken aller auf dem Eis hätte es nicht geklappt, ich musste ja eigentlich nur noch den Schläger hinhalten.

Da ist sie wieder, die berühmte Wolf-Bescheidenheit. Der Kapitän, der das Rampenlicht scheut.
So war ich, so bin ich, so bleibe ich.

Dafür loben Sie andere in höchsten Tönen. Playoff-Topscorer Brooks Macek nennt Sie "das Herz und die Seele" des Vereins. Coach Jackson bezeichnet Sie als den "ultimativen Leader".
Das ist natürlich immer schön, wenn man so etwas hört und wenn es vom Trainer kommt, gleich doppelt. Aber ich sehe mich nur als einen Teil der Mannschaft. Nicht mehr, nicht weniger.

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