AZ-Interview mit CSU-Politikerin Dorothee Bär über FCB: "Liebe von Kindheit an"

, aktualisiert am 21.09.2016 - 15:21 Uhr
Dorothee Bär im Bayern-Trikot im Bundestag. Foto: dpa

Die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär über ihre Bayern-Leidenschaft, den Berliner Fanklub und die Rückkehr von Uli Hoeneß als Präsident.

 

München - Die CSU-Politikerin spricht vor dem Spiel der Bayern gegen Hertha über ihr Fan-Dasein und gibt einen Tipp ab.

AZ: Frau Bär, der FC Bayern trifft heute auf Hertha BSC. Das Spiel des Jahres für sie als Vizepräsidentin des Bundestagsfanklubs des FC Bayern „Berliner Fraktion“?
DOROTHEE BÄR: Ohne Hertha zu nahe treten zu wollen, das ist es jetzt dann doch nicht. Es ist der Hauptstadt-Verein, aber sicher kein Angstgegner.

In Ihrer Familie gibt es doch aber einen Hertha-Fan?
Das stimmt. Mein Mann hat gesagt, dass ich das auf keinen Fall erwähnen darf, aber jetzt ist es ja eh raus (lacht). Es ist meine älteste Tochter.

Wie konnte das passieren?
Wir waren mal in Berlin, als sie vier Jahre alt war. Mein Mann war mit ihr im Olympiastadion. Sie kamen zurück – und das Kind war Hertha-Fan, obwohl Berlin verloren hatte. Sie hat einen schweren Stand in unserer Familie, bleibt Hertha aber treu. Ihre kleine Schwester und ihr kleiner Bruder sind schließlich Bayern-Fans. Berlin ist ja momentan punktgleich mit Bayern. Da war die Große jetzt ganz stolz. Ich habe dann gesagt, dass wir am Ende der Saison noch einmal weiterreden.
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Schauen Sie das Spiel in München an?
In Sitzungswochen geht das nicht. Ich habe aber meinen Geburtstag im April im Stadion beim Spiel gegen Bremen gefeiert. Das Hertha-Spiel schauen wir jetzt mit den anderen Mitgliedern des Fanklubs an.

Wie kam es zur Gründung?
Den Plan gab es schon jahrelang. Unser heutiger Vorsitzender Florian Hahn und ich haben immer wieder davon gesprochen. Irgendwann hat er dann Paul Breitner und Raimond Aumann angefragt und die beiden waren bei der Gründung im November 2014 vor Ort. Danach haben sich fast von allen Bundesliga-Vereinen Fanklubs im Bundestag gegründet. Bei uns werden aber nur aktuelle und Ex-Abgeordnete aufgenommen. Und wir haben trotzdem die meisten Mitglieder.

Hoffentlich mittlerweile mehr als ausgerechnet 60?
(lacht) Ja und das war natürlich wichtig. Wir haben auch als Mitgliedsbeitrag 59 Euro, damit es da keine Probleme gibt. Unser Fanklub hat jetzt 64 Mitglieder, das sind also knapp zehn Prozent des Bundestags.

Werden dort auch fußballerische Debatten geführt?
Ich sitze auf der Regierungsbank neben dem eingefleischtesten Dortmund-Fan der Welt: Innenminister Thomas de Maizière. Der ist wirklich ein Hardcore-Dortmund-Fan. Wir haben beim Pokalfinale 2014 im Olympiastadion, das wir 2:0 gewonnen haben, nebeneinander gesessen. Das war nicht so der Spaß.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für den FC Bayern?
Das ist bei mir eine ganz große Liebe von der Kindheit an. Ich hatte schon und in der Grundschule die ersten Trikots, noch mit der Commodore-Werbung drauf. Der Vater meines besten Freundes hat uns damals alle zwei Wochen von Bamberg nach München gefahren.

Im Mai 2015 sind Sie mit Trikot im Bundestag erschienen.
Ich wollte damit einfach nur nach der Niederlage gegen Barcelona sagen: So, jetzt erst recht. Eine reine Solidaritätsbekundung. Mein Trikot wäre wahrscheinlich keinem groß aufgefallen, wenn nicht mein Kollege von den Grünen, Dieter Janecek, der auch Mitglied in unserem Fanklub ist, sich am Rednerpult bei mir bedankt hätte, dass ich sogar hier zu unserem Verein stehe. Erst dadurch sind die Linken darauf aufmerksam geworden und haben sich beim Präsidenten beschwert.

Würden Sie mal wieder im Trikot ins Parlament gehen?
Ich würde es nicht machen, um zu provozieren. Aber wenn der Anlass passt und mir danach ist, würde ich es auf jeden Fall wieder anziehen.

Manuel Neuer ist seit kurzem Nationalelf-Kapitän. Wäre Jérôme Boateng als erster schwarzer Kapitän nicht auch ein Statement gewesen?
Das finde ich ihm gegenüber gemein, weil so eine Entscheidung einzig und allein aus fußballerischen Gründen getroffen werden muss. Es ist nicht fair, es darauf zu reduzieren, dass er schwarz ist und es ein wichtiges Statement wäre. Man hätte es fachlich begründen müssen und da wäre auch er eine gute Wahl gewesen.
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Wie stehen Sie zur angekündigten Rückkehr von Uli Hoeneß als Bayern-Präsident?
Ich finde es gut und richtig, wenn Uli Hoeneß wieder Verantwortung beim FC Bayern trägt. Das ist auch das Besondere am FC Bayern, der eben wirklich eine Familie ist, die sich nicht auseinanderdividieren lässt.

Frau Merkel würde mit einer ähnlichen Vergangenheit wohl kaum wieder Kanzlerin werden können, oder?
Der Vergleich hinkt nicht mal, weil er noch nicht mal Beine hat. Beim FC Bayern entscheidet eben der FC Bayern. Bei jedem Politiker entscheiden die Wähler. Es ist noch mal etwas anderes, sich komplett der Öffentlichkeit zu stellen – oder ob man sich in so einem Biotop, wie der FC Bayern eines ist, befindet, in dem jeder zueinanderhält. Ich finde, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Uli Hoeneß hatte eine schwere Zeit und bei seiner Verurteilung sicherlich eher einen Promi-Malus als einen -Bonus.

Wie geht das Spiel der Bayern gegen Berlin aus, vielleicht mit Rücksicht auf ihre Tochter?
Spontan hätte ich gesagt: 5:0. Dann gehe ich mal nach Ihrer Warnung auf 4:0 runter.

 

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