AZ-Interview Christine Strobl: "Ich werde ein normales SPD-Mitglied"

Seit 2005 ist Christine Strobl als Zweite bzw. Dritte Bürgermeisterin in Münchner Rathaus tätig. Foto: ho

Nach ihrem Rückzug spricht Bürgermeisterin Christine Strobl über ihre Wunschnachfolgerin und ihre weitere Rolle in der Partei.

 

München - Mit ihrer Ankündigung, zur Kommunalwahl im März 2020 aus privaten Gründen nicht mehr anzutreten, hat SPD-Bürgermeisterin Christine Strobl (58) ihre Genossen am Mittwoch völlig überrascht. Wie geht's jetzt weiter?

AZ: Frau Strobl, Ihre Kollegen sind auch am Tag danach noch bestürzt. Ist Ihre Entscheidung wirklich so spontan gefallen?
CHRISTINE STROBL: Es hat sich ein paar Wochen angebahnt, man muss sich bei so einem großen Schritt ja sicher sein.

Letztlich hat Sie der Termin am Freitagabend zur Stadtratsvorreihung der SPD im Münchner Norden zur Entscheidung gezwungen, oder?
Klar, es wäre ja den Kolleginnen gegenüber nicht fair gewesen, sich da auf der Frauenliste vorreihen zu lassen im Wissen, dass ich dann doch nicht auf die Stadtratsliste gehe.

Dietl oder Hübner: Wer ist Favoritin?

Sie waren auf dem prominenten Platz zwei vorgesehen, als erste SPD-Frau gleich hinter OB Dieter Reiter. Wer soll Sie da jetzt als Zugpferd für die Wähler ersetzen?
Ich sehe da eine der beiden neuen Frauen, die seit dem Abgang von Fraktionschef Alexander Reissl die Stadtratsfraktion führen.

Also Verena Dietl oder Anne Hübner. Wer ist Ihre Favoritin?
Das kann ich nicht sagen. Sie machen beide eine klasse Arbeit. Sie transportieren die Themen, die mir immer wichtig waren – wie im Sozialbereich, im Sport, im Bereich Senioren – ganz ausgezeichnet. Das macht mir wirklich ein gutes Gefühl. Auf wen die Wahl fällt, wird die Partei entscheiden.

"Ich ziehe mich ja nicht völlig zurück"

Sie sind nach den Stadträten Alexander Reissl und Brigitte Volk, die beide die SPD verlassen haben, nun die Dritte innerhalb weniger Tage, die plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht. Das wirkt, als ob nun viele das sinkende Schiff SPD verlassen.
Ich kann meine Entscheidung nicht von irgendeiner Außenwirkung abhängig machen. Manchmal ereilen einen Dinge einfach spontan. Und ich ziehe mich ja nicht völlig zurück.

Welche Rolle wollen Sie noch spielen in der SPD?
Erstmal bleibe ich ja noch ein halbes Jahr Bürgermeisterin. Ich werde auch Wahlkampf machen. Danach werde ich ein normales SPD-Mitglied sein und in meinen Ortsverein gehen. Und ich werde ganz bestimmt von da draußen keine Belehrungen über die Presse an die Kollegen geben.

So wie Alt-OB Christian Ude das manchmal macht, wenn er sich ärgert?
Zum Beispiel.

"Die CSU, die Grünen und auch wir in der SPD haben uns verändert"

Unter Ude waren Sie acht Jahre Bürgermeisterin, unter seinem Nachfolger Dieter Reiter nun fünf Jahre. Welchen Unterschied gab es in der Zusammenarbeit?
Jeder hat seinen persönlichen Stil, ich kann und konnte mit beiden. Dieter Reiter und ich, wir verstehen uns recht gut.

Ist es als Frau heute eigentlich einfacher, sich im Rathaus durchzusetzen, als während Ihrer Anfangszeit?
Ja. Weil manche Dinge heute akzeptierter sind. Auch dass man ein Kind mit in den Sitzungssaal nimmt, zum Beispiel. Ich finde das sehr schön.

Noch ein Rückblick: Welche Jahre waren die besseren aus Ihrer Sicht, die rot-grünen bis 2014 – oder jetzt die mit der CSU in einer Rathaus-GroKo?
Nach 30 Jahren im Rathaus kann ich sagen: Die CSU, die Grünen und auch wir in der SPD haben uns verändert. Anfangs hatten wir heftige Diskussionen mit der CSU, auch im Sozialbereich. Das ist nicht mehr so. Heute haben wir viel Konsens im Sozialen, bei der Bildung, im Sport. Eigentlich gibt es ja nur bei der Mobilität noch richtig Streit.

Sie möchten sich also nicht festlegen?
Ich glaube, dazu lasse ich mir erst in meiner Abschiedsrede mehr einfallen.

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