AZ-Interview BRK-Präsident Theo Zellner: Das Hochwasser vergesse ich nie

Theo Zellner, Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Foto: dpa/Andreas Gebert

Heute ist Tag des Ehrenamts. In Bayern engagieren sich laut Sozialministerium 5,2 Millionen Menschen (Stand 2014). Jeder 70. ist beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Der Präsident Theo Zellner im Interview.

Theo Zellner ist Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes. Die AZ hat mit ihm über die Wichtigkeit der Ehrenämter gesprochen und wie sich junge Menschen für solche begeistern lassen.

AZ: Herr Zellner, wie viele Ehrenamtliche engagieren sich beim Bayerischen Roten Kreuz und wo?
THEO ZELLNER: Im Bayerischen Roten Kreuz engagieren sich mehr als 180.000 Menschen ehrenamtlich. Das größte Engagement wird innerhalb der Einsatzdienste, also in der Wasserwacht, Bergwacht und in den Bereitschaften geleistet.

Sie beklagen, dass die Bedeutung der Ehrenamtlichen heute nicht mehr genug wertgeschätzt wird. Was meinen Sie damit?
Wir registrieren immer mehr Fälle von Aggressionsereignissen, auch gegenüber ehrenamtlichen Einsatzkräften. Die Anforderungen sind gestiegen, gleichzeitig möchte man sich aber heutzutage nicht mehr binden – das Ehrenamt auf Zeit wird immer mehr zum Thema.

Begeisterung fürs Ehrenamt - via Instagram?

Wird es den Ehrenamtlern heute schwerer gemacht – und gibt es deshalb weniger?
Natürlich spüren wir den Personalmangel auch im Ehrenamt. Immer weniger Menschen möchten sich langfristig an eine Organisation binden. Bevor ein Ehrenamtlicher etwa in der Wasserwacht in den Einsatz geschickt werden kann, sind Aus- und Fortbildungen notwendig. Das kostet Zeit, die viele leider nicht haben.

Das Ehrenamt hat ein Nachwuchsproblem. Was tut das BRK, um junge Leute für das Ehrenamt zu begeistern?
Wir besuchen zum Beispiel Schulklassen, bieten sogenannte „Trau Dich“-Kurse in Kindergärten und Vorschulgruppen an. So bringen wir Kindern Erste Hilfe bei und gewinnen Mitglieder für unser Jugendrotkreuz. Wir machen klassische Öffentlichkeitsarbeit, mit Werbeständen am Markt oder einem Tag der offenen Tür.

Was funktioniert am besten?
Womit ich niemals gerechnet hätte, ist der Erfolg in den Sozialen Medien. Wir sprechen zum Beispiel über Instagram junge Menschen an, können sie über unsere Arbeit informieren und im Idealfall auch begeistern. Die Resonanz ist überwältigend.

Zellner fordert Rechtsanspruch auf Freiwilligendienst

Sie setzen sich auch für eine Stärkung des Freiwilligendienstes ein, also für den „Bufdi“ oder das FSJ.
Fakt ist, dass es insgesamt mehr Bewerber als Plätze gibt, weshalb ein Rechtsanspruch auf einen Platz im Freiwilligendienst ein starkes Signal wäre. Für viele Menschen ist ein Freiwilligendienst der Einstieg in ein Ehrenamt.

Welche ehrenamtliche Leistung ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Es ist das Gesamtprodukt, was es so unglaublich einzigartig und schön macht. Was ich aber nie vergessen werde, sind die unzähligen Einsatzkräfte des Roten Kreuzes, die beim Hochwasser in Rottal-Inn wochenlang im Einsatz waren. Das war nicht nur eine unglaubliche Kameradschaft, sondern auch viel Belastbarkeit, Flexibilität und Hilfsbereitschaft. Aber auch der Einsatz beim OEZ-Amoklauf ist mir in Erinnerung. Ich bin dankbar, ehrenamtlicher Präsident dieser tollen Menschen zu sein. Sie sind es, die in unserer Ellenbogengesellschaft an das Wohl anderer denken. Das kann man nicht hoch genug anerkennen.

 

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