AZ-Interview Bonhof über Heynckes: "Er hilft aus Verbundenheit"

, aktualisiert am 05.10.2017 - 17:10 Uhr
Rainer Bonhof (l.) und Jupp Heynckes wurden gemeinsam Welt- und Europameister. Foto: dpa

Rainer Bonhof spricht in der AZ über das Comeback seines guten Freundes bei Bayern. "Er wird den Klub wieder nach vorne bringen."

 

München - Die AZ hat mit Rainer Bonhof gesprochen. Der 65-jährige Ex-Nationalspieler ist ein alter Weggefährte und enger Freund von Jupp Heynckes, zusammen wurden sie Welt- (1974) und Europameister (1972).

AZ: Herr Bonhof, Ihr Freund und früherer Mitspieler Jupp Heynckes steht vor einer Rückkehr zum FC Bayern. Hat Sie die Meldung genauso überrascht wie den Rest der Fußballnation?
RAINER BONHOF: So lange es nicht bestätigt ist, kann man noch nicht gratulieren. Aber ja, ich war überrascht.

Hätten Sie gedacht, dass er sich noch mal auf eine solch anspruchsvolle Aufgabe im Fußball einlässt?
Wir haben zuletzt nicht darüber gesprochen, dass er zurückkehren wird als Trainer, er hat nichts angedeutet. Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass er das noch mal macht. Er hatte ja vier Jahre Abstand zum Profigeschäft, da habe ich nicht mit gerechnet.

Nun muss Heynckes sein ruhiges Leben auf dem Bauernhof in Schwalmtal, wenige Kilometer von Mönchengladbach entfernt, noch mal für einige Zeit ruhen lassen.
Ich weiß nicht, wie die Abläufe sein werden. Ob sein Hund Cando mit nach München kommt, oder nur Frau Iris. Aber das sind Dinge, die sich regeln lassen.

Was sind wohl seine Motive, zum insgesamt vierten Mal als Trainer für die Bayern zu arbeiten?
Ich denke, dass er es aus Verbundenheit zum FC Bayern macht, speziell zu Uli Hoeneß. Jupp hatte seine größten Triumphe als Trainer bei den Bayern, das Triple 2013. Ich kann gut verstehen, dass er dem Verein hilft, wenn er gebraucht wird. Für einen absehbaren Zeitpunkt finde ich das nachvollziehbar.

Uli Hoeneß und Jupp Heynckes verbindet seit Jahren eine besondere Freundschaft.
Das stimmt. Wenn man sieht, dass Jupp den Ehrenring der Stadt Mönchengladbach bekommt und Uli Hoeneß die Laudatio hält (im März 2016, Anm. d. Red.), ist das schon eine Aussage für sich.

Was sagen Sie den Leuten, die meinen, 72 Jahre seien ein zu hohes Alter für einen Trainer auf diesem Niveau?
Es gibt ja den Spruch, dass gut und nicht gut im Fußball nichts mit dem Alter zu tun hat. Das ist bei Jupp genauso. Er ist ein sehr guter Trainer. Und er wird sich das genau überlegt haben. Ich bin sicher, dass es gut gehen wird. Jupp ist fit genug für Bayern.

Sie haben selbst mit Heynckes zusammen gespielt, in den 1970er Jahren bei Borussia Mönchengladbach große Titel gewonnen. Können Sie seinen Ehrgeiz beschreiben?
Jupps Motivation hat nie nachgelassen, weder als Spieler noch als Trainer. Seine Vita beweist das. Diese Einstellung ist nicht vom Alter abhängig, sie bleibt ein Leben lang. Der FC Bayern darf sich freuen und auf einen ehrgeizigen Trainer gefasst machen.

Ein Vorteil könnte sein, dass er viele Spieler des aktuellen Kaders noch aus der Triple-Saison kennt: Neuer, Boateng, Martínez, Alaba, Müller, Robben, Ribéry.
Das kann sicher nicht schaden. Jupp hat aber vor allem einen anderen Vorteil: Er kennt das Gefüge beim FC Bayern sehr gut, das wird ihm jetzt helfen. Er kommt nicht in den Klub und muss überall neu reinschnuppern. Er weiß, wie die Abläufe sind. Der Übergang zur Normalität wird für Jupp recht einfach sein.

Ihre Prognose: Wie wird Heynckes’ – wahrscheinlich – letztes Abenteuer bei den Bayern verlaufen?
Ich denke, Jupp wird Bayern wieder nach vorne bringen. Er kennt die Verhältnisse. Er weiß, wo er ansetzen muss. Die Frage ist, ob die Spieler mitziehen, aber da gehe ich stark von aus. Viele Spieler kennen ihn schon und wissen, welch verbindlicher Trainer er ist.

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