AZ-Interview Bernd Hölzenbein übers Pokalfinale: "Da hört die Freundschaft auf"

WM-Finale 1974 in München: Bundestrainer Helmut Schön (l.) im Gespräch mit Jupp Heynckes (r.) , in der Mitte Torhüter Norbert Nigbur. Stürmer Heynckes blieb 90 Minuten auf der Bank. Foto: imago

Eintracht-Frankfurt-Legende Bernd Hölzenbein spricht in der AZ über das WM-Endspiel 1974, als er sich für Heynckes auswechseln lassen wollte - und über das Pokalfinale.

 

München - Der 72-jährige Hölzenbein war - wie Jupp Heynckes - Teil der legendären Weltmeister-Mannschaft von 1974. Die beiden sind befreundet.

AZ: Herr Hölzenbein, ist Jupp Heynckes eigentlich immer noch sauer auf Sie?
BERND HÖLZENBEIN: Sie meinen wegen 1974?

Genau. Es soll damals ja eine Absprache zwischen Ihnen beiden gegeben haben, dass Sie sich für Heynckes in der Schlussphase des WM-Finals gegen die Niederlande auswechseln lassen, damit er auch noch ein paar Minuten spielt.
Das ist korrekt, es gab diese Absprache wirklich. Jupp hatte sich damals im Vorrundenspiel gegen Australien verletzt. Dadurch bin ich in die Mannschaft gerutscht - und anschließend nicht mehr raus.

Und dann wollten Sie sich freiwillig für Heynckes auswechseln lassen? Im WM-Finale?
Ja, das war der Plan. Das hatte damit zu tun, dass Jupp und ich uns sehr gut verstanden haben. Wir waren echte Freunde. Da ist dieser Gedanke in den Tagen vor dem Finale entstanden.

Letztlich ist es aber nicht dazu gekommen. Sie spielten 90 Minuten durch, Heynckes blieb auf der Ersatzbank.
Es ist ja klar, dass Jupp nicht ganz so glücklich damit war. Er war auch sauer und enttäuscht nach dem Endspiel. Aber ich habe ihn nicht hängen lassen, es ging einfach nicht anders. Es war das WM-Finale! Es wäre ja auch nicht möglich gewesen, den Bundestrainer vor dem Spiel anzurufen und ihm unseren Plan vorzustellen. Helmut Schön hätte uns den Vogel gezeigt.

"Es war eine blöde Idee von Jupp und mir"

Haben Sie denn auf dem Platz mal daran gedacht, dass es diese Absprache zwischen Ihnen und Heynckes gab und er womöglich zornig auf der Bank sitzt?
In so einer Situation ist es sehr schwierig, auf Einzelschicksale Rücksicht zu nehmen. Du bist voll drin im Spiel, rennst da rum, versuchst, den Vorsprung irgendwie über die Zeit zu bringen. Man muss es im Nachhinein so ehrlich sagen: Es war eine blöde Idee von Jupp und mir (lacht) .

Wie hat sich Ihre Freundschaft nach dem WM-Finale 1974 entwickelt?
Durch das Miteinander in der Nationalmannschaft waren wir Freunde geworden. Wir kannten uns natürlich auch aus der Bundesliga, da haben wir uns immer gut verstanden. Es gab eine gute Harmonie. Wir haben uns später immer wieder getroffen, auch mit unseren Frauen. Heute ist er nicht mehr sauer auf mich, es ist alles okay zwischen mir und dem Josef.

Sie hatten später, Mitte der 1990er Jahre, dann ja auch bei Eintracht Frankfurt miteinander zu tun.
Das stimmt. Ich habe Jupp damals selbst in Bilbao besucht und ihn überredet, nach Frankfurt zu kommen. Da war alles längst vergessen, was 1974 passiert ist.

Heynckes blieb nicht mal eine Saison bei der Eintracht, nach Misserfolg und Streitereien mit einigen Spielern trat er zurück. Warum passte es zwischen ihm und Frankfurt nicht?
Die Mannschaft war einfach zu schwierig. Es gab Spieler wie Jay-Jay Okocha, Maurizio Gaudino und Anthony Yeboah, die kompliziert zu führen waren. Und Jupp war sehr streng. Das passte nicht zusammen.

Am Samstag sitzt Heynckes nun zum letzten Mal auf der Bayern-Bank, danach beendet er seine Karriere endgültig. Welchen Platz nimmt er aus Ihrer Sicht in der deutschen Fußball-Historie ein?
Zunächst einmal war Jupp als Spieler klasse. Ich hatte großen Respekt vor ihm, er war auf jeden Fall besser als ich. Das kann ich ganz ehrlich sagen. Ich kann mich mit Jupp gar nicht richtig vergleichen. Er war ein Klasse-Stürmer, ich war ein anderer Spielertyp, bin eher aus der Tiefe gekommen.

Kovacs Wechsel: "Wenn du so eine Chance bekommst, nimmst du sie wahr"

Und wie sehen Sie seine Karriere als Trainer?
Es gibt nur ganz Wenige, die solche Erfolge wie er vorweisen können. Jupp ist einer der ganz großen Trainer des deutschen Fußballs. Nur schade, dass es bei der Eintracht nicht so geklappt hat.

Trauen Sie Niko Kovac eine ähnlich erfolgreiche Ära beim FC Bayern zu?
Ich bin zu hundert Prozent überzeugt davon, dass Kovac mit den Bayern erfolgreich sein wird. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass er in München eine Top-Mannschaft vorfindet. Aber er hat in Frankfurt gezeigt, dass er ein guter Trainer ist. Viele von denen, die sich über Kovacs Wechsel aufgeregt haben, hätten es genauso gemacht. Es ist der normale Weg im Fußball. Wenn du so eine Chance bei Bayern bekommst, nimmst du sie wahr.

Abschlussfrage: Gönnen Sie Ihrem alten Kumpel Jupp den Pokalsieg am Samstag - und damit das perfekte Karriereende?
(lacht) Nein, auf keinen Fall! So weit geht es nicht, da hört die Freundschaft auf. Jupp wird ganz sicher alles dafür tun, dass seine Mannschaft am Samstag gewinnt. Und ich werde im Stadion sitzen und zu meiner Eintracht halten, das ist doch klar! Die Daumen drücken für Bayern München - das kommt für mich nicht in Frage.

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