AZ-Interview Barthel: "Wir dürfen uns niemals sicher fühlen"

"Ich bin eh ein Spieler, der da hingeht, wo es wehtut. Mein Spiel wird sich durch die Maske nicht verändern", sagt Danilo Barthel. Foto: imago

Der Power Forward der Bayern-Basketballer spricht hier über die dramatische Niederlage zum Auftakt der Eurocup-Halbfinalserie, den Plan für Spiel zwei und Schwierigkeiten, mit einer Maske zu spielen.

München - Die AZ hat mit Danilo Barthel gesprochen. Der 26 Jahre alte Nationalspieler steht seit 2016 beim FC Bayern Basketball unter Vertrag.

AZ: Herr Barthel, Sie standen nur drei Tage nach Ihrem Nasenbeinbruch bei Spiel eins der Eurocup-Halbfinalserie bei Darussafaka Istanbul schon wieder mit einer Gesichtsmaske für den FC Bayern Basketball auf dem Feld. Wie haben Sie das körperlich verkraftet?
DANILO BARTHEL: Der Nase geht’s soweit ganz gut. Den ersten physischen Härtetest habe ich bestanden.

Und wie geht’s dem Geist nach der 74:76-Niederlage in letzter Sekunde, nachdem Sie zwischenzeitlich schon mit 23 Punkten führten?
Es ist sehr, sehr bitter, wie wir da verloren haben. Aber das ist jetzt abgehakt, wir gehen positiv in unser Heimspiel heute Abend, weil wir gesehen haben, dass wir eigentlich die bessere Mannschaft sind. Das können wir jetzt hoffentlich über einen längeren Zeitraum auf’s Feld bringen und das Spiel souveräner zu Ende bringen.

Was muss dafür in Spiel zwei (20 Uhr) anders werden?
Wir müssen ruhiger bleiben und einfach unser Spiel durchziehen, auch wenn die mal einen Lauf haben und schwierige Würfe treffen. Wir sind alle heiß. Jeder, der mal so ein Spiel verloren hat, weiß, dass es einem auch viel Positives geben kann, vielleicht sogar Extramotivation. Wir müssen daraus lernen und es heute besser machen.

Anstatt mit einem Heimsieg ins Finale einziehen zu können, müssen Sie nun zwei Matchbälle abwehren.
Wir sehen das einfach so: Es war nur das erste Spiel, in dem sie ihren Heimvorteil noch verteidigen konnten. Wenn wir jetzt unseren nutzen, ist es wieder eine offene Serie und alles drin. Der Druck ist ein bisschen gestiegen, die Ausgangslage ist aber immer noch die gleiche: Wir müssen weiterhin ein Spiel in Istanbul gewinnen, um das Finale zu erreichen.

Wie hat Trainer Sasa Djordjevic nach der Niederlage reagiert?
Auch er war niedergeschmettert, weil wir uns viel vorgenommen hatten und es in der ersten Halbzeit auch sehr gut aussah. Er kann sich ganz gut in uns Spieler hineinversetzen, wie man sich nach solchen Spielen fühlt und war positiv motivierend für unser nächstes Spiel. (Lesen Sie auch: Pleite gegen Istanbul - Das bayerische Führungsproblem)

Haben Sie eine Erklärung dafür, wie Sie einen 23-Punkte-Vorsprung noch verspielen konnten? Auch in Kasan verloren Sie zuletzt noch nach einer Zehn-Punkte-Führung.
Wir waren ein wenig überrascht, dass wir in der ersten Halbzeit so ohne Gegenwehr spielen konnten, aber leider auch davon, als die Gegenwehr in der zweiten Halbzeit dann kam. Da wurden wir etwas hektisch, hatten gefühlt 100 Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen. Am Ende hat das Glück gefehlt. Auch in Kasan hatten wir schon Probleme mit der aggressiven Verteidigung und konnten unser Spiel nicht mehr spielen. Das müssen wir heute Abend besser machen.

Hat Sie Ihre Schutzmaske eigentlich in irgendeiner Form in Ihrem Spiel beeinträchtigt?
Ich bin vielleicht ein bisschen in der Kopfbewegung eingeschränkt, sehe nicht jeden Ball sofort, der schnell von der Seite kommt, aber daran muss ich mich einfach gewöhnen. Große Schmerzen hatte ich nicht. Ich bin aber eh ein Spieler, der, auch wenn ich mal eine Platzwunde oder so habe, da hingeht, wo es wehtut. Mein Spiel wird sich durch die Maske nicht verändern.

Stand es für Sie überhaupt jemals zur Debatte, in Istanbul möglicherweise nicht spielen zu können?
Am Anfang war ich ein wenig geschockt, weil die Nase ein bisschen krumm war. Aber als klar war, dass nur die Nase gebrochen ist, war für mich klar, dass ich spielen will und kann. Die Frage war, ob die Maske so schnell angefertigt werden kann. Ich habe sie noch auf dem Weg zum Flughafen mit dem Taxi abgeholt.

Wie viele Punkte Vorsprung werden Sie, nach der bitteren Erfahrung in Istanbul, heute Abend brauchen, um sich sicher zu fühlen?
Das ist genau der Punkt. Wir dürfen uns niemals sicher fühlen, egal wie hoch wir führen. Jeder Ball zählt. Mir ist es egal, ob wir am Ende mit nur einem oder 20 Punkten gewinnen.

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