AZ-Interview ARD-Moderatorin Scharf: Mario Gomez? Klar schaut Frau da hin!

Julia Scharf ist ein Münchner Kindl – und als Sportmoderatorin in der Welt des Fußballs zuhause. Wir haben mit ihr über die EM, Bastian Schweinsteiger und Fußballdiskussionen zwischen Männern und Frauen gesprochen (siehe Interview-Text). Lesen Sie auch in der Bilderstrecke mehr über ihre Arbeit als Sportmoderatorin und ihre Sympathie für Werder Bremen. Foto: Az-Montage/dpa/Scharf

Die Münchner Sportmoderatorin Julia Scharf spricht im AZ-Interview über die EM-Chancen der Nationalelf, den Sixpack von Mario Gomez und das Klischee, Frauen verstünden nichts vom Fußball.

 

München - Julia Scharf ist ein Münchner Kindl – und als Sportmoderatorin in der Welt des Fußballs zuhause. Seit mehreren Jahren berichtet sie im TV über die Fußball-Bundesliga, u.a. für SPORT1, seit kurzem auch für den SWR und die ARD. Wir haben mit ihr über die EM, Bastian Schweinsteiger und Fußballdiskussionen zwischen Männern und Frauen gesprochen.

ZDF-Experte Olli Kahn twitterte „Europameister“ - was traut Julia Scharf der Deutschen Nationalelf bei der EURO 2012 noch zu?

Ähnlich wie Oliver Kahn sehr viel! Vom Leistungspotenzial und dem Kader her sage auch ich, dass sie Europameister werden. Allerdings bin ich ein sehr abergläubischer Mensch und spreche so etwas ungern im Vorfeld aus – dann bekomme ich nämlich Angst, dass es erst recht schief geht. (lacht)

Wie stehen die Chancen im Viertelfinale gegen Griechenland?

Was viele vergessen – auch im dritten Gruppenspiel gegen die Dänen stand unser Weiterkommen beim Stand von 1:1 lange auf Messers Schneide. Jetzt gegen Griechenland denkt jeder: ‚Das ist sowieso schon durch‘. Ich denke – gerade gegen die Griechen muss man vorsichtig sein. Wenn unsere Elf ihre Chancen leichtfertig vergibt und Griechenland mal wieder aus nur einer Chance ein Tor macht, dann wird's eng.

Wer kann Deutschland auf dem Weg zum Titel noch gefährlich werden?

Geheim ist es wohl nicht, wenn ich sage, dass auch ich die Spanier noch auf dem Zettel habe und im Finale sehe. Auch wenn das Team von Vicente del Bosque bislang noch nicht so konstant aufgetreten ist, wie man es eigentlich von ihnen kennt. Aber auch die Italiener haben in der Vorrunde einen guten Fußball gespielt - die sollte man nicht außer Acht lassen.

Welcher Spieler begeistert auch abseits seiner fußballerischen Qualitäten?

Klassiker-Frage! (lacht) Ich versuche tatsächlich in erster Linie, das Ganze immer sportlich zu sehen. Wenn jetzt Mario Gomez sein Trikot auszieht – natürlich hat der einen Wahnsinns-Sixpack! Und klar guckt man da als Frau mal hin - auch wenn er ansonsten gar nicht so mein Typ ist. Derzeit finde ich es aber sehr gut, wie er mit der Kritik umgeht, die immer wieder auf ihn einprasselt. Er macht einfach weiter wie zuvor und lässt sich nicht beeindrucken. Aus weiblicher Sicht ist es ansonsten natürlich schade, dass die Schweden schon ausgeschieden sind.

Wer ist „Liebling“ in der Deutschen Mannschaft?

Bastian Schweinsteiger ist einfach sehr sympathisch, das ist immer ein lockerer Typ. Er ist Leader in der Mannschaft, aber verliert trotzdem auch im Umgang mit seinen Kollegen nie den Spaß und die Lockerheit – das bringt er in meinen Augen sehr gut zusammen.

Public Viewing oder Wohnzimmer?

Public Viewing ist ein tolles Event. Bei der WM 2006 war ich oft auf dem Fan-Fest im Olympiapark – auch bei Spielen ohne deutsche Beteiligung. Das war einfach super, das Ganze auch mal im großen und internationalen Rahmen mit Fans aus allen Ländern gemeinsam zu sehen. Aber prinzipiell schaue ich lieber intensiv zu Hause oder im kleinen Kreis mit Freunden. Da weiß ich, dass ich alles sehen kann, der Ton immer an bleibt und ich auch alle Interviews in der Halbzeit und nach dem Spiel mitbekomme.

Wieviel Zeit bleibt im Alltag einer Sportmoderatorin zum „EM-Schauen“?

Leider komme ich manchmal nicht dazu, alle Spiele zu sehen. Vergangenes Wochenende habe ich die Deutschen Meisterschaften im Turnen für die ARD moderiert und musste dann auf dem Rückweg im Zug auf die ARD-Mediathek und den Internet-Livestream des Deutschland-Spiels zurückgreifen – zum Glück war die Verbindung so gut, dass ich das Spiel noch verfolgen konnte. Natürlich ist es blöd, wenn sich manchmal ein Spiel mit beruflichen Einsätzen überschneidet, aber da kann man nichts machen. Trotzdem versuche ich natürlich so viel wie möglich zu schauen – auch, wenn es in der Vorrunde mit zwei Spielen am Tag ab und an schwierig ist.

Das Vorurteil „Frauen und Fußball...“ – schon mal konfrontiert worden?

Kommt schon vor, aber weniger, als man es sich vorstellt. Meistens wird man in Interviews danach gefragt. (lacht) Ein Mal hat es ein Kollege direkt angesprochen und gesagt: „Frauen und Fußball, dass ist jetzt nicht so das Beste“ – er hat es nur etwas anders formuliert. Wenn jemand diese Meinung vertritt, kann er mir das gerne direkt ins Gesicht sagen.

Wie reagiert „Frau“?

Das muss man abkönnen. Das macht mir auch nichts weiter aus. Witzig ist es, wenn man sich auf Partys in der Küche in ein Fußball-Gespräch unter Männern einmischt. Da wird man dann anfangs als Frau konsequent ignoriert. Irgendwann beginnt dann so eine Art „Abtasten“ und „Mann“ versucht herauszufinden, ob „Frau“ nicht doch nur so ein Nationalmannschafts-Fan ist. Aber wenn man dann mal ein paar Fakten einstreut, die andere nicht wissen, dann gucken alle überrascht.

Mehr Informationen zu Julia Scharf, ihrer Arbeit als Sportmoderatorin und ihre Sympathie für Werder Bremen lesen Sie auch in der Bilderstrecke.

Text und Interview: Thomas Deterding

 

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