AZ-Interview Angstmacher EHC? Jaffray: "Richtig gutes Gefühl"

Münchens Jason Jaffray ist der Torjäger des EHC Red Bull München. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der EHC Red Bull München tritt nach der Pause aufgrund des Deutschland-Cups gegen Iserlohn an. Die AZ spricht mit Topstürmer Jason Jaffray über die bisherige Saison, Titel und Frotzeleien der Mitspieler.

 

München - EHC-Topstürmer Jason Jaffray ist einer der Leistungsträger des EHC Red Bull München. Im AZ-Interview spricht er unter anderem über das Treffen mit Justin Bieber.

AZ: Herr Jaffray, wie wichtig war die Deutschland-Cup-Pause für den EHC Red Bull München, der extrem viele Verletzte zu beklagen hatte?
JASON JAFFRAY: Enorm wichtig. Ich habe die Zeit genutzt, um meine Batterien aufzuladen. Physisch, aber auch mental. Denn die Zeit vor dem Deutschland-Cup hat uns als Mannschaft wirklich alles abverlangt. Wir hatten ja ein Spiel nach dem anderen, dazu diese enorme Anzahl an Verletzten. Die wiederum zwang die anderen Spieler bei uns, mit Blessuren zu spielen, die sie unter anderen Umständen vielleicht eher auskuriert hätten. Das ist ein bisschen ein Teufelskreis. Den eben der Deutschland-Cup zum Glück durchbrochen hat. Wir haben jetzt alle wieder richtig

Bock auf Eishockey, auf den Wettbewerb, die Herausforderung, Das hätte man vor der Pause vielleicht nicht gesagt. Wie fällt Ihr Zwischenfazit der Saison aus?
Wir können insgesamt sehr zufrieden sein. Klar gab es ein paar Spiele, die wir nicht hätten verlieren dürfen, über die man sich immer noch ärgert. Aber: Wir stehen auf jeden Fall besser da als zur gleichen Zeit der Vorsaison. Und wir wissen alle, wie die geendet hat.

"..., dann sind wir furchteinflößend"

Mit dem Meistertitel.
Genau! So, wie ich das sehe, haben wir uns im Vergleich zur letzten Spielzeit verbessert. Wir haben gerade gegen die Topmannschaften oft richtig gute Leistungen abgeliefert. Wenn wir jetzt all unsere verletzten Leistungsträger zurückbekommen und einen Lauf bekommen, dann sind wir nicht nur wirklich schwer zu schlagen, dann sind wir richtiggehend furchteinflößend – für unsere Gegner.

Der EHC als Angstmacher.
(lacht) Das ist ein richtig gutes Gefühl!

Ganz viele Teams versinken nach einem Titelgewinn in einer Art Championship-Blues. Beim EHC scheint das so gar nicht der Fall zu sein. Wieso?
Weil wir alle einfach süchtig nach Erfolg sind. Und wenn man mal Erfolg hatte, macht das noch hungriger danach. Und ich weiß, wie es ist, auf der anderen Seite zu sein, wie es sich anfühlt, aus einer Finalserie als Verlierer hervorzugehen. Ich habe das zwei, drei Mal erleben müssen. Es bricht dir das Herz.. Und wie anders hat sich der Titelgewinn mit den Red Bulls angefühlt! Da zu stehen, den Meisterpokal in die Höhe zu stemmen und den Gegner mit einem Handschlag in die Saison zu verabschieden, das fühlt sich toll an. Dieses Gefühl alleine ist es schon wert, dass man sich in jeder Sekunde den Hintern aufreißt, um eben Erfolge feiern zu können.

Sie sprachen Ihre Finalniederlagen an, daran waren auch zwei Ihrer jetzigen Teamkollegen dran beteiligt.
Ohja! Keith Aucoin und Steve Pinizzotto. Und die beiden lassen es mich auch bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit wissen. Keith weniger, aber Steve reibt dir das schon sehr gerne unter die Nase. Aber dieser gemeinsame Titelgewinn hat ihm da den Wind aus den Segeln genommen. Ein schöner Nebeneffekt. (lacht)

"Man lernt nur von den Besten"

Sie sind jetzt 35, merken Sie eigentlich, dass Ihnen die Belastungen des Sports mehr zusetzen als früher?
Ich will gar nicht so laut ja sagen, wie ich es jetzt müsste. So mit 30, 31 habe ich festgestellt, dass man die Spiele nicht mehr so aus den Knochen schüttelt. Aber ich habe eben daraus meine Konsequenzen gezogen und mich nochmehr um meinem Körper, die Vorbereitung, das Training gekümmert, dadurch gleicht man das dann wieder aus. Als junger Spieler achtet man ja auf viele Dinge nicht so, aber mit dem Alter und seinen einhergehenden Nickligkeiten kommt viel Einsicht und Weisheit (lacht).

Da half es sicher, dass Sie sich in diesem Jahr beim gemeinsamen Training mit dem Eishockeyfan und Pop-Superstar Justin Bieber was abschauen konnten.
(lacht) Man lernt nur von den Besten! Und er hat in dem Spiel mehr Tore geschossen als ich, also habe ich wohl von ihm lernen müssen und nicht anders rum. Aber Spaß beiseite, es war eine tolle Erfahrung. Er ist ein guter Spieler und war sehr umgänglich. Für ihn war es einfach der Ausgleich zu dem verrückten Leben, das er sonst führt. Hier war er nur einer der Jungs, nicht der Superstar, bei dessen Anblick alle kreischen.

Debütant Kastner und der König der Lüfte

Wie sehr haben Sie und Ihre Familie sich denn in München eingelebt?
Bevor ich 2015 in München unterschrieben habe, habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, ob ich meiner Familie das zumuten will. Ein fremdes Land, eine andere Sprache, eine andere Kultur. Wenn man in einer gewissen Phase seiner Karriere ist, dann sind nicht mehr die Dollarzeichen ausschlaggebend, sondern die Chance, Titel zu gewinnen und vor allem, dass es der Familie gutgeht. Ich hatte Angst, dass meine Kinder keine Freunde finden würden, weil sie die Sprache nicht sprechen, dass sie traurig sein würden. Zum Glück ist nichts davon eingetroffen. Wir sind hier extrem glücklich als Familie, fühlen uns ungemein wohl. Das war auch der Grund, warum ich meinen Vertrag hier verlängert habe.

Also alles richtig gemacht mit der Entscheidung, nach München zu wechseln.
(lacht) Aber sowas von richtig! Titel geholt, Familie glücklich. Eine meisterliche Entscheidung.

 

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