AZ-Interview zum 70. Ingrid Steeger: "Ich will keinen Sex mehr haben müssen"

Mit Blumen und Torte: Ingrid Steeger in ihrer Schwabinger Wohnung. Foto: Schneider-Press/Erwin Schneider

An diesem Samstag wird Ingrid Steeger 70. Rundum fröhlich ist die einstige Spaßmacherin allerdings nicht. Hier erklärt sie die Gründe.

 

Schwabing - Sie war die Ulknudel der TV-Nation, dabei hatte sie privat wenig zu lachen. Ingrid Steeger ("Klimbim") hatte eine schreckliche Kindheit zwischen Missbrauch und Missachtung, es folgten: ein freizügiges Leben im Rampenlicht, viele, mitunter auch die falschen, Männer, Ruhm, Geld, Betrug, Absturz, Depression, Hartz IV – und ein Wunder: In einem Alter, in dem andere in den Ruhestand gehen, berappelt sich Steeger wieder, spielt Theater und kann heute die Miete ihrer 40-Quadratmeter-Wohnung in Schwabing selbst zahlen. An diesem Samstag wird sie 70 Jahre alt.

AZ: Frau Steeger, wie geht es Ihnen heute wirklich?
INGRID STEEGER: Mein iPad wurde gerade geklaut, eine Schweinerei, im Hotel. Will natürlich kein Zimmermädchen zugeben. Dazu wird der Fernseher in meiner Wohnung gerade umgestellt, damit er nicht abgestellt wird, ich blicke da leider nicht so durch. Wegen diesem...

... DVB-T, egal. Ich meinte eher gesundheitlich.
Ach, so. Mein Knie ist seit zehn Jahren taub wegen "Klimbim", weil ich mich da immer überschlagen musste. Ich habe einen Schluckauf, der nicht mehr verschwindet und gehe dem Tod entgegen. So schaut’s aus.

Das klingt sehr deprimierend. Dabei könnte es viel schlimmer ausschauen, oder nicht?
Ja, wie mit Christine Kaufmann, ich weiß. Aber warum soll ich Drumherum reden. Ich habe das Leben nicht mehr vor mir, sondern den Tod.

Aber richtig schlecht geht es Ihnen doch aktuell nicht?
Nein, das stimmt. Ich hüpfe immer noch herum wie ein Floh, gehe mit meinem Hund Eliza Doolittle viel spazieren und ich habe Freunde. Das ist in meinem Alter, ohne Familie, Mann, Kindern, das Wichtigste.

Den Schluckauf hört man gerade auch nicht. 
Sie haben Recht, gerade ist Ruhe, das ist gut. Wenn ich Stress habe, kommt er wieder.

Dann stelle ich eine garantiert stressfreie Frage: Wann waren Sie am glücklichsten?
Mit Regisseur Dieter Wedel. Er war gut zu mir, das war die schönste Zeit. Er hat mich so genommen, wie ich bin. Und ich konnte viel von ihm lernen. Leider hatte er parallel zu mir noch eine andere Frau, das hat mich schon sehr verletzt. Aber wir mögen uns bis heute.

War "Klimbim" für Sie Fluch oder Segen?
Beides. Ohne "Klimbim" wäre ich ganz woanders. Wo, weiß ich nicht. Noch heute sprechen mich ständig wildfremde Menschen auf der Straße auf die Serie an, zitieren meinen Satz: "Dann mach’ ich mir einen Schlitz ins Kleid und find’ es wunderbar." So Sachen, naja. Aber es war damals auch anstrengend. Michael Pfleghar war der Regisseur, er hat sich später erschossen, natürlich war es immer anstrengend mit ihm. Er zwang mich, jeden Tag ein Stück Torte zu essen, damit ich zunahm. Aber ich bin eine schlechte Esserin, seitdem meine Mutter als Kind zu mir gesagt hat, ich würde wie eine ausgetrocknete Pflaume ausschauen. Sie war kein netter Mensch. Seitdem bin ich immer zu dünn, auch der Pfleghar konnte das nicht ändern.

Sie liebten ihn trotzdem?
Wir waren zusammen, aber er hat nicht öffentlich zu mir gestanden. Als er sich erschossen hat, war ich nicht sonderlich überrascht. Ich wusste, dass er Drogen nimmt.

Hätten Sie gerne den Traummann an Ihrer Seite?
Mit 70 trifft man seinen Traummann nicht mehr.

Vielleicht ja doch?
Hmm. Einen schwulen Mann würde ich heiraten.

Weil der Sex wegfällt?
Ich will keinen Sex mehr haben müssen. Das ist vorbei, da bin ich auch froh. Aber es wäre schön, einen unterhaltsamen, netten Mann zu haben. In ein paar Tagen fahre ich zu einer Freundin, die heiratet einen Transvestiten. Heute ist ja vieles möglich.

Hatten Sie in Ihrem Leben mehr Glück oder Pech?
50:50, würde ich sagen. Ich bin ein Stehaufmännchen. Ich falle manchmal, dann stehe ich wieder auf. Das kann ich. (Ihr Schluckauf geht wieder los). Oh, nein, mein Schluckauf.

Frau Steeger, das tut mir leid. Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen.
Nein, nein. Es tut ja nicht weh. Um mich herum sterben so viele Freunde, da bin ich mit dem Schluckauf ganz glücklich. Ich darf das nur nicht auf der Bühne haben. Ist bisher nie passiert, auf der Bühne blende ich alles aus, da bin ich ein Torpedo.

 

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